Jackson Koivun ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. Mit seinem ersten Sieg auf der PGA Tour trotzte er dem starken Schlussspurt des Weltranglistenersten und Publikumslieblings Scottie Scheffler. Koivun gewann die 3M Open in Minnesota am Sonntag mit drei Schlägen Vorsprung. In seinem erst dritten Turnier als Profi spielte er eine abschließende 66er-Runde (-5) und stellte mit insgesamt 25 unter Par (259 Schläge) einen neuen Turnierrekord auf.
„Aus der Menge hörte ich die ganze Zeit: ‚Scottie kommt. Scottie kommt‘“, sagte der erst 21-Jährige: „Ich habe versucht, das auszublenden und einfach das Golf zu spielen, von dem ich wusste, dass ich es kann.“
Scheffler, der fünf Paarungen vor Koivun gestartet war, kämpfte sich mit einer 63er-Runde noch einmal heran, musste sich aber mit seinem bereits fünften zweiten Platz der Saison begnügen. Seinen bislang einzigen Sieg 2026 hatte er bei seinem Saisonauftakt, dem American Express in Kalifornien, gefeiert. „Wir sehen heute unglaublich viele junge Top-Talente im Golf“, sagte Scheffler nun. „Wenn diese Jungs vom College kommen, sind sie außergewöhnlich gut vorbereitet – sogar besser, als wir es damals waren.“
Koivun war bester Amateur bei den US Open
Koivun war im vergangenen Jahr die Nummer eins der Amateur-Weltrangliste und entschloss sich vor wenigen Wochen, Profi zu werden. Er hatte seine College-Mannschaft, die Auburn Tigers aus Alabama, Anfang Juni zur nationalen Meisterschaft geführt. Dann spielte er die US Open in Shinnecock Hills, wo er als bester Amateur einen sehr guten 23. Platz belegte. Anschließend beendete Koivun seine beeindruckende College-Laufbahn und gab seinen Amateurstatus auf. Eine gute Idee, sportlich wie finanziell: Mit dem Erfolg in Minnesota ist der junge Mann auf einen Schlag Millionär, sein Preisgeld beträgt 1,584 Millionen Dollar.
Er gewann es in einer Hitzeschlacht: Koivun spielte bei Temperaturen von rund 36 Grad Celsius auf dem TPC Twin Cities sicher und konstant. Nachdem ihm am Samstag eine 61er-Runde gelungen war, ging er mit drei Schlägen Vorsprung in den Schlusstag. Besonders wichtig war ein Par-Putt auf dem neunten Grün, nachdem sein Annäherungsschlag im Bunker gelandet war.
„Das war vielleicht der wichtigste Putt der ganzen Woche“, sagte Koivun, er habe das Leaderboard sehr genau im Blick gehabt. „Ich wusste genau, wo ich lag. Hätte ich den verschoben, hätte ich nur noch zwei Schläge Vorsprung gehabt. Als ich zuletzt geschaut hatte, waren es noch fünf gewesen. Dieser Putt hat mir enormen Schwung gegeben.“
Koivun ist bereits der vierte Rookie-Sieger dieser PGA-Saison. Bei seinem ersten Start Anfang des Monats war er am Cut der John Deere Classic gescheitert, bei der ISCO Championship in Kentucky hatte er dann schon den geteilten zehnten Platz belegt. Mit dem Triumph vom Sonntag kann er es sogar noch in die Play-offs schaffen, im FedEx-Cup machte er 124 Plätze gut und steht nun auf Rang 70 – dies ist genau der letzte Platz, der zur Teilnahme am ersten von drei Turnieren berechtigt. Der Deutsche Matti Schmitt, der in Minnesota 44. wurde, liegt bei noch zwei ausstehenden Turnieren der regulären Saison auf Platz 65.
Großes Lob von Scottie Scheffler
Die Nummer eins ist Scheffler. Er war mit sechs Schlägen Rückstand in die Schlussrunde gestartet und hätte einen Einbruch Koivuns gebraucht, um ihn noch einzuholen. Dazu kam es nie. Der 30-Jährige spielte nahezu fehlerfrei. Lediglich ein Birdie-Putt aus etwa anderthalb Metern an Loch 14 lief einmal um den Rand des Lochs und fiel nicht hinein.
„Zum ersten Mal ein Turnier zu gewinnen, ist immer extrem schwer – besonders für einen jungen Spieler direkt vom College“, sagte Scheffler über Koivun: „Das zeigt nicht nur, wie talentiert er ist, sondern auch, wie stark er mental ist.“
Golffans sollten sich den Namen also merken. Er galt schon zu Amateurzeiten als möglicher Superstar der Zukunft, gewann zwei nationale Meisterschaften und stellte mit einem Karriere-Schlagdurchschnitt von 69,89 einen neuen Rekord auf. Der schnelle Sieg auf der wichtigsten Tour der Welt unterstreicht seine Ambitionen nun eindrucksvoll.
Koivun wuchs zunächst im kalifornischen San José auf und zog mit 17 Jahren nach Chapel Hill in North Carolina. Seine ersten Erfahrungen im Golfsport sammelte er auf einem öffentlichen Neun-Loch-Platz. Nach seinem Sieg umarmte er jetzt seinen Vater George auf dem Golfplatz und telefonierte anschließend per FaceTime mit seiner Mutter Meghan, die nicht vor Ort sein konnte.
„Sie hat geweint“, erzählte Koivun: „Ich konnte kaum verstehen, was sie gesagt hat. Aber immer wieder sagte sie, wie stolz sie auf mich ist. Meine Eltern sind mein Fels in der Brandung.“
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