Auf dem Spielfeld konnte ihn nichts und niemand erschrecken. Doch nach seinem historischen Bundesliga-Debüt bekam Niko Ilicevic plötzlich eine gewischt. Ausgerechnet Attila, das Maskottchen von Eintracht Frankfurt, erwischte das 16 Jahre alte Fußball-Wunderkind beim Feiern mit seinem Flügel mitten im Gesicht. Der Teenager zuckte kurz zusammen.
Der Adler war am vergangenen Sonntagabend der Einzige, der Ilicevic aus der Fassung bringen konnte. Denn bei seinem ersten Erstliga-Auftritt spielte er so unbekümmert auf, als hätte er nie etwas anderes gemacht. Zwei gefährliche Abschlüsse in wenigen Minuten, freche Dribblings und keinerlei Respekt vor den gestandenen Profis des Hamburger SV.
Begehrt und wertvoll
Dabei hatte Ilicevic gerade erst seinen 16. Geburtstag gefeiert. Mit 16 Jahren und einem Tag stellte er beim 3:1 (1:1) gegen Hamburg den Altersrekord des früheren BVB-Profis Youssoufa Moukoko (21) ein. Sein Erfolgsgeheimnis verriet er schon vor Monaten: „Ich spiele einfach, als wäre ich genauso alt wie die anderen.“
Der Weg von Ilicevic begann beim VfR Goldbach. Mit acht Jahren wechselte er 2018 zu Eintracht, nachdem er bei einem „Adlertag“ aufgefallen war. Nach einem Probetraining folgte die Zusage. Damals spielte er noch Linksverteidiger. Inzwischen agiert der Linksfuß als Zehner, spielte bereits mit 13 in der U17 und mit 14 in der U19. Auch in der Youth League durfte er bereits ran.
Als er 14 war, sorgte Ilicevic dafür, dass Eintracht 20.000 Euro Strafe zahlen musste. Das kam so: Im Mai 2025 setzte der Klub ihn in zwei Testspielen der Profis gegen den FSV Geislitz (14:0) und den SC Weimar (7:1) ein. Ilicevic traf in beiden Partien. Wegen der Verstöße gegen die Jugendordnung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) verhängte das Sportgericht eine Geldstrafe von 20.000 Euro. Der damalige Eintracht-Sportboss Markus Krösche sagte: „Er ist fußballerisch außergewöhnlich.“
Ilicevics Talent ist längst in ganz Europa bekannt. Der FC Bayern, der FC Barcelona, Real Madrid und der FC Chelsea zeigten Interesse. Doch Ilicevic blieb Eintracht treu.
Krösche überzeugte die Familie bei mehreren Treffen mit einem klaren Karriereplan. Nach Informationen dieser Redaktion hat das Talent derzeit keinen Spielerberater, die Familie kümmert sich selbst um seine Angelegenheiten. Im vergangenen Sommer unterschrieb Ilicevic einen Fördervertrag, der Profivertrag ab seinem 18. Geburtstag ist bereits ausgehandelt. Sogar einen eigenen Ausrüstervertrag mit Adidas besitzt er schon.
Und jetzt ist er auch offiziell Millionen wert: Transfermarkt.de (gehört wie WELT zu Axel Springer) taxiert Ilicevic nach seinem Bundesliga-Debüt auf fünf Millionen Euro. Nur Florian Wirtz und Moukoko wurden unter den deutschen U18-Talenten bei ihrer ersten Bewertung mit jeweils zehn Millionen Euro noch höher eingestuft.
Familie, Bildung und Extra-Einheiten
Fußball liegt bei Ilicevic in der Familie. Sein Onkel Ivo Ilicevic absolvierte 137 Bundesliga-Spiele, die meisten ausgerechnet für den HSV. Vater Jakov begleitet die Karriere seines Sohnes eng. Doch auch die schulische Bildung soll nicht zu kurz kommen. Niko besucht inzwischen die Carl-von-Weinberg-Schule in Frankfurt, ging zuvor auf das Hanns-Seidel-Gymnasium in Hösbach.
Weitere sportliche Förderung erhält er von Eintracht-Legende und Assistenz-Trainer Alexander Meier, mit dem er weiterhin individuell trainieren soll. Auch körperlich bereitet sich Ilicevic gezielt auf die Bundesliga vor. Um die Härte bei den Profis besser wegstecken zu können, arbeitet er zusätzlich mit dem Frankfurter Physiotherapeuten Berengar Buschmann. Der gilt als enger Vertrauter des ehemaligen Eintracht-Stars Hugo Ekitiké, begleitete zuletzt dessen Reha in den USA und war bei Ilicevics Bundesliga-Debüt im Stadion.
Sein erstes Bundesliga-Trikot schenkte Niko Ilicevic nach der Partie seinem langjährigen Jugendtrainer Okan Gündüz. Dem 32-Jährigen hatte er bereits als Achtjähriger versprochen, dass er es eines Tages bekommen würde. Die komplette U19 feierte den jüngsten Star nach dem eigenen Sieg gegen Dresden von der Tribüne aus.
Und die Profis? Sind längst begeistert. Trainer Adi Hütter schwärmte bei DAZN: „Das ist schon atemberaubend.“ Aber er fügte auch an: „Wir müssen auf den Jungen aufpassen. Er ist richtig gut. Wir haben wirklich jeden Tag Spaß und Freude mit ihm. Die Jungs auch, weil sie alle sehen, dass er natürlich ein Riesentalent ist.“
Für Torwart Noah Atubolu ist Ilicevic „ein unfassbar talentierter Junge“. Man habe, ergänzte er, „schon im Ansatz gesehen, wie gut er ist.“
Frankfurter Jubel: Fares Chaibi (l.) und Can Uzun feiern ein Tor im Spiel gegen den Hamburger SVTrotzdem soll der Hype nicht zu groß werden. Eintracht-Boss Axel Hellmann mahnt: „Ich neige aber eher dazu, ein bisschen die Kirche im Dorf zu lassen, weil wir einem 16-Jährigen keinen Gefallen tun, wenn wir ihn zu sehr hypen.“
Hellmann kündigt außerdem an, den Teenager vorerst vor dem Medienrummel zu schützen: „Wir haben eine besondere Verantwortung, die werden wir auch wahrnehmen. Fürs Erste werden wir keine Interviews oder Homestorys zulassen.“
Eintracht hat große Pläne mit dem Juwel. Schon im kommenden Sommer könnte Ilicevic Spielmacher Can Uzun beerben. Dem Vernehmen nach verzichtete Krösche im Sommer bewusst auf einen weiteren Offensivspieler, um dem Talent einen Kaderplatz freizuhalten.
Auch Bundestrainer Jürgen Klopp kennt das Talent. Ilicevic spielt bereits für die deutsche U17, besitzt aber auch die kroatische Staatsbürgerschaft und könnte damit für beide Länder auflaufen. Der DFB dürfte großes Interesse daran haben, ihn langfristig zu halten.
Dieser Text wurde für das Sportkompetenzcenter (WELT, BILD, SPORTBILD) verfasst und erschien zuerst in BILD.
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