Zehnkampf-Weltmeister Leo Neugebauer hat sich nach einem dramatischen 1500-Meter-Lauf erstmals auch den Titel des Europameisters gesichert. Der 26-Jährige gewann mit 8611 Punkten Gold.
Der frühere Welt- und Europameister Niklas Kaul gewann am Ende seines traditionell starken zweiten Tages Silber und hätte Neugebauer beinahe noch überholt. Der Mainzer sammelte 8573 Punkte.
Vor den abschließenden 1500 Metern am Abend lag Neugebauer mit 7920 Punkten 154 Zähler vor Kaul – was einem Vorsprung von 22 Sekunden im letzten Wettbewerb entsprach.
Schleppte sich mit allerletzter Kraft ins Ziel: Leo NeugebauerNeugebauer schleppte sich mit einer Zeit von 4:38,36 Minuten über die Ziellinie und brach hinter derselben zusammen. Kaul kam mit 4:20,75 Minuten als Vierter ins Ziel. Von den 22 Sekunden Vorsprung blieben am Ende also noch vier übrig. Die Bestzeit erzielt Antoine Ferranti (Frankreich) mit 4:15,81 Minuten.
Bronze sicherte sich mit 8433 Zählern der Norweger Sander Skotheim. Der dritte deutsche Starter Amadeus Gräber landete mit 8162 Punkten auf dem achten Rang.
Nur mit Unterstützung des Litauers Edgaras Benkunskas kam Leo Neugebauer nach kräftezehrenden 1500 Metern wieder auf die BeineChaos hatte es zuvor am zweiten Wettkampf-Tag der Zehnkämpfer im Stabhochsprung gegeben, das hatte vor allem Neugebauer unnötige Kräfte gekostet. Er und weitere sechs Mehrkämpfer überquerten in brütender Mittagshitze vermeintlich die Höhe von 4,80 Metern. Das Problem: Die Höhe der Stabhochsprung-Latte wurde von den Kampfrichtern nicht auf 4,80 Meter eingestellt. Stattdessen lag die Latte noch bei der vorherigen Höhe von 4,70 Metern.
Doch damit nicht genug: Bei Versuchen von Neugebauer waren die Abstände der Ständer, auf denen die Latte liegt, nicht auf den Wert eingestellt, den er angegeben hatte. Ähnlich erging es dem Franzosen Makenson Gletty.
Neugebauer verletzt sich an Wade
„So etwas habe ich noch nie erlebt“, hatte Neugebauer gesagt, der bei einem der Wiederholungssprünge in den Einstichkasten fiel und sich dabei an der Wade verletzte. Nach einem Protest erhielt Neugebauer bei brütender Hitze von 35 Grad Celsius im Alexander Stadium eine weitere Chance über 4,80 Meter - und nutzte diese.
Am Ende überquerte er sogar 4,90 Meter. „Gott sei Dank ist es am Ende noch mal gut gegangen. Das war echt verrückt“, sagte Neugebauer. Bundestrainer Jörg Roos sprach von „Wettkampfverzerrung“.
Von dem ganzen Wirrwarr nicht betroffen war Kaul, der in der anderen Stabhochsprung-Gruppe startete und eine Saisonbestleistung nach der anderen bei der EM aufstellte – und beinahe noch Neugebauer abgefangen hätte.
Gesa Krause holt Gold über 3000 Meter Hindernis
Es war damit die zweite Goldmedaille am Donnerstag bei der Leichtathletik-EM. Zuvor hatte Gesa Krause über 3000 Meter Hindernis das begehrenswerte Edelmetall geholt.
Giftige Aussagen gab es nach Krauses Sieg von Teamkollegin Lea Meyer, weil sich Krause lange im Windschatten von Meyer aufgehalten hatte. Meyer diktierte das Tempo, stürzte aber am letzten Wassergraben auf Medaillenkurs liegend. So fiel sie noch hinter Gürth auf den vierten Platz zurück.
Lea Meyer (r.) und Gesa Krause (M.) im Finale des HindernislaufsAnschließend kritisierte Meyer die Renntaktik Krauses. „Also das ist einem ja bewusst: Gesa will einfach keinen Meter was machen. Die sitzt es aus und rennt da hinten raus“, sagte die 28-Jährige, die sichtlich bedient war.
Krause nahm die Kritik gelassen hin: „Also erst einmal tut es mir unfassbar leid, dass sie gestürzt ist“, betonte sie. Das wünsche man keiner Konkurrentin. „Man entscheidet sich ja selbst zur Führungsarbeit“, sagte Krause.
Diskuswerfer Janssen holt erste EM-Medaille seit Robert Harting
Auch die deutschen Diskuswerfer jubeln. Henrik Janssen gewann am Abend die Bronzemedaille. Der Magdeburger schleuderte die Scheibe im Alexander Stadium im zweiten Versuch auf die persönliche Saisonbestweite von 69,53 Metern.
Henrik Janssen holt BronzeErstmals seit dem Titelgewinn von Olympiasieger Robert Harting 2014 in Zürich holte ein deutscher Diskuswerfer wieder eine EM-Medaille. Den Sieg sicherte sich der slowenische Titelverteidiger Kristjan Ceh mit Meisterschaftsrekord von 72,51 Metern vor dem Litauer Mykolas Alekna, der 69,89 Meter weit warf.
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