In Frankreich haben sie ja nach der Weltmeisterschaft auch den Trainer gewechselt. Freilich aus einem gänzlich anderen Grund als in Deutschland. Didier Deschamps sah nach 14 sehr erfolgreichen Jahren die Zeit für einen Abschied gekommen, er nahm aus freien Stücken seinen Hut und übergab an Zinedine Zidane.

Anders als bei seinem deutschen Pendant Jürgen Klopp (Remis gegen die Niederlande, Niederlage gegen Griechenland) ist der 54 Jahre alte Franzose recht hoffnungsvoll in die Nations League gestartet. Zum Auftakt gelang ein 1:0 in der Türkei – und nun auf den letzten Drücker auch ein 1:0 gegen Belgien.

Zidane, das kann nach den ebenso eindrucksvollen wie wahnwitzigen Bildern aus dem König-Baudouin-Stadion in Brüssel wohl ohne Untertreibung gesagt werden, dürfte der Siegtreffer in der 88. Minute mächtig gefreut haben. Und seine Reaktion darauf verzückte wiederum andere, sie ist jedenfalls ein Internet-Hit.

Parallel zu Olise setzte auch Zidane zum Sturmlauf an

Großen Anteil daran hat, als Nebendarsteller, Bayern Münchens Angreifer Michael Olise. Der in diesem Duell lange geschonte Offensivspieler war erst in der 77. Minute eingewechselt worden. Kurz darauf schnappte er sich in der eigenen Hälfte den Ball und setzte zum Dribbling an. Mit dem Ball eilte Olise über das halbe Spielfeld und sorgte schließlich mit einem präzisen Flachschuss für den Siegtreffer.

Parallel zu dessen Sturmlauf setzte an der Seitenlinie auch Zidane zum Spurt an. Er begleitete Olises letzte Ballkontakte zunächst im leichten Joggingtempo, ehe er vollends Fahrt aufnahm. Es hatte ihn längst über seine Coachingzone hinausgetragen und die Dramaturgie wollte es anscheinend so, dass auf einem Hütchen ein Ball lag. Kurz nach Olises Vollendung setzte also auch Zidane in seinen feinen schwarzen Schuhen zum mächtigen Vollspann-Streckschuss an. An den Tribünenblöcken vorbei donnerte der Ball gen Eckfahne, begleitet von Zidanes erleichterndem Jubelschrei.

Belgien war geschlagen, Zidanes Debüt perfekt gelungen – und ein viraler Moment geboren.

Zidane wurde später von französischen Journalisten darauf angesprochen. Etwas verlegen antwortete er, er wisse eigentlich „gar nicht genau, was ich gemacht habe“. Ob es sich instinktiv vollzogen habe, wollte der Reporter von ihm noch wissen.

„Sicher ist“, sagte Zidane, „dass ich die Aktion von Michael begleitet habe. Ich habe gespürt, wie er in seinem Dribbling losgelegt hat, und dass es eine außergewöhnliche Aktion werden würde. Was es dann ja auch wurde. Ich wollte ihn begleiten. Dann habe ich den Ball gesehen und dachte, ich muss ihn schießen. Ein bisschen lächerlich, aber das ist egal.“

In der Nations League steht nun für sein Team die Partie gegen Italien am Freitag an (20.45 Uhr, im Sport-Ticker der WELT).

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