Deutsche Unternehmen sehen ausbleibende Reformen des Sozialstaats als größtes Hindernis für Investitionen in den Standort Deutschland. 61 Prozent der befragten Firmen rechnen damit, dass ihre Lohnnebenkosten im laufenden Jahr weiter steigen werden, wie aus einer aktuellen Befragung des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) hervorgeht, die WELT AM SONNTAG vorliegt.

Als zweites großes Hindernis nennen die Unternehmen die von US-Präsident Donald Trump betriebene Zollpolitik, hier rechnen 40 Prozent mit einem negativen Einfluss auf ihre Bereitschaft, zu investieren.

Schon jetzt bleibt die Investoren-Aktivität am Standort den Analysten zufolge hinter dem Niveau von vor etwa sieben Jahren zurück, sie liege um fast ein Viertel niedriger als 2019. Die Bundesregierung machte die Stärkung von Investitionen deshalb zum politischen Ziel.

Nach den Auswirkungen ausgewählter Maßnahmen befragt, gaben die Firmen an, dass sie positive Effekte unter anderem vom Bürokratieabbau erwarten. 88 Prozent rechnen damit, dass dieser den Standort innerhalb des laufenden Jahres für Investitionen attraktiver machen wird. 84 Prozent sagen, dass sich die beabsichtigte Senkung der Energiekosten positiv auf ihre Investitionstätigkeit in Deutschland auswirken werde. 73 Prozent glauben, dass die Vorhaben der Bundesregierung zur Digitalisierung gut für Investitionen sind.

Deutlich skeptischer blicken die Firmen hingegen auf die Pläne für staatliche Investitionen, wovon das neue Schuldenpaket in Höhe von 500 Milliarden Euro den größten Anteil ausmacht. Hier erwarten lediglich 58 Prozent einen positiven Effekt auf ihr Investitionsverhalten.

Laut der IW-Umfrage rechnen die Unternehmen hier aber zumindest langfristig mit positiven Effekten. Für das laufende Jahr sagen zudem 52 Prozent der Betriebe, dass die politischen Vorhaben im Bereich der Verkehrsinfrastruktur zu mehr Investitionen führen werden.

Insgesamt gingen viele der bisher von der Regierung getroffenen Maßnahmen „in die richtige Richtung“, so das IW. Handlungsbedarf gebe es aber weiterhin, wie ein internationaler Vergleich zeigt. Unter den 45 Mitgliedstaaten der Industrieländer-Organisation OECD liegt Deutschland nur auf Platz 12.

Gegenüber anderen Nationen verbesserten sich die Bedingungen für die Industrie in Deutschland laut IW zudem weniger schnell. Die Umfrage ist Teil einer Konjunkturumfrage unter knapp 2000 Unternehmen am Standort Deutschland.

Dieser Artikel wurde für das Wirtschaftskompetenzcenter von WELT und Business Insider erstellt.

Felix Seifert ist Redakteur im Ressort Wirtschaft und Innovation. Er schreibt unter anderem über die Themen Karriere, Verbraucher, Mittelstand und Immobilien.

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