„Wir sind im Mittelmaß angekommen“, hat Bastian Schweinsteiger nach dem 0:1 gegen Griechenland gesagt. Die „Bild“ hat daraufhin eine Mittelmaß-Diskussion angestoßen.
Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht, was es da noch zu diskutieren gibt. Wer wie wir bei drei Weltmeisterschaften hintereinander nicht mal mehr ins Achtelfinale kommt, ist Mittelmaß. Was denn sonst? Spitzenklasse? Weltklasse? Davon können wir nur träumen.
Ja, wir sind Mittelmaß! Und man könnte sogar den berühmten Klopp-Zusatz „Noch“ anfügen. Denn es kann noch viel schlimmer kommen.
Glauben Sie nicht? Dann schauen Sie sich mal die Italiener an. Die waren früher auch mal groß. Viermal Weltmeister, wie wir. Jetzt haben sie sich dreimal hintereinander nicht mal mehr für eine WM qualifizieren können und sind in der Bedeutungslosigkeit verschwunden. Die ist bekanntlich noch unterhalb von Mittelmaß und so ein Abstieg kann ganz schnell gehen.
Wir haben keinen einzigen echten Weltklassespieler mehr. Und auch keine Führungsspieler. An wem soll sich die Mannschaft aufrichten? Da fällt einem höchstens noch Joshua Kimmich ein. Wahrscheinlich ist das gemein: Aber der erinnert mich mit seinem (vorbildlichen) Eifer eher an einen Duracell-Hasen als an einen echten, souveränen Chef.
Aktuell der einzige Führungsspieler? Kapitän Joshua KimmichSpieler mit Ecken und Kanten gibt’s auch keine mehr. Wie früher Brehme, Matthäus, Effenberg, Kahn, Klinsmann oder eben Schweinsteiger. Die Liste ließe sich endlos fortsetzen.
Und dann ist da immer noch die Frage nach der Einstellung der hochbezahlten Stars. Dass Florian Wirtz zum ersten Treffpunkt des Klopp-Kaders, also in einer Art Stunde Null des deutschen Fußballs, mit einer grellen pinkfarbenen Luxustasche von Louis Vuitton im Wert von mehr als 10.000 Euro kommt, ist für mich ein Unding. Vielleicht bin ich altmodisch, aber ich hätte eine Adidas-Sporttasche gewählt. Zumal, wenn die eigene Leistung nicht Luxus ist.
Timo Hildebrand, ehemaliger Nationaltorwart, kommentiert bei „WELT – Stimme am Morgen“ die jüngsten Länderspiele unter Jürgen Klopp. Trotz durchwachsener Ergebnisse sieht er Potenzial: „Wir müssen ihm einfach vertrauen“, so Hildebrand.Jürgen Klopp ist ganz sicher der beste Bundestrainer, den man sich zurzeit vorstellen kann, damit es endlich wieder aufwärts geht. Aber alle haben recht, die sagen, dass die Probleme des deutschen Fußballs auch von ihm mit Handauflegen nicht zu lösen sind. Sie liegen viel, viel tiefer, zum Beispiel in der Nachwuchsarbeit.
Deshalb bin ich entsetzt, dass Weltmeister Per Mertesacker, obwohl das Problem bekannt ist, seinen Job als Geschäftsführer Sport beim DFB erst am 1. Januar antreten wird. Und ein gewisser Andreas Rettig bis dahin weiter wurschteln darf.
Der ganze DFB ist leider nur Mittelmaß!
Der Text wurde für das Sport-Kompetenzcenter (WELT, „Bild“, „Sport Bild“) erstellt und zuerst in der „Bild“ veröffentlicht.
Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke