Eine Rückgabe der WM 2027 ist angesichts des Wirbels um eine mögliche Teilnahme Russlands für den Deutschen Eishockey-Bund aktuell keine Option mehr. „Das ist nichts, was wir planen“, sagte der DEB-Vorstandschef Frank Lutz beim Deutschland Cup in Düsseldorf. „Wir wollen die Weltmeisterschaft nächstes Jahr in Deutschland abhalten und ich bin auch sehr optimistisch, dass wir das schaffen werden.“
Nach dem umstrittenen Urteil des Internationalen Sportgerichtshofes Cas, dass die Suspendierung russischer Teams wegen des Angriffskrieges gegen die Ukraine aufzuheben sei, hatte Lutz zunächst einen möglichen Rückzug als WM-Ausrichter ins Spiel gebracht. Eine WM-Rückgabe wäre aber wohl mit Strafzahlungen verbunden. Auch der sportpolitische Schaden für Deutschland angesichts der Olympia-Bewerbung Münchens wäre immens.
Vor den Gesprächen zwischen Russland, der Ukraine und den USA in Abu Dhabi dämpft Sicherheitsexperte Nico Lange die Erwartungen. Ein teilweiser Waffenstillstand und ein Gefangenenaustausch wären bereits Fortschritte, so Lange.Der Weltverband IIHF hatte zuletzt erklärt, nach dem Urteil den diplomatischen Weg einzuschlagen, den auch Lutz begrüßt. Demnach soll Russland wohl zu einem Verzicht auf die Teilnahme überzeugt werden.
Nach Gesprächen mit der Bundesregierung in der vergangenen Woche sieht Lutz wieder eine gute Chance für die Heim-WM – ohne russische Beteiligung. „Das Urteil des Cas verpflichtet die IIHF, Russland wieder zuzulassen. Das ist etwas, das wir aus vielen Gründen ablehnen. Die deutsche Politik lehnt das auch ab“, sagte Lutz. Die Bundesregierung entscheide am Ende des Tages darüber, wer ins Land reinkommt. „Aber das ist auf der anderen Seite natürlich auch so ein bisschen Ultima Ratio“, sagte Lutz.
Der DEB-Vorstandschef betonte: „Wir haben sieben oder acht Nationen, die erklärt haben, bei der WM nicht gegen ein russisches Team spielen zu wollen. Das macht eine WM mit 16 Nationen unmöglich.“ Regierungssprecher Stefan Kornelius hatte sich am Freitag ähnlich geäußert.
Schweiz will bei U20-WM nicht gegen Russland spielen
Wirbel gibt es im internationalen Eishockey auch um die U20-WM in Kanada, die in knapp sieben Wochen stattfindet. Demnach ersetzt die russische Junioren-Auswahl im Spielplan des Turniers Norwegen in der Gruppe B. Der mögliche Gruppengegner Schweiz reagierte und kündigte nun an, nicht gegen Russland zu spielen. Der Weltverband habe den teilnehmenden Nationen einen angepassten Spielplan zugestellt, hieß es vom Schweizer Verband.
Man habe sich in den vergangenen Tagen intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt und sowohl die sportlichen als auch die politischen und gesellschaftlichen Aspekte sowie die möglichen Konsequenzen sorgfältig geprüft und abgewogen.
„Auf dieser Grundlage hat der Verwaltungsrat von Swiss Ice Hockey entschieden, dass die Schweizer U20-Nationalmannschaft angesichts des anhaltenden Ukraine-Konfliktes und der gegenwärtigen Umstände an der kommenden Weltmeisterschaft nicht gegen die russische U20-Nationalmannschaft antreten wird“, erklärte der Schweizer Verband. Zugleich stellten die Schweizer klar, dass dies keine Absage an die WM-Teilnahme sei. „Die Schweizer U20-Nationalmannschaft hält an ihrer Teilnahme am Turnier in Edmonton fest. Der Entscheid bezieht sich ausschließlich auf die Begegnung mit Russland“, betonte der Verband.
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