Mittwochnachmittag ging es für Jürgen Klopp nach München. Vor dem Spiel in der Nations League gegen Serbien am Donnerstag (20.45 Uhr/Liveticker bei WELT und ZDF) hielt der Fußball-Bundestrainer im Stadion eine Pressekonferenz ab.

Kurz zuvor hatte ihn eine schlechte Nachricht erreicht: Nico Schlotterbeck hat sich im offiziellen Abschlusstraining im Teamquartier in Herzogenaurach eine Außenbandverletzung im rechten Sprunggelenk zugezogen. Der Verteidiger von Borussia Dortmund fällt für die Partie gegen Serbien sowie für das Rückspiel gegen Griechenland am Sonntag (20.45 Uhr/Liveticker bei WELT und RTL, Hinspiel 0:1) in Thessaloniki aus.

Das ist bitter für die Mannschaft. Im dritten Spiel unter Klopp geht es gegen Serbien um viel. Der 59-Jährige will seinen ersten Erfolg im neuen Amt feiern und damit auch das Signal für ein Ende der Krise der Nationalelf senden.

In der Nations League liegt Deutschland nach dem 1:1 in den Niederlanden und der Niederlage gegen Griechenland in der Gruppenphase nur auf dem dritten Platz. Serbien hat nach zwei Niederlagen noch keinen Punkt.

Jürgen Klopp über Serbien: „Sie sind klasse Fußballer“

Schlotterbeck galt als Kandidat, gegen Serbien Kapitän zu sein. Wer wird die Mannschaft jetzt mit der Binde am Arm anführen? „Der die meisten Länderspiele hat, wird der Kapitän sein“, sagte Klopp Mittwochabend.

Damit kommen die Offensivspieler Serge Gnabry vom FC Bayern mit bisher 61 Nationalelf-Einsätzen und Florian Wirtz vom FC Liverpool, der bislang 46 für Deutschland spielte, infrage. Sollte das Duo nicht in der Startelf spielen, wäre Verteidiger David Raum von RB Leipzig mit 39 Länderspielen der Profi mit den bisher meisten Einsätzen. Der Stammkapitän Joshua Kimmich vom FC Bayern ist erstmals seit November 2025, als er verletzt passen musste, nicht im Aufgebot, weil Klopp mit zwei Kadern für die zwei Länderspielwochen plant.

Klopp warnt vor den Serben: „Sie haben eine Riesenerfahrung und sind klasse Fußballer. Sie sind mit allen Wassern gewaschen. Gegen einen tief stehenden Gegner ist es schwierig. Die Serben werden eingespielter sein als wir.“

Er habe gegen Griechenland Erkenntnisse gesammelt und mit der Mannschaft in den vergangenen Tagen intensiv daran gearbeitet. Klopp nannte als wichtige Faktoren unter anderem die Restverteidigung und das Gegenpressing. Er betonte zudem, dass sein Team gegen Griechenland immer wieder zum Abschluss gekommen sei und viel Ballbesitz gehabt habe. Man habe die Torchancen nur nicht verwertet.

Der neue Bundestrainer Jürgen Klopp Mittwochabend auf der Pressekonferenz in München

Klopp stellte sich generell schützend vor seine Spieler und bat um Geduld, auch als es um das Thema zentrales Mittelfeld ging. Hier spielten zuletzt Kimmich und Felix Nmecha von Borussia Dortmund. „Ich bin 25 Jahre Trainer. Nach fünf Tagen hat in meinem Leben noch keine Doppel-Sechs funktioniert. Man muss den Jungs Zeit geben“, sagte er.

Und wählte ein besonderes Bild: „Wenn man ein Ballett zusammenstellt, und das soll nach vier Tagen auftreten, rennen die sich über den Haufen.“ Man wolle eine Mannschaft bauen, die es jedem Gegner schwer machen könne. „Wir sind alle dran interessiert, den deutschen Fußball wieder dahin zu bringen, wo wir ihn haben wollen“, so der Bundestrainer.

Nach Klopp setzte sich Jonas Urbig auf das Podium im Pressesaal der Münchner Arena. Der Torwart des FC Bayern, im Klub hinter Routinier Manuel Neuer die Nummer zwei, wird sein Debüt im Deutschland-Trikot geben. „Das ist sehr besonders. Es ist ein Moment, auf den man sein ganzes Leben hingearbeitet hat“, sagte der 23-Jährige. Er habe Mittwoch im Training erfahren, dass er spiele. „Auch meine Familie freut sich sehr.“

Wie nimmt er die Debatte darum wahr, ob er langfristig die neue deutsche Nummer eins sein kann? „Ich bin auch in einem Spielrhythmus. Ich habe weit über 30 Spiele für den FC Bayern bestritten“, so Urbig. Kann eine Nummer zwei des FC Bayern denn überhaupt die Nummer eins Deutschlands sein? „Dieses Nummer-eins-Thema ist hier keine Sache, mit der ich mich beschäftige“, antwortete er. Sein Ziel sei jeden Tag, sein Limit zu erreichen. „Alles andere sind Sachen für die Zukunft. Ich lebe gern im Hier und Jetzt.“

Er wolle gegen Serbien seinen Teil beitragen, der Rest sei auch Sache des Trainers. Die Torwartgruppe könne der Mannschaft viel Energie geben. „Ich finde – darum geht es“, sagte der Torhüter. Es könne ein ähnliches Spiel wie gegen Griechenland werden. „Sie haben viele gefährliche Spieler und eine sehr gute Mannschaft.“

Jonas Urbig wird gegen Serbien zum ersten Mal für Deutschlands A-Nationalelf spielen

Urbig geht davon aus, dass seine Mannschaft einen tiefen Block bespielen muss. Und dass Manuel Neuer, für ihn beim FC Bayern eine Art Mentor, ihm am Spieltag eine Nachricht schreiben werde.

Das Spiel gegen Serbien steigt kurz vor dem letzten „Wiesn-Wochenende“. Ein Fußball-Länderspiel in München während des Oktoberfestes ist ungewöhnlich. Zuletzt hatte es dies 1982 gegeben. Der damals amtierende Europameister Deutschland spielte gegen Belgien noch im Olympiastadion 0:0.

Julien Wolff ist Redakteur im Sportkompetenzcenter. Er berichtet für WELT seit vielen Jahren über den FC Bayern, die Nationalmannschaft sowie über Fitness-Themen. Klopp ist der vierte Bundestrainer, den er als Nationalelf-Reporter erlebt. Gegen Serbien und Griechenland wird Wolff in den Stadien sitzen.

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