Dieser Abend war für die Nationalmannschaft enorm wichtig. Vordergründig nicht wegen der Tabelle der Nations League. Sondern für die Atmosphäre rund um die Mannschaft.
Das 2:0 (0:0) gegen Serbien war der erste Sieg für Jürgen Klopp als Bundestrainer. Es war ein Pflichtsieg als Befreiung. Ein Erfolg der nächsten Generation – ohne die Routiniers Marc-André ter Stegen, Joshua Kimmich, Jonathan Tah und die verletzten Jamal Musiala, Kai Havertz und Nico Schlotterbeck.
Der Druck war nach dem Unentschieden gegen die Niederlande und dem 0:1 gegen Griechenland verhältnismäßig hoch. Es ging darum, die Aufbruchsstimmung nach der aus deutscher Sicht desolaten WM nicht zu verlieren. Das ist gelungen. Laufbereitschaft, Einsatz, Tempo – das stimmte alles. Erstmals seit sieben Länderspielen blieb Deutschland wieder ohne Gegentor. Und doch kann dieser Sieg nur der Anfang gewesen sein. Die punktlosen Serben sind kein Maßstab.
Fans im Münchner Stadion senden mit einem Plakat ihren Wunsch an Jürgen KloppIm mit 68.121 Zuschauern besetzten Stadion zeigte sich anhand von Plakaten und Gesängen, wie groß der Klopp-Hype ist. In der Endphase der Partie ging La Ola durch die Arena. Der Bundestrainer bedankte sich mit einer Ehrenrunde und Applaus nach dem Spiel für die Unterstützung der Fans. Zwischen ihm und dem Publikum besteht bereits jetzt ganz offensichtlich ein Band, das es unter Klopps Vorgänger Julian Nagelsmann in dieser Form nie gab.
Während der EM 2024 war die Stimmung auch gut, doch jetzt fühlt sich das offensichtlich für viele Menschen noch mal ganz anders an. Der Trainer ist der Star. Und der Hoffnungsträger. Seine Mannschaft spielte deutlich mutiger als zuvor. Das zahlte sich aus.
Tom Bischof beweist, wie wertvoll er sein kann
Zu den besten deutschen Spielern des „Kader 2“ zählten Tom Bischof und Alexander Pavlovic (knapp 150 Ballkontakte und eine Passquote von 94 Prozent) im Mittelfeld. In der Offensive ragte Florian Wirtz heraus.
Die deutsche Mannschaft war dominant und suchte immer wieder den Abschluss, kam nach 75 Spielminuten auf 26:0 Torschüsse – allerdings gegen sehr ungefährliche Serben. Vieles war deutlich besser als gegen Griechenland.
Bischof bewies, dass er ein entscheidender Faktor sein kann. Er war ein optimaler Ersatz für Joshua Kimmich. Zu Recht sehen ihn Experten langfristig als eine Art neuen Kimmich – in der Nationalelf und beim FC Bayern. Bischof ist Sinnbild für einige in diesem Kader: Er kann sich bis zur EM 2028 zu einem Topspieler Europas entwickeln. Der 21-Jährige, den Nagelsmann nicht mit zur WM nahm, hat eine große Zukunft im Mittelfeld vor sich.
Sonntag endet die erste Länderspiel-Periode unter Klopp. Zum Abschluss tritt Deutschland im Rückspiel gegen Griechenland in Thessaloniki an. Das Ergebnis wird auch dort wieder wichtig sein, gerade nach der überraschenden Niederlage im Hinspiel.
Noch wichtiger werden für Klopp die Erkenntnisse sein, die er in den ersten 14 Tagen mit der Mannschaft gesammelt hat. Eine davon: Es gibt einige Spieler der nächsten Generation, die unter ihm den nächsten Schritt machen können.
Julien Wolff ist Redakteur im Sportkompetenzcenter. Er berichtet für WELT seit vielen Jahren über den FC Bayern, die Nationalmannschaft sowie über Fitness-Themen. Klopp ist der vierte Bundestrainer, den er als Nationalelf-Reporter erlebt. Gegen Serbien war Wolff im Stadion.
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