Die Polizei hat eine erste Bilanz zum Skandalspiel im DFB-Pokal zwischen Waldhof Mannheim und dem 1. FC Kaiserslautern (0:1 nach Verlängerung) veröffentlicht. Demnach wurden bei dem Einsatz 33 Beamte der Bundespolizei sowie zwei Polizeibeamte aus Baden-Württemberg leicht verletzt. Insgesamt 1400 Beamte waren im Einsatz.
Nach torlosen 90 Minuten war die Situation im Carl-Benz-Stadion eskaliert, als nach einer Rudelbildung zwischen den Spielern auf dem Rasen auch noch einige FCK-Anhänger Feuerwerkskörper in den Sitzplatzbereich schossen. Daraufhin stürmten Mannheimer Fans den Platz. Einsatzkräfte der Polizei – auch zu Pferd – mussten einschreiten, um die Lage wieder unter Kontrolle zu bringen. Zeitweise drohte die Partie abgebrochen zu werden.
Die Polizei verkündete in ihrer Meldung, dass die Lage vor dem brisanten Derby noch relativ ruhig gewesen sei. „Lediglich vereinzelte gegenseitige verbale Provokationen sowie das Zünden pyrotechnischer Gegenstände waren festzustellen“, hieß es.
„Aggressive Stimmung schwappte unmittelbar auf die Ränge über“
Was dann allerdings im Stadion passierte, beschreibt die Polizei so: „Wenige Minuten nach Ende der regulären Spielzeit kam es zunächst auf dem Spielfeld zu einer Rudelbildung beider Mannschaften. Die aggressive Stimmung schwappte unmittelbar auf die Ränge über. Nachdem von der Haupttribüne Mannheimer Anhänger zahlreiche Becher in Richtung Spielerbank Kaiserslautern geworfen wurden, reagierten die Kaiserslauterer Anhänger mit dem gezielten Abschuss von Raketen in Richtung Haupttribüne“, hieß es. „Daraufhin kam es zu einem Platzsturm der Mannheimer Anhänger, und starke Polizeikräfte mussten auf dem Spielfeld einschreiten und die Personen in den Heimblock unter Zwangsanwendung zurückdrängen. Die Einsatzkräfte wurden zuvor aus dem Heimfanblock heraus mit pyrotechnischen Gegenständen und Raketen beschossen.“ Dabei seien die 35 Beamten verletzt worden.
Nach Spielende sei von den Lautern-Fans im Gästeblock dann noch die eigene Choreografie angezündet worden. Die Feuerwehr musste eingreifen.
Die Polizei führt einen Fan abDie Polizei ermittelt nun wegen Beleidigung, Körperverletzung, Sachbeschädigung, Landfriedensbruchs, tätlichen Angriffs auf Polizeibeamte und Verstößen gegen das Sprengstoffgesetz. Es wurden mehrere Fans festgenommen – die genaue Zahl nannte die Polizei nicht. 85 Menschen wurden medizinisch betreut, acht kamen ins Krankenhaus.
„Die intensive Vorbereitung aller beteiligten Institutionen und die enge Zusammenarbeit aller Beteiligten haben sich ausgezahlt. Unser taktisches Konzept ging voll auf“, bilanzierte Polizeidirektor Michael Reichert.
DFB kündigt Aufarbeitung an
Auch der Deutsche Fußball-Bund hat zu den Geschehnissen auf Instagram eine Analyse angekündigt. Die Vorfälle würden „umfassend aufgearbeitet“, hieß es in einem unmittelbar nach dem Erstrundenspiel veröffentlichten Post. „Der Deutsche Fußball-Bund wird die Berichte auswerten und den zuständigen Gremien zuleiten.“ Für sicherheitsgefährdendes Verhalten sei im Fußball kein Platz, hieß es abschließend.
Der baden-württembergische Innenminister Manuel Hagel verurteilte die Szenen. „Das war heute in Mannheim kein normales Derby“, erklärte der CDU-Politiker. „Wer den Fußball als Bühne für Gewaltexzesse missbraucht, andere Fans mit Absicht in Gefahr bringt und vor allem auch Sicherheitskräfte verletzt, ist kein Fan, sondern ein Krimineller. Genau so werden wir diese Typen auch behandeln, um Recht und Ordnung in unseren Stadien durchzusetzen.“
Zugleich lobte Hagel die Einsatzkräfte. Die Polizei habe „Großartiges geleistet und meine volle Rückendeckung“, sagte er. Die Mannheimer Polizei sei „hochprofessionell vorbereitet“ gewesen.
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