Die Fifa und Gianni Infantino machen einen Rückzieher. Der Plan des Fußball-Weltverbands, Anteile an seinem Geschäft an externe Investoren zu verkaufen, wird nicht weiterverfolgt. Das geht aus einer Stellungnahme des Fifa-Präsidenten aus der Nacht zu Samstag hervor. Zuvor hatte die US-Zeitung „New York Post“ berichtet, dass der Plan gescheitert sei.

„Nachdem wir uns alle Standpunkte aufmerksam angehört haben, ist deutlich geworden, dass das Projekt zu Spaltungen geführt hat, die – unabhängig vom Ausmaß der Unterstützung – nicht mehr im Interesse des ursprünglich angestrebten Ziels liegen“, hier es in der Erklärung Infantinos. „Unser Ziel war es stets – und wird es auch immer bleiben –, zu vereinen und zu verbessern. Daher wird dieser Vorschlag nicht weiterverfolgt.“

Es sei Infantinos Absicht „alle interessierten Parteien in den kommenden Tagen und Wochen im Geiste des gemeinsamen Interesses an unserem Sport wieder an einen Tisch zu bringen“.

Die Fifa hatte ursprünglich geplant, dass private Geldgeber rund 20 Prozent der Anteile an dem neu zu gründenden Tochterunternehmen Fifa Forward Enterprise erwerben sollten, dessen Wert zunächst auf insgesamt 20 Milliarden Dollar festgelegt sein sollte. Im FFE sollten die kommerziellen Rechte an den FIFA-Wettbewerben wie der Männer- und Frauen-WM sowie der Klub-WM gebündelt werden. Laut Berichten setzte der Weltverband eine Frist für die Zustimmung zum geplanten Investorendeal bis zum 19. September und versprach im Gegenzug eine Sonderzahlung. All das ist nun vom Tisch, obwohl der Weltverband die Pläne noch am Freitag verteidigt hatte.

Uefa drohte mit Boykott

Gegen die Pläne hatte sich massiver Widerstand formiert. So hat die Europäische Fußball-Union mit einem Boykott von Fifa-Wettbewerben durch ihre 55 Mitgliedsverbände gedroht. „Keine Nationalmannschaften aus der Uefa werden an irgendeinem Fifa-Wettbewerb teilnehmen, solange diese Vorschläge weiterbestehen“, teilte die Uefa nach einem Dringlichkeitstreffen mit.

„Europas Position ist eindeutig. Wir werden diesem Modell niemals unsere Legitimität verleihen. Niemand hat das moralische Recht, etwas zu verkaufen, das er lediglich treuhänderisch für die nächste Generation verwaltet“, schrieb die Europäische Fußball-Union.

Auch die für Nord- und Mittelamerika sowie die Karibik zuständige Concacaf und der asiatische Fußballdachverband AFC gingen deutlich auf Distanz zu Infantino und seinen Plänen. Der südamerikanische Fußballverband Conmebol bezog dagegen zunächst keine inhaltliche Position. Stattdessen kündigte der Kontinentalverband an, die Pläne weiter zu prüfen und forderte zusätzliche Informationen von der Fifa an.

Carlos Cordeiro, ein hochrangiger Berater Infantinos, trat aus Protest gegen das Vorhaben zurück – und zwar mit drastischen Worten. „Als leitender Berater des Fifa-Präsidenten, früherer Banker und lebenslanger Fußball-Fan kann ich nicht tatenlos zusehen, wie die Fifa den Verkauf einer Beteiligung an der Weltmeisterschaft in Erwägung zieht“, schrieb der Topfunktionär auf der Plattform LinkedIn. „Es ist ein schlechtes Geschäft für die Fifa-Mitgliedsverbände, ein schlechtes Geschäft für den Fußball und ein schlechtes Geschäft für die langfristige Zukunft dieses Sports.“

Auch Fifa-Betriebsdirektor Kevin Lamour erhob Vorwürfe. Infantino habe die Mitarbeiter hintergangen. Sie hätten Besseres verdient als Missachtung und Einschüchterung, hieß es in einem Schreiben, das AP vorliegt.

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