Wer regelmäßig ins Fitnessstudio geht, der kommt an Hyrox nicht mehr vorbei. Die Rennen des Hamburger Unternehmens haben in der Fitness-Welt einen Hype ausgelöst: In diesem Jahr werden bis zu zwei Millionen Hyrox-Begeisterte an Events in fast 40 Ländern teilnehmen. Die besten 15 Athleten der Welt treten dabei in Elite-Rennen gegeneinander an – nächstes Mal beim Saisonstart am Freitag und Samstag in Hamburg. Einer der Favoriten ist Tim Wenisch. Der 28 Jahre alte Allgäuer wurde 2025 Doppel-Weltmeister im Einzel und Doppel und ist einer der größten Namen der jungen Sportart.
Rückblick ins Jahr 2018. Tim Wenisch steckte in einer Art Findungsphase. Gerade hatte er mit dem Leistungssport – Wenisch war Mittelstreckenläufer – aufgehört. Als er im Fitnessstudio während seiner 15‑minütigen Erwärmung auf dem Stepper mal wieder durch eine Zeitschrift blätterte, las er zum ersten Mal von einer neuen Sportart. Curox hieß sie damals noch. Heute ist es Hyrox. Ein Fitness-Wettkampf mit Renn-Charakter, das sprach ihn sofort an. „Ich brauchte ein neues Ziel“, erzählt Wenisch im Gespräch mit WELT und erklärt: „Hyrox hat meiner Idealvorstellung von einem Fitness-Event entsprochen.“
Das Prinzip ist simpel. Man läuft einen Kilometer, dann absolviert man eine Station. Das Ganze macht man achtmal. Nach 1000 Metern auf der Laufstrecke folgt immer eine andere Übung. Vom Ski- und Ruderergometer über Schlittenschieben und Ausfallschritte mit einem Sandsack auf dem Rücken ist alles dabei. Es gibt kein Zeitlimit und keine Qualifikation, mehr als 98 Prozent der Teilnehmer kommen ins Ziel.
Wenisch: Auf Anhieb für die WM qualifiziert
Wenisch meldete sich schließlich für seinen ersten Wettkampf an. Es war damals erst das zweite Event überhaupt von Hyrox. Das Unternehmen, das mittlerweile mehr als 200 Millionen Euro Umsatz pro Jahr generiert, hatten Hockey-Olympiasieger Moritz Fürste (41) und Sportevent-Manager Christian Toetzke (58) 2017 in Hamburg gegründet.
Wenisch trat direkt in der Pro-Division an. In dieser Kategorie sind einige Stationen noch härter als in der sogenannten Open-Kategorie, in der die meisten Hobby-Athleten starten. Der Sandbag, den die Männer während der siebten Hyrox-Station tragen müssen, wiegt hier 30 statt 20 Kilogramm. Beim Sled Push müssen 202 Kilogramm bewegt werden statt 152.
Schnell unterwegs: Tim Wenisch1:19 Stunden brauchte Wenisch bei seiner Premiere. Heute ist er mehr als 25 Minuten schneller, dennoch reichte seine Leistung damals, um sich in seiner Altersklasse für die Weltmeisterschaft zu qualifizieren. Von dort aus ging es für den Mann, der im 8500-Einwohner-Städtchen Dietmannsried aufgewachsen ist und immer noch lebt, Stück für Stück nach oben bis in die Weltspitze.
Mehr als 50 Hyrox-Rennen hat Wenisch bis heute absolviert. 2025 holte er sich bei der Elite-WM in Chicago die Titel im Single und Double. Bei der WM in diesem Jahr in Stockholm konnte er den Erfolg im Double wiederholen.
Profi mit Ausrüstervertrag und Ambitionen
Acht Jahre sind seit seinem Aha-Moment auf dem Stepper im Fitnessstudio vergangen. Mittlerweile kann Wenisch von dem Sport leben. Er hat seine Leidenschaft zum Beruf gemacht, ist Vollprofi. Rund 27.000 Euro kassierte er vergangenes Jahr mit seinem WM-Titel im Einzel. 2027 wären es bei der WM in Hongkong sogar rund 52.000 Euro. Bei Sportartikelherstellern und Werbepartnern ist Wenisch wegen seiner Top-Leistungen ein gefragtes Gesicht. Erst kürzlich hat er einen globalen Ausrüstervertrag bei Nike unterschrieben. „Ich lebe meinen Traum und führe ein fantastisches Leben“, erzählt er mit einem breiten Grinsen im Gesicht.
Damit das auch in Zukunft so bleibt, ist Wenisch Woche für Woche ziemlich hart zu sich und gewährt einen Einblick in seinen Alltag: „Sechs Stunden investiere ich täglich für das Training mit allem Drum und Dran. Ich mache zwei Einheiten pro Tag und das sechsmal die Woche. Wer im Hyrox auf allerhöchstem Niveau performen will, muss den Sport als absoluten Vollzeit-Job angehen.“
Das Wort „Aufgeben“ existiere nicht in seinem Wortschatz, erzählt Wenisch und sagt: „Wer einmal aufgibt, wird immer aufgeben. Ich sage mir, dass der Wettkampf oder die Rennen meine Belohnung sind. Im Training reiße ich mir dafür den Arsch auf. Fußballer gehen sicher auch nicht immer gerne trainieren, sondern wollen lieber spielen. So stelle ich mir das auch vor.“
„Ob Bizeps wirklich Wettkämpfe gewinnt...“
Hunter McIntyre, ein US-Amerikaner und einer von Wenischs härtesten Konkurrenten, nennt seinen deutschen Widersacher gerne „Tiny Tim“. Zu Deutsch: schmächtiger Tim. Eine Anspielung auf Wenischs Körper, der im Vergleich zu anderen Spitzenathleten etwas kleinere Muskelpakete aufweist. „Über Hunters Kommentare kann ich schmunzeln“, sagt Wenisch. Das sind Psycho-Tricks, „die bis dato allesamt abgeprallt sind. Ob Bizeps wirklich Wettkämpfe gewinnt, das lasse ich jetzt mal so im Raum stehen. Wer die Rennen verfolgt, weiß, dass er schon länger nicht mehr erfolgreich war“.
Wenischs Erfolgsgeheimnis ist seine Konstanz. „Ich kann mit Stolz behaupten, dass ich in den letzten acht Jahren noch nie eine Einheit habe ausfallen lassen, weil ich mal keine Lust hatte oder eine andere Ausrede hätte finden können“, erzählt er. Kontinuität in jeder Einheit sei das, was ihn ans Ziel bringe.
Am Freitag beginnt für Wenisch mit dem ersten Elite-Rennen in Hamburg die neue Saison (ab 18:30 Uhr live bei bild.de und sportbild.de). Dort will er sich mit einem Top-Drei-Ergebnis direkt für die WM im nächsten Sommer qualifizieren. Und er träumt sogar von Olympia. Denn Pläne, Hyrox ins olympische Programm aufzunehmen, gibt es bereits – 2032 in Brisbane könnte es so weit sein. Dann wäre Wenisch 34 Jahre alt. „Ich habe mir schon ausgemalt, dass ich nach meinem Olympiasieg dort meine Karriere beenden werde“, erzählt er mit einem Schmunzeln. Denn ans Aufhören denkt Tim Wenisch jetzt noch lange nicht.
So funktioniert Hyrox im Detail
Es ist ein Mix aus Laufen und Kraft. Die Sportler laufen einen Kilometer, dann folgt eine Station. Das Ganze wird achtmal wiederholt. Die Laufstrecke und die einzelnen Stationen sind durch die sogenannte Roxzone verbunden. Am Ende kommt der Athlet immer auf eine Gesamtstrecke von 8,7 Kilometern.
Die Reihenfolge der acht Stationen ist immer gleich: Skiergometer, Sled Push (Schlitten schieben), Sled Pull (Schlitten ziehen), 80 Meter Burpee Broad Jumps, Ruderergometer (1000 Meter), 200 Meter Farmers Carry (Gewichte tragen), 100 Meter Sandbag Lunges (Ausfallschritte mit Sandsack auf dem Rücken) und 100 Wallballs (Kniebeuge + Ball an ein Ziel werfen).
Tim Wenisch„Bild“ und „Sport Bild“ zeigen in Kooperation mit dem Hamburger Unternehmen die Elite Series von Hyrox ab jetzt live. Saisonauftakt ist in Hamburg am 30. (Einzel-Rennen) und 31. Oktober (Doppel-Rennen). Jeweils ab 18:30 Uhr können die Wettkämpfe live bei bild.de und sportbild.de mit deutschem Kommentar gesehen werden. Weiter geht es am 3./4. Dezember in London.
Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke