Die Jagd nach dem Rekord geht in Spanien weiter. Montag reiste Harry Kane mit dem FC Bayern von München aus nach Madrid, wo der deutsche Fußball-Rekordmeister am Dienstag (21 Uhr, DAZN und Liveticker bei WELT) in der Champions League bei Atlético antritt.

Trifft der englische Nationalstürmer auch im Estadio Metropolitano, würde er die längste Torserie in der bisherigen Geschichte der Königsklasse einstellen. Der 33-jährige Ballon d’Or-Sieger hat in seinen vergangenen zehn Einsätzen für die Bayern in der Champions League getroffen – einzig dem portugiesischen Superstar Cristiano Ronaldo gelang zwischen 2017 und 2018 für Real Madrid mit elf Partien eine längere Serie in der Historie des wichtigsten Klubwettbewerbs der Welt.

Die Hoffnungen der Münchner ruhen vor allem auf Kane. Sie stehen vor der Partie unter Druck. Und haben nach dem 2:2 im Topspiel der Bundesliga gegen Borussia Dortmund am vergangenen Wochenende enorme Verletzungssorgen.

Nach drei Spielen in der Vorrunde der Champions League kommen sie auf fünf Punkte. Zuletzt spielten sie bei Viking Stavanger überraschend 3:3 und verpassten auch gegen den FC Arsenal den Sieg (2:2). Um es unter die besten zwei Mannschaften der Vorrunde zu schaffen und somit einen etwas einfacheren Weg in Richtung Endspiel zu haben, wird man wohl wieder rund 20 Punkte benötigen. Sollten die Münchner in Madrid nicht gewinnen, würde es schwierig bis unmöglich werden, das zu schaffen.

„Es ist ein Champions-League-Topspiel. Wir müssen aktuell Nehmerqualitäten zeigen“, sagte Sportvorstand Max Eberl. „Wir müssen weitermachen, um die großen Titel zu holen. Wir wollen in Madrid gewinnen. Die Punkte aus Stavanger hängen uns nach. In Madrid haben wir eine Chance, wieder etwas gutzumachen. Es ist definitiv eines der kompliziertesten Auswärtsspiele, das du in der Champions League haben kannst. Es ist eine Mannschaft, die wirklich alles von uns abverlangen wird. Druck haben wir immer. Trotzdem fahren wir dahin und versuchen, das Bestmögliche zu erreichen.“

Sportvorstand Max Eberl flog Montag mit dem FC Bayern nach Madrid

Selbst für das Erreichen der Top acht und das Vermeiden der Playoffs braucht eine Mannschaft wohl rund 15 Punkte. Im Falle einer Niederlage oder eines Unentschiedens gegen Atlético müssten die Bayern an den vier letzten Spieltagen dann beinahe alle möglichen Punkte holen, um sich noch direkt fürs Achtelfinale zu qualifizieren. Bislang hat der Meister bei Atlético noch nie gewonnen. Atlético hat sogar nur vier Punkte und steht noch mehr unter Druck als die Münchner.

Bangen um Michael Olise

Nach Luis Diaz und Jamal Musiala müssen die Bayern seit dem vergangenen Wochenende auch auf Serge Gnabry (Muskelverletzung im Oberschenkel) und Ismael Saibari (Syndesmosebandriss) verzichten. Somit fehlen vier Offensivprofis. Michael Olise musste gegen Dortmund wegen Knieproblemen ausgewechselt werden, soll nach ersten Erkenntnissen aber nicht schwerer verletzt sein. Beim Training am vergangenen Montag war er dabei, trug eine Bandage am rechten Knie. Dennoch scheint fraglich, ob die Bayern ihn in Madrid einsetzen und unter Umständen eine Verschlimmerung der Verletzung riskieren.

Eine ähnlich schwierige Entscheidung könnte Interimstrainer Aaron Danks bei Torwart Manuel Neuer (Sehnenreizung) und Jonas Urbig (bekam gegen den BVB die Knie eines Gegenspielers ins Gesicht) bevorstehen, sollten sie einsatzfähig, aber noch nicht total fit sein. Neuer und Urbig waren beim Training am Montag ebenfalls dabei. Musiala und Diaz trainierten individuell.

„Bei Michael Olise werden wir morgen nochmal schauen, wir schauen von Tag zu Tag“, sagte Eberl Montagnachmittag. „Es ist positiv, dass er dabei ist, weil er ein herausragender Spieler ist, der uns immer gut zu Gesicht steht. Wir werden aber auch das Risiko meiden, dass es eine längere Verletzung wird. Manuel Neuer war eine längere Zeit raus, hat trainiert, da schauen wir mal.“

Aktuell betonen die Klubverantwortlichen, dass sie trotz der Personalsorgen in der Offensive keine Wintertransfers planen. Im vergangenen Sommer hatten sie entschieden, kein Geld für ein kostspieliges Backup für Diaz zu investieren. Eberl und Sportdirektor Christoph Freund gaben den potenziellen Ersatz-Kandidaten Arijon Ibrahimović auch aufgrund schwankender Leistungen in der Vorbereitung per Leihe an den FC Augsburg ab.

Geld für Zugänge im Winter wäre da. Mit dem Verkauf von fünf Prozent der Anteile an der Profi-AG, dem 250-Millionen-Deal mit der Viessmann Generations Group, wird das Festgeldkonto der Bayern demnächst so voll sein wie nie zuvor. „Das ist ein Pfund, das wir noch nie hatten. Damit sind wir jederzeit bereit, anzugreifen“, sagte Uli Hoeneß im exklusiven Interview mit WELT AM SONNTAG. Das Geld sei aber langfristiger ausgerichtet, die Transferpolitik werde man nicht ändern.

Arijon Ibrahimović ist vom FC Bayern an den FC Augsburg verliehen

Intern gehen die Bayern davon aus, dass Diaz, Musiala und Gnabry zum Bundesliga-Auftakt nach der Winterpause bei Borussia Mönchengladbach (8. bis 10. Januar) wieder einsatzbereit sind. Einzig Saibari wird dann möglicherweise noch nicht spielen können. Daher sehen die Bosse keinen dringenden Handlungsbedarf, im Winter zu investieren – auch, weil der Transfermarkt im Januar meist schwierig ist.

Die wirklichen Stars stehen in dieser Transferperiode selten zum Verkauf oder werden lediglich zu überteuerten Preisen angeboten. Außerdem denken die Bayern im Hintergrund nach Informationen dieser Redaktion über einen Offensiv-Transfer für den Sommer 2027 nach. Auch dafür soll das Geld zusammengehalten werden.

Aaron Danks vertritt an der Seitenlinie den erkrankten Cheftrainer Vincent Kompany

Interimstrainer Aaron Danks, der den erkrankten Chefcoach Vincent Kompany vertritt, muss nun einen Plan entwickeln, wie die Ausfälle von Díaz, Musiala, Gnabry und Saibari in den kommenden Wochen aufgefangen werden können. Er könnte Linksverteidiger Alphonso Davies in dieser Phase dauerhaft auf dem linken Flügel einsetzen.

Für die Zehnerposition kommen derzeit Jungstar Lennart Karl, Nathaniel Brown – flexibel einsetzbarer Linksverteidiger – und Mittelfeldprofi Tom Bischof infrage. Bischof spielt eigentlich als Sechser. Vor allem Karl darf sich wegen der Verletzungen der Topstars in den nächsten Wochen Hoffnung auf viel Spielzeit und Startelf-Einsätze machen. Danks wechselte ihn gegen den BVB überraschend spät ein, lobte ihn nach der Partie aber als wichtigen Topspieler.

Rund 70.000 Zuschauer in Madrid

„Es wäre schon mit dem kompletten Kader eine große Aufgabe“, sagte Vorstand Eberl über die Herausforderung in Madrid. „Bayern München hat in den vergangenen Wochen gezeigt: Wenn man zusammenrückt, kann man einiges bewegen.“

Spiele gegen Atlético tun in der Regel weh. Erst recht in Madrid, im rund 70.000 Zuschauer fassenden Metropolitano, in dem natürlich auch der emotionale Trainer Diego Simeone mit Atlético unbedingt im kommenden Jahr das Königsklassen-Finale bestreiten will.

Der FC Bayern steht vor einem schwierigen Fußballabend.

Julien Wolff ist Redakteur im Sportkompetenzcenter. Er berichtet für WELT seit vielen Jahren über den FC Bayern, die Nationalmannschaft sowie über Fitness-Themen. Er saß am vergangenen Samstagabend beim Topspiel im Münchner Stadion auf der Medientribüne.

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