Anfang des Jahres fragen sich viele Anleger, ob sie ihre Geldanlage neu sortieren müssen. Warum das für viele gar nicht notwendig ist und wer tatsächlich etwas tun sollte.

Der einzige Automatismus, den die Kapitalmärkte kennen, ist dieser: Es gibt so etwas wie den Januar-Effekt. Zu Beginn jedes Jahres fragen sich viele Anleger, ob sie ihr Depot großzügig aufräumen müssen. Erst recht, wenn auch noch politische Unruhe herrscht – so wie jetzt aktuell. Nach Donald Trumps Angriff auf Venezuela ist die Unsicherheit wieder enorm gestiegen. Müssen Anleger ihre Geldanlage zu Beginn des Jahres also schnell krisenfest machen?

Zunächst einmal gilt: keine Panik. Wenn Sie Ihr Geld vorher schon so investiert haben, wie es gute Vermögensverwalter und Finanzberater empfehlen, brauchen Sie in dieser Lage rein gar nichts daran ändern. Dann haben Sie Ihr Geld möglichst breit über mehrere Anlageklassen verteilt und setzen auf viele Regionen der Welt und Branchen. Außerdem passt ihre Aufteilung im Depot jetzt schon zum eigenen Risikoempfinden. Denn das ist das eigentlich Wichtige bei der Geldanlage: Man muss sich mit dem gewählten Mix wohlfühlen.

Klingt merkwürdig, erklärt sich aber so: Wer sich wirklich wohlfühlt mit der Aktienquote, die er im Depot hat – seien es nun 20, 60 oder über 80 Prozent Aktien – der kann getrost an dieser Quote festhalten. Auch wenn die Zeiten unruhiger werden, und gerade dann. Denn man entscheidet sich für eine hohe Aktienquote, weil man sich einerseits eine höhere Renditechance erhofft, andererseits auch bereit ist, das höhere Risiko zu tragen.

Aktien lohnen sich auf Dauer immer

Statistiken zeigen: Es gab immer wieder schlechte Jahre und große Kursstürze bei Aktien. Doch ab einer Haltedauer von 15 Jahren fiel das Anlageergebnis mit breit gestreuten Indizes wie dem MSCI World bisher immer positiv aus. Das galt in den letzten 50 Jahren. Und auch über 125 Jahre fuhr keine andere Anlageklasse so gute Renditen ein wie Aktien. Im Langfristschnitt schafften sie rund 9 Prozent jährlich. Um auf derartige Erträge zu kommen, muss man im Grunde nur eines tun: lange genug an einem möglichst breiten Aktienmix festhalten.

Trotzdem ist es ratsam, nicht zu 100 Prozent auf Aktien zu setzen und grundsätzlich noch ein paar sehr sichere Bestandteile im Portfolio zu haben. Also Geldanlagen, die zwar üblicherweise etwas weniger Rendite abwerfen als Aktien, aber das Gesamtvermögen (auch wenn es nur ein kleines Vermögen ist) erheblich stabiler halten, wenn die Aktienkurse mal flattern. Dazu eignen sich entweder Anleihen, die gibt es von Staaten und Unternehmen und sie garantieren ihrem Besitzer über die gesamte Laufzeit feste Zinsen jedes Jahr. Man kann sie auch als Anleihen-ETF ins Depot legen, etwa den Index Euro Aggregate Bond. Hier darf man sich aber nicht von der schlechteren Kursentwicklung abschrecken lassen, denn sie lohnen sich über die jährlichen Zinsausschüttungen. Bei guten Anleihen rechnet man mit etwa 4 Prozent jährlicher Rendite auf lange Sicht.

Man kann auch klassische Rentenversicherungen zum Anleiheteil des eigenen Portfolios zählen, denn Versicherer stecken das Kundenkapital zu rund 80 Prozent in Anleihen. Rechnen Sie also einmal zusammen, wie hoch ihre garantierten Auszahlungen aus Lebens- und Rentenpolicen sein werden und setzen Sie es ins Verhältnis zu dem Geld, was Sie in Aktien angelegt haben. Alternativ kann man sein Geld sicher auf einem Festgeldkonto bei einer heimischen oder europäischen Bank bunkern. Das bringt momentan rund zwei Prozent Zinsen.

Geldanlage mit Gold?

Viele greifen in diesen Krisenmomenten auch zu Gold, denn man nimmt an, dass es krisenfest ist. Und vielleicht stimmt das sogar und es taugt tatsächlich im größten Chaos noch als Zahlungsmittel. Sofern man es in entsprechender Stückelung zur Hand hat. Vielleicht tauschen wir im ultimativen Krisenfall aber auch lieber wieder Zigaretten oder Lebensmittel. Gold kann als Beimischung im Gesamtanlagenmix und zur Stabilisierung des Depots dienen, aber hundertprozentige Sicherheit bietet auch der Barren- und Münzenbesitz nicht. Sicher ist nur: Deutsche kaufen Gold immer am liebsten dann, wenn der Preis extrem hoch ist und für Schlagzeilen sorgt – der schlechtestmögliche Zeitpunkt. Denn der Preis kann jederzeit wieder fallen, dann hat man sich sehr teuer eingedeckt.

Doch zurück zur Frage: Muss ich mich von Aktien trennen? Wer hauptsächlich in Welt-Indexfonds anlegt, der sollte unbedingt die Nerven bewahren und sie behalten. Auch wenn der Amerika-Anteil darin mit 70 Prozent sehr hoch ist. Es kann sich lohnen zusätzlich europäische ETFs zu kaufen, oder ETFs mit asiatischen und Schwellenländern, oder mit kleineren Unternehmen, also Small Caps. So stellt man sein Depot noch breiter auf. 

Ganz grundsätzlich aber gilt: Die Wertentwicklung eines Portfolios, also Ihres Gesamtvermögens, hängt sehr viel stärker davon ab, welchen Gesamtmix aus Aktien und Anleihen Sie gewählt haben, als davon, auf welche einzelnen ETFs und Papiere Sie dabei setzen. Wer möglichst viel Rendite mitnehmen will, aber nicht die volle Schwankungsstärke eines Aktiendepots ertragen möchte, dem empfiehlt die Finanzmarktforschung eine Mischung aus 60 Prozent Aktien und 40 Prozent Anleihen. 

Und daran kann man im Grunde ein Leben lang festhalten, egal was im Rest der Welt passiert.

Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke