Der 50-Millionen-Euro-Mann sorgte sofort für einen Lacher. Am Freitagmittag präsentierte der FC Bayern seinen Zugang Ismael Saibari auf einer Pressekonferenz in der Klubzentrale an der Säbener Straße, und ein Reporter fragte den Nationalspieler Marokkos, wie viele Sprachen er spreche.

Also zählte der Offensivprofi lächelnd auf. „Englisch, Spanisch, Französisch, Arabisch und ...“ Er lachte und überlegte. Da war doch noch eine … „Und Niederländisch!“, fügte Saibari lachend hinzu. „Und in sechs Monaten hoffentlich auch Deutsch.“ Einige Wörter wie „Servus“ kann er schon.

Der 25-Jährige ist in diesem Sommer der Star-Zugang des deutschen Fußball-Rekordmeisters. Sportvorstand Max Eberl saß am Freitag auf dem Podium im Presseraum neben Saibari und lobte dessen Körperlichkeit, Präsenz, Schnelligkeit und Variabilität. Der neue Spieler habe etwas Besonderes.

Wie der Transfer von Außenverteidiger Nathaniel „Nene“ Brown (kam für rund 50 Millionen Euro von Eintracht Frankfurt) zeige auch der Einkauf Saibaris, „dass wir auf Flexibilität setzen wollen. Auf Spieler, die unterschiedliche Positionen spielen können und etwas Neues in unser Spiel bringen können, was wir in der vergangenen Saison vielleicht noch nicht so hatten.“

Dass Saibari heute bei einem Weltklasse-Klub spielt, ist ein Fußball-Märchen. Der Offensivstar kam mit einer Fehlstellung zur Welt. Seine Füße waren stark nach innen gedreht. Die Ärzte hatten erhebliche Zweifel, ob dieser Junge je richtig laufen wird.

„Es ist richtig, ich hatte Probleme mit den Füßen, als ich geboren wurde“, sagte Saibari auf Frage von WELT. „Meine Eltern haben viele Opfer auf sich genommen, dass ich richtig gehen und ein normales Leben leben konnte. Dafür bin ich sehr dankbar. Ich bin auch ein gläubiger Moslem, glaube an Gott und dass es Teil seiner Taten war.“

Er kam am 28. Januar 2001 in der Nähe von Barcelona auf die Welt. Seine Mutter Fatima und sein Vater Hassan hatten Marokko Ende der 1980er Jahre in Richtung Spanien verlassen. Sie wollten nicht wahrhaben, dass ihr Sohn nie richtig laufen können sollte.

Ismael Saibari, Zugang des FC Bayern München, bei seiner Vorstellung

Und ermöglichten ihrem Ismael eine langwierige Behandlung. Beinahe ein Jahr lang wurde Saibaris Fehlstellung mit Schienen, anderen orthopädischen Hilfsmitteln und Reha therapiert. Mit Erfolg – im Alter von zwei Jahren machte Saibari seine ersten Schritte ohne Hilfe. Und gewann somit den ersten großen Kampf seines Lebens.

Mit 14 Jahren das Ende beim RSC Anderlecht

Früh war der Ball sein liebstes Spielzeug. Sein Vater übte immer wieder Schüsse mit ihm. Als Saibari sechs Jahre alt war, verlor sein Vater den Job als Maurer, der mit seiner Frau eröffnete Lebensmittelladen warf nicht genug ab. Daher zogen die Saibaris aus beruflichen Gründen nach Belgien.

Dort wurde der Junge bei mehreren Klubs weiter fußballerisch ausgebildet, schaffte es dann in die Jugend des RSC Anderlecht. In ihm reifte der Traum, es eines Tages zum Profi zu schaffen. Und für einen großen Klub wie den FC Bayern zu spielen.

Im ersten Viertelfinale dieser WM gewinnt Frankreich souverän gegen Marokko. Innerhalb von sechs Minuten gelingt es den Franzosen, die Partie zu entscheiden. Die Highlights im Video.

Im Alter von 14 Jahren schmiss der RSC Anderlecht ihn aus seiner Nachwuchs-Abteilung. Als Gründe wurden Saibari eigenen Aussagen zufolge genannt, er sei zu schwer und nicht fit genug.

Über den belgischen Klub KRC Genk schaffte er es 2022 zum PSV Eindhoven. Dort entwickelte sich Saibari vom Spieler der zweiten Mannschaft zum Star. Mit 19 Toren wurde er in der Saison 2025/26 der erfolgreichste Torjäger des Klubs, gab zudem neun Vorlagen.

In der Vorrunde der Champions League traf er mit Eindhoven auf den FC Bayern. Und begeisterte die Münchner Bosse um Eberl – obwohl die Bayern 2:1 gewannen. „Wir kannten Ismael schon länger. Der letzte richtige Impuls, dass er ein Spieler für den FC Bayern ist, war im Spiel gegen uns“, so Eberl. Saibari erzielte in der Partie das 1:1.

Neu beim FC Bayern: Ismael Saibari (l.) und Sportvorstand Max Eberl mit Saibaris Trikot

Der neue Offensivstar, der es mit Marokko bei der WM in diesem Sommer bis ins Viertelfinale schaffte, hat bis 2031 beim Meister unterschrieben. Und große Ziele. „Seit Vincent Kompany gekommen ist, spielt Bayern einen anderen Stil, mit mehr Bewegung und hoher Intensität. Das habe ich in der vergangenen Saison auch selbst erfahren. Sie spielen sehr guten Fußball, immer intensiv, suchen immer die Abschlüsse. Das gefällt mir sehr“, so Saibari. „Bayern ist einer der größten Klubs der Welt. Auch der Spielstil passt zu mir. Sie haben mir das Vertrauen gegeben, dass ich mich hier als Spieler und als Person entwickeln kann.“

Den internen Konkurrenzkampf in der Offensive nimmt er gern an: „Meine Lieblingsposition ist auf der Zehn, das weiß jeder. Aber ich kann verschiedene Positionen bekleiden, im Spiel wechselt man sowieso immer. Ich kann auch auf der Seite spielen und etwas tiefer.“

Am 28. August eröffnet der FC Bayern die Saison der Bundesliga mit dem Heimspiel gegen den VfB Stuttgart. Ismael Saibari ist nach seiner bei der WM erlittene Oberschenkelverletzung fit. Und will sein Fußball-Märchen in der neuen Spielzeit weiterschreiben.

Julien Wolff ist Redakteur im Sportkompetenzcenter. Er berichtet für WELT seit vielen Jahren über den FC Bayern, die Nationalmannschaft sowie über Fitness-Themen. Zuletzt war er bei der Fußball-WM in den USA. Bei der Vorstellung Saibaris war er Freitagmittag an der Säbener Straße.

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