Sie war die Topfavoritin auf den Sieg und ging vom ersten Meter an auf Weltrekordjagd: Die Äthiopierin Tigst Assefa war beim Berlin Marathon dank einer guten Renneinteilung und starken zweiten Hälfte drauf und dran, sich die Bestmarke auf beeindruckende Weise zu holen. Dann nahm das Drama seinen Lauf.

Die 29 Jahre alte Olympia-Zweite von Paris lag auf Rekordkurs, als sie etwa drei Kilometer vor dem Ziel plötzlich muskuläre Probleme bekam. Ihr Gesicht verzog sich vor Schmerzen, ihr Laufstil wurde unrund, sie humpelte. Assefa kämpfte und kämpfte, schleppte sich Meter um Meter weiter – in der Hoffnung, sich doch noch in Rekordzeit ins Ziel retten zu können. Mit jedem Schritt aber schwand der Vorsprung. Der Applaus der Menge wollte sie tragen, doch es reichte nicht.

Als die Führende durch das Brandenburger Tor lief, war klar: Es wird nicht reichen. Am Ende überquerte sie in 2:11:04 Stunden die Ziellinie und sank sofort zu Boden. Es ist die zweitschnellste jemals gelaufene Berlin-Zeit einer Frau, ihr dritter Sieg in Deutschlands Hauptstadt – aber kein Weltrekord.

Keine Kraft mehr zu lächeln, aber trotz Schmerzen ins Ziel gekämpft: Tigst Assefa

Assefa hatte hier bereits 2022 und 2023 triumphiert und dabei vor drei Jahren mit einer Zeit von 2:11:53 Stunden eine globale Bestmarke aufgestellt. Vor (und nach) dem heutigen Startschuss nahe dem Brandenburger Tor stand der Weltrekord bei 2:09:56 Stunden, aufgestellt von Ruth Chepngetich vor knapp zwei Jahren in Chicago. Die Kenianerin ist aktuell wegen eines positiven Dopingtests gesperrt, ihr Weltrekord hat aber weiter Bestand – und dabei bleibt es erst einmal.

Bei den Männern siegte in Abwesenheit von Weltrekordler Sabastian Sawe, der wegen einer Verletzung absagen musste, der Äthiopier Guye Adola in 2:02:51 Stunden. Bemerkenswert: Mit 35 Jahren ist Adola der älteste Starter des Elitefeldes in Berlin. Er stellte zudem eine neue persönliche Bestleistung auf.

Esther Pfeiffer muss aussteigen – Frodenos Debüt

Einen Rekord wollte auch Esther Pfeiffer aufstellen, und zwar den nationalen, der immer noch von Irina Mikitenko aus dem Jahr 2008 stammt und bei 2:19:19 Stunden steht. Doch die Düsseldorferin – bestens ins Rennen gestartet – musste nach rund einer Dreiviertelstunde aufgeben.

Schnellste Deutsche: die Berlinerin Anna Langerwisch. In der Zeit von 2:27:31 Stunden lief sie auf Platz 16. Den gleichen Platz erreichte der schnellste deutsche Mann Haftom Welday, der nach 2:08:25 Stunden ins Ziel lief.

Anna Langerwisch

Seinen ersten reinen Marathon lief an diesem Sonntag Jan Frodeno. Der Triathlon-Olympiasieger von 2008 und dreimalige Ironman-Weltmeister hatte seine Karriere im Herbst 2023 beendet. Sportlich unterwegs ist der 45-Jährige weiterhin, hatte sich in diesem Jahr zum Beispiel für den OCC im Rahmen des UTMB Mont-Blanc qualifiziert: ein Traillauf über etwa 60 Kilometer und rund 3500 Höhenmeter. Nach 6:31:55 Stunden lief er als Gesamt-58. und Erster seiner Altersklasse ins Ziel.

Nun also sein erster Marathon, bei dem er nicht wie früher auf der Triathlon-Langdistanz vorher 3,8 Kilometer geschwommen und 180 Kilometer Rad gefahren war. Nach 2:23:33 Stunden lief Frodeno schließlich mit einem Lächeln im Gesicht ins Ziel – schneller als er vermutet hatte und begeistert von der Atmosphäre auf den Straßen Berlins.

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