Hans-Joachim Watzke (67) ist seit 2022 Vizepräsident beim Deutschen Fußball-Bund. Jetzt verrät er: Nach dem Desaster bei der Katar-WM hätte er den jetzigen England-Coach Thomas Tuchel (53) gerne im Posten des Trainers der deutschen Nationalmannschaft gesehen.

In der Sendung „Meine Geschichte“ mit Moderator Riccardo Basile, die am Freitag um 23:15 Uhr bei Sky ausgestrahlt wird, fragt Basile, ob Watzke über Tuchel als Bundescoach einmal nachgedacht habe.

Watzke antwortet: „Ja, im Sommer nicht. (…). Aber die Idee hätte ich schon gehabt.“ Der BVB-Präsident ergänzt: „Wir sind in Katar ziemlich kläglich ausgeschieden. Und dann? Dann denkst du ja schon mal so in der Nacht oder zwei Nächte lang, was könnte jetzt sein?“ Deutschland flog 2022 bei der Katar-WM in der Vorrunde raus, blamierte sich wie vier Jahre zuvor in Russland.

Basile fragt nach: „Warum hast du dich da nicht dann mehr für eingesetzt?“ Watzke erklärt daraufhin: „Damals war noch Oliver Bierhoff da, jetzt Rudi Völler. Das ist ja nicht meine Entscheidung, wer Bundestrainer wird. Aber so die Grundhaltung war einfach: Wir machen mit Hansi Flick weiter. Und Hansi ist ja ein exzellenter Trainer, siehst du ja gerade, was er da bei Barcelona abreißt.“

Watzkes großer Ärger mit Thomas Tuchel

Und weiter: „Aber ich hatte das Gefühl, nach Katar wird's schwierig, weil nach so einem Misserfolg wird es schwierig. Ich habe im Nachhinein wahrscheinlich auch recht behalten, die Spiele danach waren ja auch ein Desaster!“

Im Gespräch steht ein weiteres Thema im Fokus: Am 11. April 2017 explodierten auf dem Hinweg zum Champions-League-Viertelfinale gegen die AS Monaco neben dem Borussia-Mannschaftsbus drei Bomben. Metallbolzen zerschlugen Fenster.

Basile: „Du hast die Mannschaft gefragt: Möchtet ihr antreten oder nicht? Die Mannschaft hat sich dazu entschlossen. Wenn man das jetzt weiß, dass du immer zu deinem Wort stehst und es dann hinterher so gespielt worden ist, dass du das irgendwie bestimmt hättest, dass die Mannschaft spielen muss. Mit dieser ganzen Thematik und deiner Historie. War das für dich ganz persönlich die größte menschliche Enttäuschung?“

Watzke antwortet: „Es war jedenfalls eine große. Ja! Ja!“ Basile hakt nach: „Es war Thomas Tuchel, der das so dargestellt hat, als hättest du das bestimmt. Wie lange hattest du denn persönlich damit zu knabbern, dass so ein Bild in der Öffentlichkeit dargestellt wird, was einfach nicht der Wahrheit entspricht?“

Watzke erklärt: „Das ist ja dann ein Riesenproblem, weil wenn du das, wenn du die inneren Vorgänge nicht mehr bei dir behältst, sondern die inneren Vorgänge nicht mehr bei dir behältst, sondern alles nach draußen geht und dann noch verzerrt wird. Ich habe aber gemerkt, egal was ich sagte oder auch egal was andere sagten. Es gab einfach bestimmte Kreise, die das einfach haben wollten. Dass das einfach gut reinpasst, dass so ein seelenloser Fußball-Funktionär dann den Spielern vorschreibt, was sie zu tun haben. Das passte einfach mal gut ins Bild.“

„Wir reden vernünftig miteinander“

Auf die Frage, ob es ihn Überwindung gekostet habe, Tuchel zu verzeihen, sagt Watzke: „Nein. Es geht auch gar nicht um Verzeihen oder nicht verzeihen. Ich halte Tuchel nach wie vor für einen exzellenten Trainer.“

Hans-Joachim Watzke sprach im Dortmunder Stadion mit Moderator Riccardo Basile

Und weiter: „Wir hatten in dem Moment einen massiven Dissens, das ist schon klar. Aber irgendwann geht es immer weiter. Und wenn wir uns heute sehen, wir reden vernünftig miteinander. Und wo die Engländer mich gefragt haben, was ich von Tuchel halte, habe ich denen nur gesagt: Könnt ihr blind machen. Kriegt einen der besten Trainer. Der Thomas Tuchel stand ja auch unter einem maximalen Druck.“

Er erklärt: „Und wer ihn als Persönlichkeit kennt, der weiß ja auch, dass er sich diesen Druck auch selbst auferlegt. Und wie gesagt, ich habe immer am Ende auch im Nachhinein Respekt davor gehabt, weil ich nicht weiß, ob, wenn du dann in dem Moment im Bus gesessen hast, sich die Dinge für dich noch mal anders angefühlt haben, denn das muss man einfach auch respektieren.“

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