Nationaltrainer Thomas Tuchel ist nach Englands Heim-Niederlage zum Auftakt der Nations League gegen Weltmeister Spanien auf der Insel nochmal stärker unter Druck geraten. Die englischen Medien lobten zwar den Unterhaltungswert des 2:3 im Wembley-Stadion und auch die Offensive der Three Lions. Doch die teils erschreckende Abwehrleistung wird auch Tuchel angekreidet.
„England findet seine DNA: defensiv unfähig“, schrieb der „Telegraph“ in einem Kommentar: „Unterhaltsam, ja – aber wann bekommt Tuchel diese englische Abwehr in den Griff?“ Auch „Daily Mail“ kommentierte in diese Richtung: „Tuchels Viererkette hatte sich vielleicht zu sehr von den ganzen Diskussionen vor dem Spiel über die englische DNA beeinflussen lassen.“
Es sind Anspielungen an eine in England umstrittene Aussage Tuchels. Der 53-Jährige hatte das Halbfinal-Aus bei der WM gegen Argentinien unter anderem damit erklärt: „Ich denke, dass Ballbesitz eine wichtige Rolle spielt. Es ist aber vielleicht nicht so in unserer DNA wie in der spanischen DNA oder der argentinischen oder der brasilianischen DNA, das Spiel mit dem Ball zu kontrollieren.“ Bei der WM hatte England gegen Argentinien nach einem Tor von Anthony Gordon in der 55. Minute lange mit 1:0 geführt, sich dann aber zurückgezogen und dafür in der Schlussphase die Quittung bekommen. Argentinien erzielte zwei späte Tore und zog ins Finale ein, in dem Spanien aber zu stark war.
Die BBC erkannte, dass „Cheftrainer Tuchel die harte Lektion lernte, dass Chaos ohne Kontrolle auf höchstem Niveau eine Strategie der Verlierer ist“. Und weiter: „Spanien steht für Kontrolle, nicht für Chaos. Und genau deshalb sind sie Seriensieger, während England nach wie vor ein Team ist, das seit der Weltmeisterschaft 1966 keinen großen Erfolg mehr bei den Männern vorweisen kann.“ Tuchel hatte vor dem Spiel gegen Spanien gesagt, dass er das Chaos im Spiel der Engländer annehmen wollte – darauf bezieht sich die BBC nun in ihrer Kritik.
Der Klassenunterschied zu Weltmeister Spanien sei „in den entscheidenden Momenten immer noch deutlich zu erkennen, denn Spaniens geschmeidiger, gemächlicher Stil bildete einen scharfen Kontrast zu Englands oft hektischen Bemühungen“.
Spiel in Tschechien „plötzlich ungemein bedeutsam“
Laut „Daily Mail“ habe Tuchel im ersten Spiel nach der WM zwar bewiesen, „dass es mit der Mannschaft vorangeht, doch das altbekannte Problem bleibt bestehen“. Auch deswegen werde das Spiel am Dienstag in Tschechien „plötzlich ungemein bedeutsam“. Eine Niederlage würde Tuchel in arge Nöte bringen.
Tuchel selbst weiß, dass er liefern muss. „Das Ergebnis ist nicht das, was wir wollten“, sagte er nach der Niederlage gegen Spanien. Er und die Spieler müssten „damit leben, uns davon erholen, daraus lernen, das, was wir gut gemacht haben, auf demselben Niveau fortführen und unsere eigenen Fehler reduzieren und abstellen“.
Zur Chaos-Analyse der BBC sagte Tuchel: „Ich bin mir nicht sicher, ob es wirklich so chaotisch war. Wir haben unglaublich viele hohe Bälle in der gegnerischen Hälfte erobert – mehr als Spanien.“ Auch einen Klassenunterschied will Tuchel nicht gesehen haben. „Wir haben keinen Unterschied gesehen, abgesehen von der technischen Ausführung. Auf den letzten 20 Metern waren sie uns überlegen.“
Bitter für Tuchel: Das Spiel hätte eigentlich endgültig zu Gunsten der Engländer kippen müssen, aber Bayern-Star Harry Kane verschoss beim Stand von 2:1 für England einen Foulelfmeter (54. Minute). Danach drehten die Spanier auf – und England verlor. „Das war womöglich der entscheidende Moment, denn ich glaube, dann hätte Spanien vielleicht zum ersten Mal daran geglaubt, dass ihre lange Serie ungeschlagener Spiele hier endet“, meinte Tuchel.
Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke