Einige Wochen ist es her, da wurde Uli Hoeneß auf Jürgen Klopp angesprochen. Ein sehr guter Trainer sei dieser, sagte der Ehrenpräsident des FC Bayern. „Aber“, schob er nach, „ich bin kein großer Freund der Heldenverehrung. Er kriegt jetzt schon so einen Status, als ob er über Wasser gehen könnte.“
Dass Klopp das natürlich nicht kann, ist ja klar. Aber eins steht hingegen nach dem ersten Länderspiel des 59-Jährigen fest: Klopp hat die Gabe, etwas zu bewegen, wie etwa die deutsche Fußball-Nationalmannschaft in die richtige Richtung.
Das 1:1 am Donnerstagabend in Amsterdam war ein erster guter Schritt. Auf eine rasante und mit offenem Visier geführte erste Halbzeit folgte eine zweite, die ebenfalls sehr ansehnlich war – und Deutschland durch das späte Gegentor um den Sieg brachte.
Felix Nmecha schießt Deutschland in FührungDie deutsche Mannschaft, die kurz vor dem Anpfiff den Ausfall von Jamal Musiala verkraften musste und ab der 39. Minute auch noch den von Kai Havertz, spielte mutig. Sie presste früh, machte Druck. Das hatte nichts mehr mit dem so wenig inspirierenden Fußball bei der WM zu tun.
Nationalmannschaft war präsent, einsatzfreudig und willens
Auf dem Platz in der Johan-Cruyff-Arena ging es ab. Torchancen auf beiden Seiten, dazu zwei abgepfiffene Tore für die Niederländer – und das für die Deutschen zum 1:0 durch Felix Nmecha, was für Unmut beim Gegner sorgte, weil dieser reklamierte, doch bitte den Ball ins Aus zu spielen. Ein Niederländer lag verletzt am Boden, aber der Schiedsrichter ließ weiterspielen. Später folgte dann noch der Ausgleich.
Die junge deutsche Mannschaft war zum Auftakt der Nations League präsent; sie war einsatzfreudig und willens. Es machte überwiegend Spaß, ihr zuzusehen. Sie hatte auch Glück, keine Frage – und Fehler gab es auch einige. Aber sie hatte Tempo – und Debütanten wie Philipp Treu oder Younes Ebnoutalib, die sich hervorragend präsentierten und zeigten, warum der neue Bundestrainer sie nominiert hatte.
Das war erfrischend – und belebend für eine deutsche Mannschaft, die zuletzt in ihrem Wirken sehr festgefahren war. Und hinten stand mit Marc-André ter Stegen ein Keeper im Tor, der gleich mehrere Glanzparaden zeigte, den Niederländern allerdings auch zweimal den Ball gefährlich vor die Füße spielte.
Der ganz große Wurf war es noch nicht. Aber ein Spiel, auf dem sich aufbauen lässt.
Lars Gartenschläger ist Redakteur im Sportkompetenzcenter. Er berichtet für WELT seit vielen Jahren über die Nationalmannschaft. Zuletzt war er bei der WM in den USA. Am Donnerstagabend saß Gartenschläger in der Amsterdamer Johan-Cruyff-Arena auf der Medientribüne.
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