Deniz Undav hat mit bissigen Worten auf die Kritik an seinen jüngsten Leistungen reagiert. „Ich rede offen, ich nehme kein Blatt vor den Mund, ich sage meine Meinung, negativ wie positiv. Und wie gesagt, ich habe oft Probleme gehabt, ich muss es, wie gesagt, oft beweisen. Ich habe jetzt im Sommer schon einen Krieg gehabt (bei der WM, die Redaktion), jetzt muss ich mich wieder beweisen“, sagte der Kapitän des VfB Stuttgart bei Sky nach dem 0:1 in der Bundesliga gegen Borussia Dortmund.

„Ich hatte das mein Leben lang, egal wo ich war, hat es am Anfang nicht geklappt, weil die Leute halt sagen, deine Körpersprache, du bist nicht der Sprinter. Aber das ist mein Leben lang so“, erklärte Undav weiter, der gegen Dortmund nach etwas über einer Stunde ausgewechselt wurde und noch auf sein erstes Saisontor wartet.

„Also, ich habe letztes Jahr 39 Scorerpunkte erzielt und meine Körpersprache war die gleiche. Deswegen muss man erst damit klarkommen. Und wenn man damit in Berührung kommt und mich als Mensch kennt, dann weiß man, wie man das zu handeln hat“, sagte er.

„Es ist anstrengend, es jedem Trainer zu beweisen“, sagt Undav

In dieser Woche hatte der neue Bundestrainer Jürgen Klopp den 30 Jahre alten Stuttgarter nicht für seinen XXL-Kader nominiert, weshalb die Debatte um Undavs Fitnesszustand erneut aufgekommen war. „Wenn ich hoffentlich im November, wenn ich mich empfehlen kann und wieder dabei bin, dann wird der Bundestrainer wissen, was ich für ein Typ bin“, sagte Undav.

Bei Sky sagte er auf die Frage, wie der Kontakt mit Klopp sei: „Ganz normal.“ Danach berichtete Undav offen, dass er „kurz enttäuscht“ gewesen sei, „weil ich mir gedacht habe, dass ich mir einen Puffer aufgebaut hätte durch die WM und die Spiele im Nationaldress. Das ist anscheinend wieder nicht der Fall. Ich muss mich neu beweisen und noch einmal alles geben und noch einmal einem Trainer beweisen, dass ich dazugehöre. Das ist zwar anstrengend, es jedem Trainer zu beweisen. Aber ich habe es oft genug gemacht und deswegen werde ich es wieder machen“.

Undav erzählte auch, wie das Gespräch mit Klopp abgelaufen sei. „Er meinte: Die Erwartungshaltung ist eine andere. Ich war in den beiden Spielen nicht gut, die er geguckt hat. Gegen Bayern und gegen Köln. Ja, muss man akzeptieren. Ich war trotzdem enttäuscht, weil ich eigentlich damit gerechnet habe. Aber ja, ich bin kein Kind von Traurigkeit. Ich heule jetzt nicht rum. Ich war fünf Minuten enttäuscht und dann ging der Blick nach vorn.“

Gleich 44 Spieler, aufgeteilt in zwei Kader. So hat Bundestrainer Jürgen Klopp nominiert. „Das ist so ein bisschen die Demokratisierung der Nationalspieler, dass eigentlich jeder jetzt mal die Chance hat“, sagt Ex-Nationaltorhüter Jens Lehmann bei WELT TV.

Auf der Pressekonferenz zur Bekanntgabe seines ersten Nationalmannschafts-Kaders für die Nations-League-Spiele in den Niederlanden (24. September/Amsterdam), gegen Griechenland (27. September/Augsburg) und Serbien (1. Oktober/München) sowie in Griechenland (4. Oktober/Thessaloniki, alle Duelle im Sport-Ticker der WELT) hatte Klopp gesagt: „Mit Deniz Undav habe ich gesprochen. Deniz hat noch nicht richtig in die Saison hereingefunden.“ Zudem habe er sich für vier andere Angreifer entschieden.

Auch bei Ex-Bundestrainer Julian Nagelsmann hatte der Torjäger oft einen schweren Stand und kam trotz guter Leistungen selten über eine Rolle als Joker hinaus. Ende März hatte der Ex-Bundestrainer öffentlich erklärt, Undav sei für ihn kein Startelf-Kandidat, und dabei auch dessen körperliche Voraussetzungen thematisiert. Nach einem bissigen Kommentar über Undavs Leistung im Testspiel kurz vor der WM gegen Ghana hatte Nagelsmann den VfB‑Stürmer sogar um Entschuldigung gebeten.

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