Die 1:0-Führung der deutschen Nationalmannschaft beim Nations-League-Spiel in den Niederlanden hat zu wilden Diskussionen geführt. Nach dem Treffer des Dortmunders Felix Nmecha in der 32. Spielminute beschwerten sich die Gastgeber vehement bei den Deutschen und beim Schiedsrichter. Der Vorwurf: Die Spieler von Bundestrainer Jürgen Klopp hätten sich unfair verhalten.
Grund war die Verletzung eines Niederländers. Brian Brobbey hatte sich an der Mittellinie bei einem Antritt offenkundig verletzt und lag auf dem Boden. Die Deutschen bemerkten das durchaus, zumal die Niederländer mehrfach forderten, den Ball ins Aus zu spielen, damit Brobbey behandelt werden kann. Doch das geschah nicht. Die DFB-Elf trug ihren Angriff vor, an dessen Ende Nmecha aus Nahdistanz zum deutschen 1:0 ins linke Toreck traf.
Während die Deutschen jubelten, war Oranje außer sich. Es kam zu Rudelbildungen, die Niederländer um Kapitän Virgil van Dijk beschwerten sich vehement über das Verhalten der Deutschen.
Die haben zumindest gegen keine Regel verstoßen, ebenso wenig der Schiedsrichter. In den Statuten ist das klar festgelegt: Der Unparteiische ist nur bei schwerer Verletzung angewiesen, das Spiel zu unterbrechen. Diese lag hier offenkundig nicht vor. Bei leichten Verletzungen ist der Schiedsrichter explizit angewiesen, das Spiel laufen zu lassen.
Also dürfen die Spieler weiterspielen, solange der Schiedsrichter nicht abpfeift. Die Mannschaft in Ballbesitz kann den Ball freiwillig ins Aus schlagen, muss es aber nicht.
Van der Vaart und Gräfe äußern sich
Ex-Nationalspieler Rafael van der Vaart sagte im niederländischen TV: „Ich glaube, die Niederländer haben die Situation verschlafen. Das ist natürlich unsportlich, aber es steht ja schließlich etwas auf dem Spiel, oder? Das sind die Regeln.“
Ex-Schiedsrichter Manuel Gräfe sieht es genauso. Bei „Bild“ sagte er: „In einem Freundschaftsspiel hätte man den Ball sicher herausgespielt, aber es ist ein Pflichtspiel. Die Holländer waren kurz nicht voll fokussiert. Das hat das DFB-Team clever ausgenutzt. Freunde macht man sich damit nicht, aber es ist Profisport. Es hätten sehr viele weitergespielt. Letztendlich hatte der Spieler hinten gar keine Auswirkung. Es war ein Fehler der Holländer, nicht konzentriert weiterzuspielen.“
Das Tor hätte Brobbey tatscählich kaum verhindern können, schließlich ist er Stürmer und kein Verteidiger. Geschauspielert hat er aber nicht, er wurde nach der deutschen Führung ausgewechselt, für ihn kam Mexx Meerdink ins Spiel.
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