In seinem zehnten Jahr auf der Profitour erlebt Max Hopp noch einmal ein Novum. Dem deutschen Dartspieler gelang am Dienstag bei einem Players-Championship-Turnier im niederländischen Den Bosch das perfekte Leg. Der Neundarter trug maßgeblich zum 6:2 gegen den Engländer Tom Bissell in der zweiten Runde bei. Es war nach jenem im englischen Leicester im Februar bereits Hopps zweites perfektes Leg bei einem Turnier der Professional Darts Corporation in diesem Jahr. Das war ihm nach eigener Aussage vorher noch nie gelungen.
„Es gab noch keine PDC-Saison in meinem Leben, in der ich zwei Neundarter gespielt habe. Umso glücklicher macht es mich jetzt, den gespielt zu haben“, sagte Hopp zu „Bild“. Dass er in der dritten Runde dann krachend gegen den schwedischen Außenseiter Oskar Lukasiak scheiterte (0:6), konnte seine Freude nicht trüben. „In Runde drei konnte ich leider aufgrund der vielen Gratulationen nicht wirklich an mein Spiel anknüpfen, aber trotzdem zwei Siege hier in den Niederlanden plus dieser Neundarter: Das ist einfach super“, so Hopp weiter.
Die gute Laune des 30-Jährigen ist einfach erklärbar: Max Hopp macht wieder Schlagzeilen – und zwar überwiegend positive. Erst in der vergangenen Woche hatte er sich vorzeitig seine WM-Qualifikation gesichert. Zum zehnten Mal wird Hopp damit in der Weihnachtszeit im Londoner Alexandra Palace anwerfen – er ist der erste Deutsche, der diese Marke erreicht.
Vor knapp vier Jahren schien das undenkbar. Hopp stand damals am Abgrund, verlor nach acht Saisons in Serie sein Ticket für die Profitour. Probleme mit der Schulter machten dem einstigen Junioren-Weltmeister zeitweise zu schaffen, dazu kam der öffentliche Druck, der Hopp seit seinem ersten WM-Auftritt mit 16 Jahren (2012) begleitet, und die Kritik, sich nicht genügend auf den Sport zu fokussieren.
Hopps Stempel war der des gescheiterten Wunderkindes. Hopp, der in der Frühphase der Karriere immer von der Hoffnung begleitet wurde, Deutschlands erster großer Darts-Superstar zu werden, fand sich auf der zweitklassigen Challenge Tour wieder – und lieferte selbst dort nur Ergebnisse der Kategorie mittelmäßig.
Eine Karriere als TV-Experte bei Sport1, als Show-Spieler auf Spaß-Turnieren oder Darts-Kreuzfahrten, vielleicht noch als Werbegesicht in den sozialen Medien, schien programmiert. „Ich schnuppere auch gerne mal in andere Bereiche herein“, sagte Hopp 2022 im WELT-Interview selbst.
„Ich wollte es mir selber beweisen“, sagt Hopp
Nun bespielt er all diese Kanäle, es sind aber nur Nebenschauplätze. Hopp wirkt seit seiner überraschenden Wiedereroberung der Tourkarte im Januar 2025 gereift, spielt plötzlich sogar so konstant, dass er nach zwei Jahren – so lange ist eine Tourkarte erst einmal gültig – langsam mit einem weiteren Jahr auf der Profitour planen kann. Im Rennen um die Spielberechtigung befindet sich Hopp virtuell auf Platz 57, nach der WM muss er hier für eine Verlängerung um ein weiteres Jahr mindestens auf Rang 64 stehen.
„In erster Linie bin ich verdammt stolz auf mich, dass ich mich freigemacht habe. Die kritischen Bewertungen von außen hatten mich zu negativ beeinflusst. Ich habe für mich entschieden, dass ich in erster Linie wieder sportlich gute Leistungen zeigen möchte. Das ist das Fundament für alles, was noch kommt. Es ist das, woran du gemessen wirst. Ich wollte es mir selber beweisen, dass es sich lohnt zu kämpfen, dranzubleiben und an sich zu glauben“, sagte Hopp kürzlich: „Ich spiele eine der stärksten Saisons, die ich jemals gespielt habe.“
Bei der WM hofft Hopp angesichts seiner guten Form auf den nächsten Schritt. Noch nie ging es in London über die dritte Runde hinaus. Nun sagt Hopp: „Ich gehe sehr positiv in den Winter rein und möchte bei der WM einfach Vollgas geben. Egal, wie die Auslosung läuft, will ich von Anfang an voll da sein und alles geben. So ein Turnier ist lang und ich hoffe, dass es zum Jubiläum endlich über die dritte Runde hinausgeht.“ Die Vorzeichen dafür stehen nicht schlecht.
Luca Wiecek ist Sportredakteur für WELT. Er spielt selbst Darts bei VfD Rakete Berlin 5. Beim 11:7-Sieg seiner Mannschaft am Dienstag war er nicht dabei.
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