Es war ein Fehler für die Geschichtsbücher. Das stand schon in dem Moment fest, in dem er begangen wurde. Weil Manuel Neuer seinem Gegenspieler direkt nach dem Anstoß den Ball servierte, konnte Robin Fellhauer das schnellste Tor der Bundesliga-Geschichte erzielen. Es dürfte schwierig werden, diese acht Sekunden noch einmal zu unterbieten.

Das Tor hat aber auch für Neuer eine historische Dimension. Denn erstmals in seiner über 20 Jahre andauernden Bundesliga-Karriere wurde der Torwart vom FC Bayern von Deutschlands „Fußball-Bibel“ mit der Höchststrafe belegt. Der „Kicker“ gab Neuer nach dem 2:2 (0:1) der Bayern beim FC Augsburg die Note 6.

„Ein Spiel zum Vergessen, ein Nachmittag, den es in Neuers Karriere selten gab. Dies spiegelt sich auch in seiner Note wider. In seinem 549. Bundesligaspiel erhielt er erstmals eine 6,0“, heißt es in der Einzelkritik des Fachblatts: „Der erste Riesenpatzer bei der missglückten Ballannahme und dem gescheiterten Chipversuch, direkt nach Anpfiff, nach nicht mal neun Sekunden, der zum 0:1 führte. Auch das 1:2 geht auf seine Kappe, weil er den Schuss von Brackelmann zentral prallen ließ, wo Augsburgs Ribeiro abstaubte.“

Eine Diskussion um die Nummer 1 gebe es aber „(noch) nicht, weil es auch (noch) keiner wagen würde“, heißt es dann in einer Analyse. Neuer habe aber inzwischen „eine gewisse Streuung im Spiel, gerade mit dem Ball am Fuß, der einstigen Paradedisziplin“.

Eberl versucht die Neuer-Debatte abzuräumen

Ganz so hart waren die Noten in anderen Medien nicht. Statt ungenügend wurde Neuers Vorstellung eher als mangelhaft eingestuft. So gaben die „Abendzeitung“, „ran“ und „Bild“ dem Torwart die Note 5. Bei „Bild“ hieß es: „Der schnellste Torwart-Bock der Bundesliga-Geschichte (...) Und beim 1:2 sah er auch noch unglücklich aus: Hielt zwar den Ball von Brackelmann, aber ließ ihn direkt vor die Füße von Torschütze Ribeiro prallen. Einer seiner schwärzesten Bayern-Tage.“

Nun tobt die Debatte, ob der 40 Jahre alte Neuer („Ja klar, war ein blöder Fehler von mir“) das Tor vielleicht schon früher und nicht erst am Saisonende zugunsten des 23 Jahre alten Nationaltorwarts Jonas Urbig räumen soll. Dafür plädierte Ex-Nationalspieler Steffen Freund bei Sky: „Aus meiner Sicht muss das im Laufe der Saison passieren, weil danach ist es zu spät.“

Die Bayern versuchen, die Diskussion in der Öffentlichkeit möglichst zu beenden. „Für uns gibt es da gar keine Zweifel an Manu. Es gibt eine klare Idee, die wir haben. Diese setzen wir seit fast eineinhalb, nahezu seit zwei Jahren um, zusammen mit Jonas Urbig im Torhüterteam“, sagte Sportvorstand Max Eberl am Montag: „Manu ist unsere Nummer eins, wird es auch bleiben. Und was dann in Zukunft passiert, das wird man dann sehen.“

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