Völlig verschwitzt und mit etwas ratloser Miene versuchte WM-Spitzenreiter Kimi Antonelli zu ergründen, wo die verlorene Zeit auf der Strecke geblieben sein könnte. Nicht nur gegen den wiedererstarkten Max Verstappen blieb der 20-Jährige im Kampf um die Pole Position beim Malaysia-Comeback der Formel 1 trotz des großen Update-Pakets für den Mercedes-Boliden chancenlos. „Im Moment sind wir ein bisschen ratlos“, sagte Mercedes-Teamchef Toto Wolff. „Unheimlich enttäuschend“, sei das, bekannte der 54-Jährige.
Zumal es Baku-Sieger George Russell nur auf Platz acht schaffte, im Klassement liegt der Brite als Zweiter 66 Zähler hinter Antonelli. Immerhin werden beide Fahrer von Mercedes von der Motorenstrafe für Isack Hadjar profitieren. Verstappens Red-Bull-Kollege kam im Qualifying auf Rang drei, wird aber in der Startaufstellung für den Großen Preis von Bahrain in Malaysia an diesem Sonntag (9.00 Uhr, Sky) fünf Positionen nach hinten versetzt. Zweiter in der K.-o.-Ausscheidung wurde Rekordweltmeister Lewis Hamilton im Ferrari.
Eine Klasse für sich wie zu seinen besten Zeiten war Verstappen. „Fantastisch. Jetzt hat es endlich geklappt“, sagte er nach der 49. Pole seiner Karriere: „Für heute bin ich glücklich, morgen werde ich versuchen zu gewinnen.“
Verstappens Malaysia-Vergangenheit und Hülkenbergs bittere Erkenntnis
Die Probleme bei Mercedes hatten sich abgezeichnet bei der Rückkehr in die Sauna von Sepang. Klar wurde ebenso schnell, dass vor allem mit Verstappen zu rechnen ist. 2017 hatte er in Malaysia das bislang letzte Formel-1-Rennen gewonnen, es war damals erst sein zweiter Sieg in der Königsklasse des Motorsports.
Auf mittlerweile Nummer 72 wartet er nun schon seit dem Finale im vergangenen Jahr. Wenigstens ein Rennen wolle er in dieser Saison gewinnen, betonte Verstappen. Vier Tage nach seinem 29. Geburtstag am Mittwoch könnte es so weit sein.
Im ersten Zeitabschnitt raste der Niederländer auch auf Platz eins. Für Nico Hülkenberg war danach schon Schluss. Nur Platz 17 für den deutschen Audi-Piloten. Nach einem Fahrfehler in der letzten Kurve funkte der gebürtige Rheinländer, der 2010 in Sepang seinen ersten Formel-1-Punkt geholt hatte, an die Box: „Sorry, Jungs.“ Teamkollege Gabriel Bortoleto war souverän weitergekommen. „Bisschen zu viel gewollt“, sagte Hülkenberg bei Sky, „dann alles verloren.“
Trotz des Abreisechaos an den ersten Tagen waren die Fans wieder in Massen an den Kurs rund 60 Kilometer von Kuala Lumpur gekommen. Bei Temperaturen von über 30 Grad und äußerst hoher Luftfeuchtigkeit hatten sie teilweise stundenlang und in nicht enden wollenden Schlangen auf Shuttlebusse gewartet.
Bevor die nächste Rückreise anstand, bekamen sie auf der Strecke den Kampf um die besten Startplätze für das Rennen zu sehen, das als Großer Preis von Bahrain firmiert. Der Grand Prix im April hatte abgesagt werden müssen wegen des Iran-Kriegs. Anders als das ebenfalls ausgefallene Rennen in Saudi-Arabien wurde der Bahrain-Lauf kurzerhand nach Malaysia verlegt.
Wolff kramt alte Formel-1-Weisheit hervor
Das geschah zur besonderen Fahrfreude von Verstappen, der auch im zweiten Zeitabschnitt der Schnellste war. Antonellis erste Zeit wurde gestrichen – er hatte die Strecke verlassen. Nach der verkorksten Qualifikation zuletzt in Baku der nächste Stresstest für den jungen Italiener.
„Wenn du Weltmeister werden willst, musst du auch stark genug sein im Kopf, solche Situationen wegzustecken“, betonte Wolff noch vor dem neuerlichen Patzer. Als Zweiter zog Antonelli in die finale K.-o.-Runde ein, hatte dann aber nur noch einen Satz von den weichen und damit schnellsten Reifen.
Gegen diesen Verstappen hatte er aber ohnehin keine Chance, erst recht nicht in einem Mercedes, bei dem das Upgrade vorerst nach hinten losgegangen ist. Wieder erstarkt mit einem Red Bull, den er voll ausreizen kann, brannte Verstappen die nächste Bestzeit in den fast 60 Grad heißen Asphalt. Am nächsten ran kam Hamilton, der 2017 den besten Startplatz geholt hatte.
Trotz des Iran-Kriegs wird am Plan für das Saisonende festgehalten
Unterdessen wurde an diesem Samstag auch bekannt, dass der Rennkalender nicht erneut wegen des Iran-Kriegs umgebaut werden soll und die Formel-1-Organisatoren bei ihrem Plan für das Saisonfinale bleiben. Geschäftsführer Stefano Domenicali bestätigte in einem Interview mit dem Sender Sky Italia, dass die Grand Prix in Katar am 29. November und in Abu Dhabi am 6. Dezember wie geplant stattfinden sollen. Damit ist die Ersatzlösung Imola für das letzte Rennen der Saison erst einmal vom Tisch.
„Das ist der Kurs, den wir auf der Grundlage der uns vorliegenden Informationen und Zusicherungen eingeschlagen haben - und die wir natürlich unbedingt haben müssen, das versteht sich von selbst“, sagte Domenicali am Rande des Grand Prix in Sepang in dem Interview. „Diese Strategie werden wir bis zum Jahresende verfolgen.“
Entsprechend stellen sich die Rennställe ein. „Im Moment sind alle Ampeln auf Grün“, sagte Mercedes-Teamchef Wolff. Es gebe keine Reisewarnungen, die Airlines würden fliegen und die Versicherungen seien auch intakt, betonte er. Wolff wies bei Sky abschließend aber auch darauf hin, dass die Situation sehr volatil ist. Man müsse sie im Auge behalten.
Für die Formel 1 geht es dabei auch um viel Geld. Katar und Abu Dhabi zahlen hohe Prämien, um Teil des Rennkalenders zu sein. Und mit Saudi-Arabien fiel bereits ein Grand Prix in der Region aus. Dieser war wie auch der Preis von Bahrain aus demselben Grund abgesagt worden.
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