Portugals Fußball-Nationaltrainer Jorge Jesus hat sein Vorgehen im Eklat um den abgereisten Superstar Cristiano Ronaldo verteidigt. Er habe völlig reinen Gewissens gehandelt, sagte der Coach. „Es gibt Spieler mit einem besonderen Status, aber die Regeln gelten für alle gleich. Das habe ich während meiner gesamten Karriere so gesehen, und daran werde ich auch festhalten“, sagte Jesus nach dem überzeugenden 4:2 in der Nations League auswärts gegen Dänemark – ohne den 41-jährigen Ronaldo.

Für Jesus war es der dritte Sieg im dritten Nations-League-Spiel mit den Portugiesen. „Die Mannschaft glaubt fest an das, was sie tut. Für mich war das bisher unser bestes Spiel. Das ist normal, denn wir hatten mehr Zeit zum Arbeiten“, sagte der 72-Jährige während der Pressekonferenz nach der Partie in Kopenhagen.

Cristiano Ronaldo und Trainer Jesus vor Portugals Länderspielreigen in der Nations League am 23. September. Am Mittwoch kehrte der Superstar dem Team den Rücken

Weil er beim 2:1-Sieg in Norwegen nur auf der Bank saß und auch gegen Dänemark keinen Platz in der Startelf zugesprochen bekam, hatte Ronaldo das portugiesische Teamquartier am Vorabend des Dänemark-Spiels verlassen. Er flog mit einer Privatmaschine nach Madrid und wird wahrscheinlich nicht mehr für die Nationalmannschaft zum Einsatz kommen. Bislang bestritt Ronaldo für Portugal 234 Länderspiele, in denen er 146 Tore erzielte.

Boykott statt Unterstützung von Cristiano Ronaldo

Jorge Jesus betonte, dass die Mannschaft an den Coach glaube und der Vorfall mit Ronaldo keine Spaltung auslösen werde. „Nichts deutet darauf hin, dass die Spieler mich nicht unterstützen. Wichtig ist, was wir tun müssen. Solche Dinge passieren, aber sie spalten die Gruppe nicht – und werden sie auch nicht spalten“, erklärte Jesus.

Aus sportlicher Perspektive hat der Trainer auch alle Argumente auf seiner Seite. Der anstelle des egozentrischen Superstars aufgebotene Goncalo Ramos traf sowohl am Sonntag in Norwegen als auch nun beim Erfolg über Dänemark: In Oslo erzielte er das 2:1-Siegtor, in Kopenhagen den Treffer zum zwischenzeitlichen 2:1. Zudem bereitete Ramos im Duell mit den Dänen das Tor von Joao Cancelo zum 1:0 vor.

Ohnehin scheint die Nationalmannschaft Ronaldo nicht mehr zu benötigen. Sowohl bei der EM 2024 in Deutschland als auch bei der WM im zurückliegenden Sommer hatte der alternde Angreifer nur noch die Rolle eines Mitläufers inne. In vielen Spielen schien es so, als müsse seine Mannschaft ihn tragen – und nicht umgekehrt. Und wie es um ihn und den Teamspirit bestellt ist, machte er nun mit seiner Abreise mehr als deutlich. Statt seine Kollegen von außen auf dem Feld zu unterstützen, zog er den Boykott vor.

Es gibt aber auch (noch) viele Fürsprecher, die die Ausbootung Ronaldos durch seinen Trainer nicht nachvollziehen mögen. Zu ihnen zählt Piers Morgan. Der britische Starmoderator wetterte gegen Trainer Jesus: „Was für ein arrogantes Arschloch. Jesus war nie gut genug, um für Portugal zu spielen, und jetzt macht es ihm Spaß, die größten Spieler des Landes herabzuwürdigen.“

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