Kimi Antonelli hat sich bei der Nervenprobe in Mexiko-Stadt mit Unfällen, Roten Flaggen und einer zermürbend langen Pause zum jüngsten Weltmeister in der Geschichte der Formel 1 gekrönt. Dem Italiener reichte vier Rennen vor dem Saisonende der dritte Platz auf dem ausverkauften Autodrómo Hermanos Rodríguez für den Titel in seinem zweiten Jahr in der Motorsport-Königsklasse.

Antonelli löst mit seinem Triumph mit 20 Jahren und 68 Tagen Sebastian Vettel als jüngsten Champion ab, der 2010 beim ersten seiner vier Titel über 23 Jahre alt gewesen war. Er ist der 36. Weltmeister in der Formel 1.

Er ist zudem der erste Weltmeister aus Italien seit 1953, als Alberto Ascari seinen Titel erfolgreich verteidigt hatte. Für den deutschen Mercedes-Rennstall ist es der erste Fahrertitel seit dem Triumph von Lewis Hamilton 2020.

Den Sieg beim Grand Prix in der dünnen Luft von Mexiko-Stadt sicherte sich Max Verstappen von Red Bull. Zweiter wurde Rekordweltmeister Hamilton im Ferrari, dann kam Antonelli, dem Platz neun gereicht hätte für den Titelgewinn. Im Klassement ist der Italiener nicht mehr einzuholen.

Renningenieur schon mit Schumacher und Hamilton

Besonders nervös wirkte Antonelli nicht vor dem Rennen der Rennen seiner noch jungen Karriere. Ein letzter Händedruck mit Renningenieur Peter Bonnington, der schon mit Michael Schumacher und Hamilton bei Mercedes arbeitete, und er setzte sich in seinen Silberpfeil.

Papa Marco gab stolz und mit einem Lächeln Interviews, die Familie war da und die Stimmung einer WM-Entscheidung mehr als würdig. 2017 und 2018 hatte Hamilton zwei seiner insgesamt sieben Titel in Mexiko-Stadt klargemacht.

Der Italiener Andrea Kimi Antonelli feiert seinen dritten Platz

Die Devise war klar: Bloß kein Crash am Start. Antonelli stand in der zweiten Reihe auf Position vier. Die Pole – die 105. seiner Karriere – hatte sich Hamilton gesichert und verteidigte sie zunächst, wurde dann aber hart attackiert von Teamkollege Charles Leclerc. „Ich bin von meinem Teamkollegen rausgedrückt worden“, wütete Hamilton per Funk.

Zoff bei Ferrari: Hamilton giftet nach Leclerc-Aktion

Statt weiter in Führung zu liegen, fiel er auf Platz drei zurück, Leclerc führte, dahinter Verstappen und dann Antonelli. Teamkollege George Russell fiel von Platz zwei auf fünf zurück und war auch in einen Vorfall verwickelt. Bei einem Nuller von Antonelli hätten entweder sein Teamkollege Russell, der nur Sechster wurde, oder Hamilton gewinnen müssen, um die Krönung noch mal zu verschieben.

Es dauerte eine Weile, bis die Rennkommissare entschieden: Fünf Sekunden für Leclerc, zehn für Russell. „Nur fünf Sekunden?“, fragte Hamilton entsetzt sein Team. Die Stewards würden Leclerc den Sieg schenken. Mit Wut im Bauch näherte sich Hamilton seinem Teamkollegen nach dem Reifenwechsel unaufhaltsam.

Heftiger Unfall sorgt für Rote Flaggen

Zwischenzeitig übernahm Antonelli auch mal die Führung, ehe er zum Boxenstopp reinkam. Sonst auch gern risikoreich, strapazierte Antonelli die Nerven seiner Crew, seiner Familie und seiner Fans diesmal nicht besonders. Zu viel stand auf dem Spiel, wenngleich der Titel nur eine Frage der Zeit war unter anderem nach seinen neun Siegen in diesem Jahr.

„Wir sind super happy mit dem Speed“, funkte Bonnington seinem Schützling: „Mach so weiter.“ Der Reifenwechsel hätte besser sein können, dann aber sorgte ein heftiger Einschlag von Valtteri Bottas für Rote Flaggen, das Rennen wurde unterbrochen. Die Radaufhängung brach auf der Geraden bei vollem Speed. Der Finne wirkte benommen, als er aus seinem Cadillac ins Medical Car stieg.

Hamilton: „Wir haben ein großes, großes Problem“

Die anderen stellten ihre Autos erstmal in der Boxengasse ab. Wütend stapfte Hamilton durch die Ferrari-Garage. „Wir haben ein großes, großes Problem“, schimpfte er vorher über Funk, aufgebracht noch immer durch das Leclerc-Manöver und einen weiteren ungünstigen Boxenstopp.

Antonelli zog sich das Headset auf, besprach sich mit seinem Renningenieur und setzte sich erstmal auf einen Klappstuhl. Es würde noch mal einen stehenden Start geben, auf diese zusätzliche Nervenprobe hätte der Italiener auch verzichten können. Über 40 Minuten dauerte die Pause.

Doch er meisterte auch das, hielt sich beim Re-Start aus allem raus, um dann zuzuschlagen, als er Leclerc grandios überholte und sich auf Rang drei vorschob. Ein Podiumsrang war das Mindestziel von Antonelli.

Vettel-Lob für den Nachfolger

Vorn kämpfte ein hochaggressiver Hamilton gegen den führenden Verstappen. Dahinter durfte Antonelli die Runden durch den Stimmungstempel Foro Sol genießen, wo er dann seinen Wagen abstellte und sich von den Fans feiern lassen durfte als jüngster Titelträger der Formel 1. Ein weiterer Crash, diesmal von Arvid Lindblad von den Racing Bulls, sorgte für eine weitere Safety-Car-Phase. Das Feld dicht nacheinander, beließ es Antonelli bei Rang drei bei seiner Triumphfahrt.

Sein Vorgänger als jüngster Champion hatte vor Wochen schon geschwärmt. „Er hat ein unglaubliches Jahr“, hatte Vettel betont. Vollendet ist es schon, weiter vergolden kann es der Lockenkopf mit Lausbuben-Charme noch mit dem Konstrukteurs-Titel für Mercedes. Schon am kommenden Wochenende geht es weiter: Für Antonelli wird der Große Preis von Brasilien der erste als Weltmeister der Formel 1. Bis dahin muss die Titelfiesta beendet sein.

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