Sportlich hat Alexander Zverev fast alles erreicht, doch im Kontakt zu den Fans sieht Tennis-Legende Boris Becker noch viel Verbesserungsbedarf für den neuen Weltranglistenersten. In Interviews auf Deutsch empfindet Becker Zverev oft als schroff und abgehackt, „gegenüber Journalisten auch nicht gerade freundlich“. In englischen Interviews sei er deutlich sympathischer, habe Charme und Witz, sei sprachgewandt und selbstironisch.

Auf die Frage, wieso Zverev bisher nicht so die Herzen zufliegen, präsentierte der 58-Jährige einige Vermutungen: „Seine Eltern kommen aus Russland, er spricht auf dem Platz russisch mit seiner Box“, sagte Becker dem „Spiegel“. Zudem äußere sich Zverev politisch nicht zum Krieg in der Ukraine, was Becker persönlich verstehen könne. „Aber es kommt natürlich nicht so gut an“, stellte der sechsmalige Grand-Slam-Sieger fest.

Der heutige TV-Experte rät der neuen Nummer 1 der Welt, „mehr zuzulassen“. Privat habe er Zverev als charmanten und witzigen Menschen kennengelernt. „Wenn ihm wichtig ist, dass er mehr respektiert wird und vielleicht sogar geliebt, vor allem in seinem Heimatland Deutschland, dann muss er etwas dafür tun.“ Als Spieler brauche man die Fans im Rücken, man müsse daher auch „mehr zulassen“.

Becker zu den Vorwürfen der häuslichen Gewalt an Zverev

„Im fünften Satz will ich, dass sie für mich jubeln, dass sie mich unterstützen und nicht den Gegner. Und das tun sie, wenn sie dich gernhaben und wollen, dass du gewinnst. Bei Sascha hat man diesen Eindruck nicht immer, dass er das will“, sagte Becker. Als Nummer 1 habe er nun eine andere Bedeutung und werde anders wahrgenommen.

Boris Becker übt nicht selten Kritik an Alexander Zverev

Auch auf die Vorwürfe häuslicher Gewalt gegen Zverev wurde Becker angesprochen. „Das wurde vor Gericht gelöst. Ich bin weder ein Richter noch ein Ankläger, aber man hätte es im Nachhinein mit bestimmten PR-Maßnahmen besser erklären können“, sagte Becker dazu. Eine Ex-Freundin hatte dem Spitzensportler Körperverletzung vorgeworfen. Ein Prozess in Berlin wurde im Juni 2024 gegen eine Geldauflage von 200.000 Euro ohne Urteil eingestellt. Dem war eine außergerichtliche Einigung der beiden Seiten vorausgegangen. Mit der Zustimmung zur Zahlung einer Geldauflage ist kein Schuldeingeständnis verbunden. Zverev gilt weiterhin als unschuldig.

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