An diesem Samstag und Sonntag steht das größte Mannschafts-Event im deutschen Golfsport an. In München-Riedhof steigt das Final Four der DGL, die vier besten Frauen- und Männer-Teams spielen die Deutsche Meisterschaft aus. Erstmals wird das Ganze sogar live im Fernsehen übertragen. MagentaTV zeigt die Entscheidung am Sonntag ab 16.00 Uhr live.
Soweit die Erfolgsgeschichte, die am Freitagvormittag eine erwartbare, aber dennoch tiefgreifende Wende nahm. Da stimmte nämlich das Landgericht Wiesbaden dem Antrag einer einstweiligen Verfügung vom Frankfurter Golf Club (FGC) zu. Ergebnis: Die Herrenmannschaft vom Golf Club St. Leon-Rot, Meister in den Jahren 2023 und 2024, darf nicht am Final Four teilnehmen. Stattdessen rückt einen Tag vor dem Halbfinale Frankfurt nach.
„Der Deutsche Golf Verband wird die gerichtliche Entscheidung selbstverständlich beachten und das Teilnahmerecht am Final Four entsprechend handhaben“, hieß es dazu in einer Erklärung des Deutschen Golf-Verbandes (DGV), dessen Entscheidungen maßgeblich zu dem nun entstandenen Chaos beigetragen haben.
Es geht um den Golfspieler Carl Siemens aus St. Leon-Rot. Der 22-Jährige war Profi, er gewann unter anderem ein Turnier auf der Pro Golf Tour. Dort war er noch im Februar im Einsatz, ehe sich entschied, wieder Amateur werden zu wollen. Siemens stellte im Frühjahr einen entsprechenden Antrag und wurde ab dem 1. Juni wieder als Amateur geführt. Eine ungewohnt kurze Zeit. Die Regelhüter des Golfs empfehlen einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten Wartezeit, es gibt deutsche Profis, die ein Jahr und länger auf ihren neuen Status warten mussten.
Siemens aber wurde vom DGV bemerkenswert schnell durchgewinkt. So konnte er für Deutschland bei der Mannschafts-EM im Juli starten und spielte auch für St. Leon-Rot in der Bundesliga. Dort ist der Einsatz eines Profis erlaubt. Den gab es, Siemens startete zusätzlich am dritten und vierten Spieltag als Amateur.
Dietmar Hopp machte St. Leon-Rot groß
Zu Unrecht, wie nun das Gericht befand. In den Statuten der Deutschen Golf-Liga ist festgehalten, dass der Amateurstatus zum 1. Januar des Kalenderjahres bestehen muss. Weil das nicht der Fall war, legten die Frankfurter Protest ein. Als dieser vom Verband abgewiesen wurde, zogen sie vor ein ordentliches Gericht.
Dieses urteilte: St. Leon-Rot erhält für den dritten und vierten Spieltag jeweils null Punkte und belegt in der berichtigten Abschlusstabelle den dritten Platz mit 14 Punkten. Der Antragsteller (Frankfurt) rückt somit auf den zweiten Platz mit 18 Punkten vor und qualifiziert sich damit für das Final Four.
Der GC St. Leon-Rot ist ein Aushängeschild des deutschen Leistungsgolfs. Die südlich von Heidelberg gelegene Anlage entwickelte sich vor allem dank des finanziellen Engagements von SAP-Mitgründer Dietmar Hopp zu einem der erfolgreichsten Golfstandorte Europas. Hopp investierte über viele Jahre Millionen in Plätze, Infrastruktur und Nachwuchsförderung.
St. Leon-Rot galt beim Final Four als Sieger der Südgruppe, gemeinsam mit dem Nordsieger GC Hubbelrath aus Düsseldorf, als Favorit auf den Titel.
Final Four, Halbfinale
Frauen
- GC St. Leon-Rot (1. Süd) – G&LC Berlin-Wannsee (2. Nord)
- Hamburger GC (1. Nord) – Stuttgarter GC Solitude (2. Süd)
Männer
- GC Hubbelrath (1. Nord) – Frankfurter GC (2. Süd)
- GC Am Habsberg (1. Süd) – G&LC Berlin-Wannsee (2. Nord)
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