Die Bundeswehr will für Milliarden von Euro Drohnen kaufen. Einer der Hersteller ist ein Start-up, in das Trump-Vertrauter Peter Thiel investierte.

Tausende Kampfdrohnen sollen der Bundeswehr-Brigade in Litauen bei der Abschreckung gegen Russland helfen. Das Bundesverteidigungsministerium hat zwei deutschen Rüstungs-Startups dafür Großaufträge erteilt. Am Mittwoch soll der Haushaltsausschuss des Bundestags grünes Licht für den Deal geben.

Berichte über angeblich nicht ausgereifte Technik und die umstrittene Beteiligung des Trump-Vertrauten Peter Thiel an einem der beteiligten Unternehmen nähren Zweifel an dem Vorhaben.

Kamikaze-Drohnen für moderne Kriegsführung

Die Erfahrungen aus der Ukraine zeigen, dass das Kampfgeschehen in Kriegsgebieten immer mehr von unbemannten Flugkörpern bestimmt wird. Drohnen können in Schwärmen feindliche Ziele bekämpfen, ohne dabei die Soldaten der angreifenden Streitkräfte einer direkten Gefahr auszusetzen.

Für diese moderne Art der Kriegsführung will sich auch die Bundeswehr rüsten und massenhaft so genannte Loitering Munition bestellen. Dabei handelt es sich um unbemannte Flugkörper, die über ihrem Ziel „lauern“, bis sie von einem Operateur den Befehl zum Angriff bekommen. Dann werfen sie entweder eine Sprengladung ab oder stürzen sich selbst auf ihr Zielobjekt. Im Militärjargon werden sie daher auch als „Kamikaze-Drohnen“ bezeichnet.

Welche Hersteller sollen liefern?

Die beiden deutschen Rüstungs-Startups Stark Defence aus Berlin und Helsing aus München sollen die Kampfdrohnen liefern. Zunächst geht es um einen Auftrag für insgesamt rund 536 Millionen Euro mit der Option einer Erweiterung in Milliardenhöhe.

Über die genaue Anzahl der Drohnen und die mögliche Gesamthöhe des Deals hüllen sich Unternehmen und Verteidigungsministerium in Schweigen. Nach einer Vorgabe von Generalinspekteur Carsten Breuer sollen die Waffensysteme 2027 in Litauen einsatzbereit sein.

Um welche Drohnen geht es?

Helsing soll die zwölf Kilogramm schwere, Propeller-angetriebene Kampfdrohne „HX-2“ liefern. Sie startet von einem Katapult und soll nach Unternehmensangaben in der Lage sein, „Artillerie, gepanzerte Fahrzeuge und andere militärische Ziele auf bis zu 100 km Reichweite zu bekämpfen“. Integrierte künstliche Intelligenz (KI) soll sicherstellen, dass der Flugkörper „gegen feindliche Maßnahmen der elektronischen Kriegsführung immun ist“. Ein menschlicher Operator bleibt bei allen kritischen Entscheidungen eingebunden.

Die „Virtus“-Drohne von Stark Defence ist etwas größer, wird ebenfalls mit Propellern angetrieben und soll selbstständig ohne Startrampe abheben können. Dadurch kann sie nach Unternehmensangaben „in unter zehn Minuten von nahezu jedem Gelände aus einsetzbar“ sein. Sie soll bis zu 80 Zentimeter dicken Panzerstahl durchschlagen können. Wie die Helsing-Drohne soll die „Virtus“ durch KI-gestützte Software auch dann Kurs halten, wenn feindliche Kräfte elektronische Störsignale („Jamming“) senden.

Berichte über geringe Treffsicherheit

Nach Medienberichten über eine geringe Treffsicherheit bei Tests mit früheren Varianten sollen die Drohnen inzwischen bei der Zielgenauigkeit überzeugend sein. Innovationsklauseln bei den Beschaffungsvorgängen sollen laut Verteidigungsministerium „sicherstellen, dass die Bundeswehr stets über moderne und einsatzfähige Systeme verfügt“. Die Hersteller hätten „die erforderliche Reife bzw. Qualität nachweisen können“, erklärte das Ministerium auf Anfrage der Nachrichtenagentur AFP.

Die beiden beteiligten Unternehmen verweisen darauf, dass die Systeme fortlaufend unter Kampfbedingungen unter anderem in der Ukraine getestet und weiter entwickelt werden. Stark Defence erklärte auf AFP-Anfrage: „Nach den jüngsten Erprobungen sind wir mehr denn je von der hohen Zielgenauigkeit und der Leistungsfähigkeit unseres Systems überzeugt.“

Trump-Vertrauter Thiel nährt Sorge um US-Einfluss

An Stark Defence ist der US-Investor Peter Thiel beteiligt, der als Demokratieskeptiker und einflussreicher Unterstützer von US-Präsident Donald Trump bekannt ist. Die Grünen-Verteidigungspolitikerin Sara Nanni warnte im Gespräch mit AFP vor einem versteckten Einfluss des umstrittenen US-Tech-Milliardärs.

Auch wenn Thiel aufgrund der Höhe seiner Anteile keine direkten Befugnisse bei Stark Defence habe, könnte er „über einen Investorenvertrag sehr wohl Einfluss nehmen“. Bei einem strategisch wichtigen Produkt wie Kampfdrohnen aus deutscher Produktion müsse auch das Investorenrisiko ausreichend beachtet werden.

Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) und die SPD hatten ebenfalls Vorbehalte gegen die Rolle des Trump-Intimus geäußert. Die SPD-Fraktion kündigte inzwischen ihr Ja zu der Beschaffungsvorlage an, nachdem ihre ursprünglichen Bedenken ausgeräumt worden seien.

Stark Defence erklärte dazu, bei ausländischen Beteiligungen an deutschen Rüstungsunternehmen finde bei Überschreiten von zehn Prozent eine verpflichtende Vorab-Prüfung durch das Bundeswirtschaftsministerium statt, „ob Interessen der Bundesrepublik beeinträchtigt sind.“ Dann könne die Beteiligung untersagt werden. Gleiches gelte, sollten unterhalb dieser Schwelle Sonderrechte etwa bei der Besetzung von Gremien bestehen. „Nichts davon ist hier der Fall.“

Kritik an mangelnder Transparenz

Haushalts- und Verteidigungspolitiker kritisieren fehlende Transparenz beim Vergabeverfahren. Bei Rahmenverträgen von jeweils mehr als zwei Milliarden Euro müsse „das Verteidigungsministerium besser begründen, warum die Preise so hoch sind“, sagte Nanni.

Der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Bundestag, Thomas Röwekamp (CDU), sagte dazu dem Redaktionsnetzwerk Deutschland, es gebe noch „offene Fragen zum Preis, der Menge und den technischen Fähigkeiten“. Diese könnten jedoch „im üblichen parlamentarischen Verfahren“ geklärt werden.

AFP lpb

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