Die Geschichte ist noch lange nicht zu Ende. Auch beim zweiten Höhepunkt der Saison fehlt der Olympiasieger. Nach dem Ärger über die Nicht-Nominierung für die WM in Aachen reitet Christian Kukuk überwiegend in den USA, während das deutsche Team an diesem Wochenende beim Finale der prestigeträchtigen Nations League in Barcelona startet. Dort, wo der Goldgewinner von Paris zuletzt viermal in Folge Teil der Nationalmannschaft war und zweimal gewann.
Es geht um Verärgerung, Vorwürfe und Missverständnisse. Und um die Folgen. Einer der erfolgreichsten deutschen Reiter und sein Weltklasse-Pferd Checker starten nicht mehr für die Nationalmannschaft: Das Gold-Paar von Paris fehlte zuletzt bei den Nationenpreisen in Kanada und Frankreich und nun beim Serien-Finale in Spanien.
„Das sind die Länderspiele für die Reiter, die hochwertigsten Preise des Weltverbandes“, erklärte Dennis Peiler, Vorstandsvorsitzender des Reitverbandes Pferdesport Deutschland: „Wenn es um die Besetzung eines Nationenpreis-Teams geht, genießen Kadermitglieder einen bevorzugten Status.“ Aber aus dem Kader hatte sich Kukuk selbst zurückgezogen.
Aufnahme aus dem Jahr 2022: Christian Kukuk (l.) und Bundestrainer Otto BeckerDie Vorgeschichte begann Anfang Juli mit einem Knall: Kukuk wurde von Bundestrainer Otto Becker nicht für die WM nominiert und war davon nach eigener Aussage „völlig überrascht“. Er könne das nach den vorherigen Absprachen mit dem Coach „nicht nachvollziehen“, sagte der Olympiasieger und sprach von „Vertrauensbruch“.
Beckers Nominierung führte zu deutschem WM-Gold
Die Verärgerung wirkte weiter. „Ich muss nicht versuchen, so zu tun, als wäre ich glücklich“, sagte Kukuk bei der WM in Aachen über seine Reservistenrolle. Beckers Entscheidung gegen den Olympiasieger war tatsächlich überraschend und vor allem mutig. Sie hätte ihm um die Ohren fliegen können. „Der Druck war immens“, sagte der Bundestrainer.
Doch am Ende gewann das von Becker nominierte Quartett ohne Kukuk Gold. Und zwar derart deutlich und überlegen, dass der umjubelte Sieg vor 40.000 feiernden Zuschauern in Aachen schon vor dem letzten deutschen Paar feststand.
Nur einen Tag nach der WM sorgte dann Pferdesport Deutschland für Aufsehen und vermeldete, dass der Olympiasieger sein Gold-Pferd Checker aus dem Olympia-Kader zurückgezogen habe. „Da Christian Kukuk aktuell kein weiteres Pferd im Olympia-Kader Springen hat, ist er somit nicht mehr Teil des deutschen Spitzenkaders“, hieß es.
Von der Pressemitteilung war dann der Reiter wiederum „überrascht“ und schrieb dazu an seine Fans: „Sie hinterließ einen etwas unklaren Eindruck, den ich gerne richtigstellen möchte. Der entscheidende Punkt ist: Bereits vor der Weltmeisterschaft hatte ich ein Gespräch mit dem Bundestrainer, in dem wir besprochen haben, Checker nach der WM aus dem deutschen Kader zu nehmen.“ Der Schritt sei in „keiner Weise eine Reaktion auf die jüngsten Nominierungsentscheidungen“.
Kukuk schielt auf Olympia 2028
Verbandsboss Peiler sagte dazu: „Christian Kukuk hat dem Springausschuss am Montag nach der WM schriftlich mitgeteilt, dass er auf eigenen Wunsch nicht mehr dem Olympia-Kader angehören möchte. Diesen Vorgang haben wir entsprechend kommuniziert.“ Es gibt offensichtlich einen unterschiedlichen Blick auf die Ereignisse.
Mit Blick auf die nächsten Olympischen Spiele schrieb Kukuk: „Sollte Checker – der 2028 dann 18 Jahre alt wäre – noch immer auf dem Niveau der letzten Jahre performen, sind die Olympischen Spiele durch diesen Austritt keineswegs ausgeschlossen – genauso wenig, wie sie garantiert gewesen wären, wäre ich weiterhin Teil des Kaders geblieben.“
Ohne die Verpflichtungen als Kadermitglied könne er „Checkers Turnierplan in der Zwischenzeit deutlich individueller und flexibler“ gestalten. Anders ausgedrückt: Er muss keine Rücksicht auf die Wünsche des Bundestrainers nehmen. Der mit einer Amerikanerin verheiratete Profi möchte ohnehin vermehrt in den Staaten leben und reiten.
Wie geht es jetzt weiter? „Die Tür zu Olympia ist nicht zu“, sagte Peiler mit Blick auf Los Angeles. „Stimmen die sportlichen Leistungen, ist er dabei.“ Sollte Kukuk künftig wieder „mit einem Pferd die sportlichen Voraussetzungen erfüllen, steht einer erneuten Berufung in den Olympia-Kader nichts im Wege“.
Auch der Bundestrainer versucht, die Wogen zu glätten. Becker betonte im Vorfeld des Final-Turniers in Barcelona seine grundsätzliche Haltung: „Ich will weiter mit ihm zusammenarbeiten.“ Derzeit scheint das allerdings schwer vorstellbar.
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