Es ist enorm, was der FC Bayern in dieser Saison bislang erlebt. Zwar gibt es Positives wie den Ballon-d’Or-Sieg von Harry Kane, aber auch ganz viele dramatische Erkrankungen, Verletzungen und harte Schicksalsschläge. Obwohl es am vergangenen Samstagabend im Bundesliga-Topspiel gegen den BVB nur zu einem 2:2 reichte, ist es ziemlich beachtlich, dass sich die Stars des deutschen Fußball-Rekordmeisters noch auf den Sport konzentrieren können.
Sportvorstand Max Eberl sagte im ZDF-Sportstudio: „Das Team und wir als Gruppe, als Verein machen es bisher in einer unglaublichen Art und Weise. Einfach die Aufzählung selbst mal wirken lassen, das kann jeder Zuschauer zu Hause auch, dann weiß man, was das mit einer Fußballmannschaft macht. Wir reden nicht über eine Zerrung, Gelbe Karte, Gegentor bekommen in der letzten Minute, sondern wir reden wirklich über gravierende Dinge, Gesundheit, gravierende Dinge einer Familie, neben den sportlichen Verletzungen, die wir haben. Aber wir haben das bisher sehr gut gemacht und wir müssen einfach jetzt auch den Kopf oben halten.“
Die Aufzählung, die Eberl meint: Schon im Sommer gab es die großen Sorgen um Jamal Musiala, der zweimal auf dem Spielfeld umkippte und bei dem Absenzen festgestellt wurden – neurologische Dysfunktionen, die zu den Zusammenbrüchen führten.
In den vergangenen Wochen kamen dann noch zwei heftige Schläge: Berthold, der Vater des 31-jährigen Joshua Kimmich, starb völlig unerwartet mit 57 Jahren. Und Trainer Vincent Kompany hatte einen Zusammenbruch auf dem Trainingsplatz, musste mit dem Notarzt im Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht werden. Die Sorge um den 40-Jährigen war anfangs riesig.
Auch Serge Gnabry fehlt wochenlang
Inzwischen wurde eine Hirnhautreizung diagnostiziert, Kompany darf sich in Ruhe zu Hause davon erholen. Für ihn übernahm jetzt dreimal Interimstrainer Aaron Danks an der Seitenlinie.
Zu den schweren Schicksalsschlägen kommen immer wieder neue, größere Verletzungen: in den letzten Wochen schon Luis Díaz (Muskelbündelriss im linken Oberschenkel) und Musiala (Faserriss im rechten Oberschenkel). Im Dortmund-Spiel verletzten sich nun auch noch Ismael Saibari (Syndesmoseriss im rechten Sprunggelenk) und Serge Gnabry (Muskelverletzung im linken Oberschenkel) schwerer. Saibari wurde sogar bereits operiert und wird mindestens drei Monate ausfallen. Auch Michael Olise musste am vergangenen Samstag beim 2:2 mit Knie-Problemen ausgewechselt werden.
Joshua Kimmich spielte gegen den BVB erstmals nach dem Tod seines VatersDie Sorgen-Bayern. Wie verarbeitet eine Mannschaft das alles? Kimmich selbst sprach nach dem Unentschieden gegen den BVB offen darüber: „Ein bisschen natürlich durch die Erfahrung, die man gemacht hat. Natürlich merkt man dann auch wieder, am Ende des Tages ist es nur Fußball. Das muss man sich schon auch immer vor Augen führen. Das Wichtigste ist die Gesundheit. Trotzdem müssen wir Ergebnisse liefern und wir wollen Ergebnisse liefern. Und da ist es natürlich wichtig, dass man sich gegenseitig unterstützt, dass man bei Fehlern auch für den anderen da ist.“
Über seine eigene Trauer sagt er ehrlich: „Manchmal wünscht man sich, dass die Welt ein bisschen stehen bleibt, aber sie dreht sich leider und zum Glück weiter. Deswegen bin ich froh, dass ich wieder da bin. Die Anteilnahme vom Verein, vom DFB, von allen Menschen drumherum war sehr besonders und das hat mir sehr viel bedeutet.“
In der Bild-Sendung „Lage der Liga“ sagte Trainer Steffen Baumgart (zuletzt beim 1. FC Union Berlin, Hamburger SV und 1. FC Köln) über Bayerns Sorgen-Saison: „Die Bayern sind in letzter Zeit sehr gebeutelt worden, das muss man schon sagen. Trotzdem bin ich beeindruckt von dem, was die Bayern, seitdem Vince da ist, auch in der mannschaftlichen Geschlossenheit hinbekommen haben.“
Baumgart sagte zudem: „Deswegen glaube ich einfach daran, dass sie auch solche Situationen gelöst kriegen, weil da herrscht Geschlossenheit, da weiß jeder, was er macht. Da kennt auch jeder seine Rolle und die erfüllt er. Das, was wirklich richtig beeindruckend ist: Du siehst kaum einen Unterschied, ob es die jungen Spieler sind, ob es die alten Spieler sind, die dann auch sehr, sehr gut führen.“
Dienstag in der Champions League gegen Atlético Madrid
Baumgart glaubt deshalb, dass die Bayern auch das schwere nächste Champions-League-Spiel gegen Atlético Madrid am Dienstag (21 Uhr/Amazon Prime Video und Liveticker bei WELT) meistern: „So geschlossen, wie die Bayern immer wieder auftreten, werden sie auch gegen Atlético eine sehr gute Leistung bringen. Ob es zum Sieg reicht, wird man sehen.“
Wie die Bayern ihre Sorgen-Wochen meistern, ist bisher beeindruckend.
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