Es sind seine letzten Armzüge zur Anschlagmatte, die letzten Meter von insgesamt 800 im Olympiabecken von Paris. EM-Gold ist dem 19 Jahre alten Johannes Liebmann nicht mehr zu nehmen, zu stark war seine Tempoverschärfung nach 550 Metern, zu groß sein Vorsprung jetzt. Mit dem Anschlag steht es dann fest: EM-Titel mit Europarekord – und das bei seinen ersten internationalen Meisterschaften auf der großen Bühne. Dahinter macht Sven Schwarz den deutschen Doppelsieg bei den Schwimm-Europameisterschaften perfekt – Liebmann schwingt sich euphorisch auf die Leine, schreit seine Freude heraus, und der 24 Jahre alte Schwarz tut es ihm gleich.

Es war erst im Frühjahr 2026, als Liebmann die Schwimmwelt mit drei Weltklassezeiten, darunter einem Europarekord über 800 Meter Freistil, geschockt hatte. Jetzt gewinnt der gebürtige Eckernförder in Paris auf triumphale Weise Gold. In 7:37,59 Minuten verbessert er seine eigene Bestmarke um 35 Hundertstelsekunden. Schwarz, der bei den Weltmeisterschaften 2025 über diese Strecke Zweiter geworden war und dem Liebmann den Europarekord entrissen hatte, holt Silber in 7:41,16 Minuten. Bronze geht an den Ungarn Zalan Sarkany.

„Ich bin ein bisschen sprachlos. Erster Start bei den Erwachsenen und gleich der Titel. Das ist unglaublich“, sagte der neue Europameister der ARD. „Ich bin mega stolz, wie es jetzt gelaufen ist, auch die gesamte Saison.“ Schwarz, der sich schon im Becken direkt nach dem Anschlag für Liebmann gefreut hatte, sagte: „Ich hatte heute keine Chance gegen Johannes, das muss man ganz ehrlich sagen. Chapeau, wie er da weggezogen ist.“

Liebmann siegt – und keiner sieht es

Nach Medaillen bei Junioren-Europameisterschaften schwimmt Liebmann, der im Frühjahr zudem sein Abitur machte, erst seit dieser Saison auf der großen Bühne – und mischt direkt ganz vorne mit. Sein EM-Titel kommt nach den Leistungen in dieser Saison auch nicht überraschend, Schwarz und er galten als Goldkandidaten.

Live übertragen aber wurde das Rennen nicht: Bei der ARD ging es gegen 19.45 Uhr nach den ersten Schwimm-Wettbewerben in Paris erst rüber zum Hochsprung der Zehnkämpfer bei der EM in Birmingham, dann zur Tagesschau und dann wieder zur Leichtathletik, wo gerade keine Entscheidungen anstanden.

Der Schwimm-Livestream auf sportschau.de zeigte ebenfalls kein Schwimmen, stattdessen das TV-Bild. Eine Info zum Rennen? Fehlanzeige. Wer nicht vor Ort war oder die Live-Ergebnisse des europäischen Verbandes checkte, bekam nichts mit. Zumal die Streamingplattform Eurovision Sport, wo sonst alles übertragen wird, wegen der ARD geblockt war. Um 21.36 Uhr dann, mehr als eine Stunde nach der Siegerehrung, erfuhr auch der Fernsehzuschauer durch die Wiederholung des Rennens vom deutschen Doppelsieg.

Liebmann hat zwei weitere EM-Chancen in Paris

Dass Liebmann in Paris das erste Mal im Rampenlicht und auch im Fokus der Konkurrenz stand, machte ihm anscheinend nichts aus. „Ich bleibe bei mir, mache mein Ding und versuche, das Beste daraus zu machen“, hatte er vorher gesagt. „Darüber habe ich auch mit meinem Trainer gesprochen.“ Und das ist mittlerweile Erfolgscoach Bernd Berkhahn.

Johannes Liebmann (Mitte) mit Sven Schwarz (l.) und Zalan Sarkany

16 Jahre alt war Liebmann, als er von Elmshorn aufs Sportinternat nach Magdeburg wechselte. Ein großer Schritt für ihn. Erst trainierte er bei Stefan Döbler, seit März 2025 nun bei Berkhahn in der Weltklasse-Trainingsgruppe mit 400-Meter-Olympiasieger und Weltrekordhalter Lukas Märtens, Freiwasser-Olympiasieger Florian Wellbrock und dem Olympia-Zweiten Oliver Klemet.

„Ich habe mich immer an meinen schnelleren Trainingspartnern orientiert und geschaut, was sie besser machen und bin dadurch schneller geworden“, sagt Liebmann. „Es ist schon cool, mit ihnen zu trainieren. Sie sind Vorbilder und gleichzeitig meine Freunde.“

In Paris hat er nun noch zwei weitere Medaillenchancen: über 1500 Meter Freistil sowie über die 400-Meter-Distanz. Auf der längsten Beckenstrecke will auch Schwarz um Gold kämpfen – er geht als WM-Zweiter des Vorjahres auf die 1500 Meter und schwamm hinter Liebmann die weltweit zweitschnellste Zeit des Jahres. Auf Rang drei dieses Rankings übrigens: Oliver Klemet, in Paris schon Dritter über zehn Kilometer im Freiwasser.

Schwedin Sjöström holt van Almsick ein

Vor dem deutschen Doppelsieg hatte Angelina Köhler auf ihrer Nebenstrecke 50 Meter Schmetterling den sechsten Platz belegt. Zur Europameisterin krönte sich die Schwedin Sarah Sjöström, die vor knapp einem Jahr Mutter geworden war. Für die 32-Jährige ist es der 18. EM-Titel ihrer Karriere – damit zieht sie mit Franziska van Almsick gleich. Keine Schwimmerin gewann bei Europameisterschaften mehr Goldmedaillen als die beiden.

Brustspezialistin Anna Elendt kam über die 100 Meter nicht über Platz sieben hinaus, sieht 2026 allerdings mit Blick auf die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles als Trainingsjahr. „Morgen geht's direkt weiter. Deshalb jetzt wirklich direkt damit abschließen und weiter nach vorne gucken“, sagte die 24-Jährige. Donnerstag startet sie im Vorlauf über die doppelte Distanz.

Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke