Bescheidenheit ist eine Zier. Und daher wollte Scottie Scheffler über den denkwürdigsten Moment seines Einzelsiegs gegen Nico Echavarria beim Presidents Cup zunächst eigentlich gar nichts sagen. Der beste Golfer der Welt hatte am dramatischen Finaltag des Teamwettbewerbs in Medinah nahe Chicago für einen besonderen Moment des Fair Play gesorgt.

Der Presidents Cup ist das Pendant zum Ryder Cup – nur dass die USA hier nicht gegen Europa, sondern gegen den Rest der Welt (ohne Europa) spielen. Die Internationalen hatten vor den zwölf Einzeln am Sonntag überraschend mit drei Punkten geführt, sollten am Ende aber völlig einbrechen. Die hochfavorisierten Amerikaner siegten doch noch mit 17:13.

Für die Szene des Tages sorgte Scheffler. Er lag gegen Echavarria in Führung, als dieser auf der 14. Bahn abschlug. Mitten im Schwung des Kolumbianers schrie ein US-Fan so laut, dass der gestörte Echavarria seinen Driver fallen ließ und den Ball weit nach rechts verzog. Böse und verständnislos blickte er in Richtung der Zuschauer. Zwei Schläge später lag Echavarria auf dem Par 4 noch neun Meter vom Loch entfernt, während Scheffler nach zwei Versuchen noch gut fünf Meter zu überwinden hatte.

Im Lochwettspiel bekommt der Spieler pro Bahn einen Punkt, an dem er besser als der Gegner ist. Benötigen beide gleich viele Schläge, wird das Loch geteilt. Es ist den Kontrahenten erlaubt, dem anderen Schläge zu schenken. Dies geschieht in der Regel in Distanzen von unter einem Meter, bei denen man davon ausgeht, dass der Spieler den Putt ohnehin im Loch unterbringt – niemand muss dies tun, es gehört aber zum guten Ton.

Echavarrias großes Lob an Scheffler

Dass ein Profi seinem Gegner aber einen Neun-Meter-Putt schenkt, ist außergewöhnlich. Scheffler tat genau das, um den Eingriff des Fans wieder wettzumachen. Der Weltranglistenerste selbst vergab danach seinen Versuch zum Birdie – das Loch wurde geteilt.

Echavarria, der das Match wenig später verloren hatte, lobte den Amerikaner mit großen Worten: „Das zeigt den Charakter der Nummer eins der Welt“, sagte der Weltranglisten-61. über Scheffler: „Er ist einfach anders. So gut er auch auf dem Golfplatz ist, er ist vor allem ein großartiger Mensch.“

Nach seinem Sieg wurde Scheffler in einem Fernsehinterview auf die Szene angesprochen. Er sagte: „Um ehrlich zu sein, möchte ich eigentlich gar nicht darüber sprechen. Ich glaube, für so etwas ist in unserem Sport wirklich kein Platz. Ich denke, wir sollten es dabei belassen.“

Später auf der Pressekonferenz wurde Scheffler dann doch noch ausführlicher. „Wir arbeiten hart, um uns in solche Situationen zu bringen“, sagte er und bemängelte das Benehmen mancher Zuschauer: „Ich finde, ein gewisses Maß an Respekt sollte vorhanden sein.“ Die Szene habe bei ihm einen schlechten Beigeschmack hinterlassen: „Er hätte diesen Abschlag niemals so schlecht getroffen, wenn nicht während seines Schwungs ein Zuschauer geschrien hätte.“

Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke