Im zweiten Klopp-Spiel gibt es den ersten Dämpfer: 0:1 gegen Griechenland in Augsburg nach dem guten 1:1 in den Niederlanden zuvor. Mit einer völlig neu zusammengestellten Mannschaft, die so nie wieder gemeinsam auflaufen wird, kann das passieren – sollte aber trotzdem nicht. 44 Spieler in zwei Kadern hat der neue Bundestrainer nominiert. Die erste schnelle Abrechnung der Gewinner und Verlierer, bevor am Montag der große Spieler-Umbruch kommt.
Im Tor müssen wir uns trotz der Niederlage keine Sorgen machen. Ter Stegen hatte in Holland zwar erst einen Wackelfuß, dann aber eine Zauberhand. Nübel war beim griechischen Gegentor chancenlos.
Treu als Rechtsverteidiger hat es in den Niederlanden viel besser gemacht als Vagnoman gegen Griechenland. Den Newcomer aus Freiburg sehen wir garantiert wieder. In der Innenverteidigung führt kein Weg an Tah und Schlotterbeck vorbei, da kann Bisseck von Inter Mailand (noch) nicht mithalten.
Jonathan Tah ist im Abwehrzentrum gesetztKimmich braucht als Anführer mehr Unterstützung. Der Druck, den er sich selbst macht, ist fast zu groß. Gegen Griechenland sah er bei diversen Aktionen unglücklich aus. Der Leader, der das ganze Team allein trägt, kann er gar nicht sein – das wäre auch viel zu viel verlangt.
Adeyemi, der bei der WM nicht dabei war, ist der größte Gewinner bisher, an allen gefährlichen Aktionen beteiligt, zudem bringt er mit Schade genau das Tempo, das unter Nagelsmann gefehlt hat. Wie Flick den Ex-BVB-Star in Barcelona in Rekordzeit hinbekommen hat, ist sensationell. In Dortmund erinnerten die Leistungen an die Mystery Box, die er bestellt hatte – man wusste nie, was man bekommt. Bei Barça ist er mit drei Toren und drei Vorlagen in acht Spielen neuer Fan-Liebling. Wenn er jetzt noch trifft, auch bald beim DFB.
Karim Adeyemi war ein Lichtblick bei den ersten beiden Spielen unter KloppBrown ist hinten links gesetzt. Wirtz ist weiter weit von seiner Topform entfernt. Im Sturm ist Havertz hoffentlich schnell wieder fit und Woltemade zurück in Form. Ebnoutalib, der Klopp an den frühen Lewandowski erinnert, hat viel Potenzial – aber noch sehr viel zu lernen.
Klopp braucht Zeit
Die wichtigste Erkenntnis: Die Fans stehen hinter diesem Neuanfang. Dass Klopp zum Start als Bundestrainer so viele Spieler nominiert hat, um alle einmal zu sehen, ist richtig. Dass er nicht zaubern kann und es holpern wird, war klar. ARD-Experte Schweinsteiger sagt: „Wir sind im Mittelmaß angekommen.“
Einspruch! Für die zusammengewürfelte Mannschaft stimmt das. Für die Top-Elf darf das niemals gelten, da steckt viel mehr drin als wir bei der WM gesehen haben – erst recht, wenn die Spieler mehr als vier Trainingseinheiten mit Klopp hatten. Und das spüren auch die Fans, die sich mit Pfiffen sehr zurückgehalten haben.
Der Artikel wurde für das Sport-Kompetenzcenter ( WELT , SPORT BILD , BILD) verfasst und zuerst bei BILD veröffentlicht.
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