Das Spiel 3:0 gewonnen, die ersten drei Punkte geholt – doch Irlands Freude darüber war nach dem politisch aufgeladenen Nations-League-Duell mit Israel stark gebremst. „Irland besiegt Israel in einer trostlosen Farce, die bei allen ein Gefühl der Bitterkeit und des Verrats hinterlässt“, schrieb die „Irish Times“ in einem Kommentar. Auch die Zeitung „Irish Independent“ urteilte angesichts der Begleitumstände und Protestaktionen: „Punkte geholt, aber kaum etwas gewonnen.“
Beim Sieg im ungarischen Debrecen waren die Iren mit schwarzen Armbinden aufgelaufen, „um all derer zu gedenken, die in diesem Konflikt ihr Leben verloren haben“, wie es vor dem Anpfiff mit Blick auf den Gaza-Krieg hieß. Bei der israelischen Hymne hielten die Iren ihre Köpfe gesenkt, zudem gab es keinerlei Abklatschen vor oder nach dem Spiel. Jack Moylan, Torschütze zum 3:0, zog nach seinem Treffer die Armbinde ab und küsste sie.
Seine Spieler hätten „ihre Unterstützung für den Protest gezeigt“ und „das Bewusstsein für das Thema geschärft“, sagte Irlands isländischer Nationaltrainer Heimir Hallgrimsson. Die Mannschaft hatte in den Tagen vor dem Spiel sogar einen Boykott erwogen, sich bis auf Ersatztorwart Gavin Bazunu letztlich aber dagegen ausgesprochen.
Die irischen Spieler, Trainer und Offizielle senkten bei der israelischen Hymne ihre KöpfeVor vier Jahren traf Irland in der Nations League binnen einer Woche zweimal auf die Ukraine. Die Spiele fanden vier Monate nach dem Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine statt. Bei diesen beiden Partien verzichteten die irischen Nationalspieler und der irische Fußballverband auf das Tragen eines Trauerflors, um den all derer zu gedenken, die in diesem Krieg ihr Leben lassen mussten.
Darum ist das Duell so brisant
Seitens des Verbandes war ein Boykott gegen Israel offenbar nun nie ein Thema gewesen. „Wir haben von Anfang an gesagt, dass wir das Spiel austragen werden. Das wurde von unseren Mitgliedern und dem Vorstand so beschlossen“, sagte Präsident Paul Cooke vom irischen Fußball-Verband FAI dem Sender RTÉ.
Dank „des Mutes der Spieler“ habe man die Verpflichtungen erfüllen können, so Cooke. Das Verhalten der Spieler sei „eine Ehre für Irland, eine Ehre für die Nation, eine Ehre für den irischen Fußball“. Die „Irish Times“ sieht es etwas differenzierter: „In diesem Chaos, das sich über sieben Monate hinweg entwickelt hat, gibt es im irischen Lager keinen einzigen Sündenbock, auf den man mit dem Finger zeigen könnte.“
Hintergrund der Spannungen ist die Rolle Israels im Gaza-Konflikt. In Irland hatte es seit der Auslosung Proteste gegen die Duelle mit Israel gegeben. „In Irland gibt es eine enorme Unterstützung für Palästina – wahrscheinlich die größte in ganz Europa“, sagte Nationaltrainer Hallgrimsson.
Axel Springer Global Reporter Jan Philip Burgard berichtet aus dem Gaza-Streifen. Er gibt Einblicke in die sogenannten „Terrortunnel“ und ordnet Vorwürfe gegen die israelische Armee ein.Ersatztorwart Bazunu habe es mit seinem Gewissen nicht ausmachen können, gegen Israel im Kader zu stehen. „Meine Entscheidung beruht einzig auf meiner persönlichen Überzeugung, dass die Tötung unschuldiger Menschen falsch ist“, schrieb Bazunu als Erklärung bei Instagram. Zugleich bekräftigte er: „Es ist wichtig festzuhalten, dass sich meine Haltung nicht gegen das israelische Volk oder die jüdische Gemeinschaft richtet, sondern gegen die Gräueltaten in der Region.“
Auch das Rückspiel findet auf neutralem Boden statt
Das Rückspiel am 4. Oktober findet in Serbien statt. Beide Nations-League-Spiele wurden auf neutralem Boden angesetzt. Zuvor trifft die israelische Nationalmannschaft in Debrecen auf den Kosovo. Nach dem Spiel in Serbien muss das Team im Kosovo antreten, ehe es gegen Österreich erneut in Debrecen die Nations-League-Vorrunde beschließt.
Am 7. Oktober 2023 hatten Kämpfer der Hamas und anderer extremistischer Organisationen rund 1200 Menschen in Israel getötet und mehr als 250 weitere als Geiseln nach Gaza verschleppt. Der beispiellose Überfall löste den Gaza-Krieg aus. Seitdem wurden nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde im Gaza-Streifen mehr als 74.000 Palästinenser getötet. Seit Oktober 2025 herrscht im Gaza-Krieg eigentlich eine Waffenruhe; es gibt aber immer wieder tödliche Angriffe.
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