Er wurde gefeiert – und nun gefeuert. Das ist im Fußball nichts Ungewöhnliches. Gerade für Trainer. Doch was Dino Toppmöller bei seinem aktuellen Verein RC Lens erlebte, ist in dieser Form vermutlich noch nie passiert. Knapp drei Monate nach seinem Amtsantritt muss er bei den Franzosen nach Informationen der „Bild“ schon wieder gehen. Und das nicht wegen sportlichen Misserfolgs.
Was ist passiert? Toppmöller ist mit Lens ordentlich in die Saison gestartet. Gleich im ersten Pflichtspiel holte er den ersten Titel – durch ein 1:0 gegen die Milliarden-Truppe von Paris St. Germain im Supercup. Auch der Auftakt in der Champions League glückte ihm. Nach dem 3:2 bei Slavia Prag (trotz 1:2-Rückstand in der 88. Minute) am vergangenen Donnerstag rief Präsident Joseph Oughourlian noch in der Nacht Toppmöller an, um ihm völlig euphorisch zu gratulieren.
In der Liga lief es zwar weniger berauschend. Toppmöller holte aus vier Spielen nur vier Punkte, was aktuell Platz zehn bedeutet. Doch die Fans feierten ihre Mannschaft und den Trainer nach dem 2:2 in Le Mans trotzdem, denn alle wissen: Toppmöller musste zuletzt auf sechs Stammspieler verzichten. Sie waren entweder verletzt oder nach einer Verletzung noch nicht wieder fit.
Talente ersetzen verletzte Stammspieler
Der frühere Eintracht-Trainer setzte stattdessen auf junge Talente. So ließ er Souleymane Sagnan (21 Jahre alt), Kyllian Antonio (18), Ismaëlo Ganiou (21) in der Dreierkette, dazu Andrija Bulatovic (19) auf der Sechs und auch den 16-jährigen Mezian Mesloub immer wieder spielen. Das gefiel auch den Verantwortlichen um Generaldirektor Benjamin Parrot und Sportdirektor Jean-Louis Leca.
Dino Toppmöller in der vergangenen Woche beim Sieg in der Champions League gegen Slavia PragDennoch kam es nun am Montag zum Knall. Denn da teilte der Klub mit, Nelson Morgado freizustellen. Der Portugiese ist Toppmöllers engster Vertrauter und Co-Trainer. Seit 2017 arbeiten sie zusammen. Morgado, so heißt es, war einigen im Verein zu unbequem, vor allem den französischen Mitarbeitern im Trainerstab. Er forderte von ihnen mehr Einsatz und mehr Leidenschaft. Das kam nicht gut an – und kostete ihn nun den Job.
Toppmöller widersetzte sich der Freistellung von Morgado, weil der Klub damit in seinen Bereich eingegriffen habe. Seine Loyalität zu Morgado führte dann aber auch zu seiner Freistellung. Am Freitag gegen AS Monaco soll nun der bisherige Co-Trainer Yannick Cahuzac anstelle von Toppmöller auf der Bank sitzen.
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