Wenn Sky-Moderator Sebastian Hellmann geahnt hätte, wie sehr Niko Kovač diese Nachricht trifft – er hätte die Information, die er selbst erst kurz zuvor erhalten hatte, wohl nicht direkt an seine Gäste weitergereicht. Zumindest nicht ohne Vorwarnung in einer Live-Situation wie dieser.
Am Samstagabend, als Hellmann den Dortmunder Trainer nach dem 1:0 (0:0)-Sieg des BVB beim VfB Stuttgart interviewte, unterrichtete er ihn sowie die Sky-Experten Lothar Matthäus und Julia Simic über den Tod von Peter Hermann. Kovač reagierte sehr betroffen. „Mir bleibt ein wenig die Luft weg. Vor ein, zwei Monaten habe ich noch versucht, mit ihm zu sprechen. Das war gar nicht mehr möglich“, erklärte er. Damals sei die Tochter von Hermann, der Co-Trainer von Kovač in seiner Zeit beim FC Bayern war, ans Telefon gegangen. „Ich bin tieftraurig, ein guter Mensch hat uns verlassen.“
Kovač sagte anschließend das eigentlich zugesagte Interview mit dem ZDF-Sportstudio ab. Die obligatorische Pressekonferenz absolvierte er zwar, doch seine Gedanken kreisten immer noch um den Verlust. „Von mir und auch von meinem Bruder Robert unser aufrichtiges Beileid. Ein toller Mensch ist von uns gegangen. Nicht nur als Co-Trainer in München, sondern auch als Co-Trainer, als ich noch Spieler in Leverkusen war. Wirklich ein Schock“, erklärte er.
Große Hilfe in den Karrieren
Hermann, der im Alter von 74 Jahren nach langem Kampf mit der unheilbaren Nervenkrankheit ALS verstorben ist, war für viele namhafte Bundesligatrainer in unterschiedlichen Phasen eine große Hilfe in ihren Karrieren. In mehr als 1000 Spielen war er als Co-Trainer für verschiedene Vereine tätig – für Bayer Leverkusen, den 1. FC Nürnberg, Bayern München, Schalke 04, den Hamburger SV, Fortuna Düsseldorf und den BVB. Er war, obwohl er das Rampenlicht scheute – oder gerade deswegen – eine prägende Figur des deutschen Fußballs.
Die meisten Fans bringen ihn mit seiner Zeit an der Seite von Jupp Heynckes in Verbindung, als die Bayern 2013 das Triple – Meisterschaft, Champions League und DFB-Pokal – gewinnen konnten. Hermann war dabei weit mehr als nur ein Assistent. Heynckes hatte ihm in der täglichen Trainingsarbeit weitgehend freie Hand gelassen. Im Oktober 2016, als Heynckes erneut Bayern-Trainer war, bestand er sogar auf der Verpflichtung von Hermann. Die Münchener mussten deshalb eine Ablöse in Höhe von zwei Millionen Euro zahlen, um Hermann aus seinem Vertrag mit Fortuna Düsseldorf herauszukaufen.
„Der Fußball lebt nicht zuletzt von Persönlichkeiten wie Peter Hermann, die nicht immer im Rampenlicht stehen und dennoch immer dafür sorgen, dass alles glänzt. Das historische Triple 2013 ist auch mit seinem Namen verbunden“, wird Bayern-Präsident Herbert Hainer in einer Klubmitteilung zitiert.
Im Dezember 2022 beendete Hermann seine Karriere
Das beschreibt die Bedeutung von Hermann gut. Die Reihe von Cheftrainern, denen er in 33 Jahren zugearbeitet hat, scheint endlos: Jürgen Gelsdorf, Dragoslav Stepanovic, Erich Ribbeck, Christoph Daum, Berti Vogts, Klaus Toppmöller, Klaus Augenthaler, Michael Skibbe, Michael Oenning, Jupp Heynckes, Jens Keller, Peter Knäbel, Frank Kramer, Marco Kurz, Friedhelm Funkel, Niko Kovač, Christian Wörns, Hannes Wolf, Mike Büskens und schließlich Edin Terzić. Im Dezember 2022 beendete Hermann seine Karriere aus gesundheitlichen Gründen. Da war er Co-Trainer von Borussia Dortmund.
Letzte Station beim BVB: Co-Trainer Peter Hermann 2022Hermann, der aus Kleinmaischeid in Rheinland-Pfalz stammt und 120 Bundesligaspiele als Profi absolviert hat, war ein akribischer Arbeiter. Er war jemand, der es liebte, junge Spieler zu formen – auf dem Trainingsplatz und durch viele Gespräche. Lange bevor es Nachwuchsleistungszentren und flächendeckendes Scouting gab, wusste Hermann, welcher Spieler in welche Mannschaft passt und wie effektive Talentförderung auszusehen hat. Er konnte Spiele lesen und hatte kein Problem damit, sein Wissen den jeweiligen Cheftrainern zur Verfügung zu stellen.
In der späteren Phase seiner Karriere wurde er deshalb besonders für junge Cheftrainer zu einer Art Mentor. Hannes Wolf berichtete einmal, dass in seiner Zeit in Leverkusen einmal erfahrene Spieler auf ihn zugekommen seien, um sich zu beklagen, dass sie erst am Spieltag erfahren, wer denn nun spielen wird und wer nicht. Sie versahen die Beschwerde mit dem Hinweis, dass dies bei „gestandenen Trainern“ anders üblich sei. Daraufhin meldete sich Hermann zu Wort: „Was wollt ihr denn? Jupp Heynckes hat die Aufstellungen erst kurz vor dem Spiel bekanntgegeben.“ Die Spieler, die die Autorität des Cheftrainers austesten wollten, schwiegen und trollten sich.
„Lieber Peter, danke für alles, was du dem Fußball und ganz besonders mir gegeben hast. Du warst ein großartiger, herzlicher, ehrlicher und bescheidender Mensch, der sein ganzes Leben in Fußballschuhen verbracht hat“, schrieb Edin Terzić auf Instagram. Hermann habe seinen Weg als Trainer „entscheidend geprägt“, so Terzić, der seit Saisonbeginn beim spanischen Erstligisten Athletic Bilbao arbeitet: „Deine Erfahrung, deine Leidenschaft und deine Werte werden mich für immer begleiten.“
Das gilt nicht nur für Terzić – sondern für eine ganze Reihe von Trainern, die das Privileg hatten, mit Peter Hermann zusammenzuarbeiten.
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