Jürgen Klopp hat seinen ersten geplanten öffentlichen Auftritt nach der Ernennung zum Bundestrainer kurzfristig abgesagt. Der 59-Jährige sollte beim Internationalen Trainer-Kongress des Bundes Deutscher Fußball-Lehrer in Mainz den Eröffnungsvortrag halten. In einer Videobotschaft entschuldigte er sich für die Absage und begründete sie mit seiner neuen Rolle beim Deutschen Fußball-Bund.
„Ich möchte nicht gleich zu Beginn noch mal Schlagzeilen liefern, ohne jemals mit der Mannschaft gespielt zu haben. Deshalb dachte ich, es macht Sinn, dass ich nicht darüber spreche, worüber ich sprechen wollte“, sagte Klopp.
Für den dreitägigen Kongress in der Mainzer Rheingoldhalle übernahm stattdessen DFB-Sportdirektor Rudi Völler einen Programmpunkt in Form eines Interviews. Klopp soll seinen Vortrag zu einem späteren Zeitpunkt nachholen.
Der neue Bundestrainer hatte nach seiner Tätigkeit als WM-Experte und den Verhandlungen mit dem DFB zunächst um eine einwöchige Auszeit gebeten.
„Trainer werden ist nicht schwer, Trainer sein umso mehr“
In seiner Videobotschaft verriet Klopp auch das ursprünglich geplante Thema seines Vortrags. „Das Thema wäre gewesen: Trainer werden ist nicht schwer, Trainer sein umso mehr“, sagte er. „Da hätte ich erzählt, aus meiner Karriere, wie ich es geschafft habe – ohne ganz genau zu wissen, wie es funktioniert hat –, so lange bei den jeweiligen Vereinen gewesen zu sein.“
Mit Blick auf seine neue Aufgabe fügte er hinzu: „Wenn ich mir vorstelle, ich hätte darüber erzählt, dann könnte mir das durchaus in den nächsten Tagen und Wochen um die Ohren fliegen. Weil jetzt bin ich Trainer geworden. Das war schon schwer genug. Aber jetzt muss ich auch zeigen, dass ich es auch bleiben kann. Darauf möchte ich mich konzentrieren.“
Einen Monat nach dem frühen WM-Aus hat der DFB Jürgen Klopp zum neuen Bundestrainer ernannt. „Ich hoffe sehr, dass das für den deutschen Fußball wieder der erste Schritt nach oben war“, sagt Sportjournalistin Valentina Maceri.Der Bundestrainer machte bereits bei seiner Vorstellung deutlich, dass er sich zunächst in sein neues Amt einarbeiten müsse. „Interessant ist, dass ich meinen Alltag noch gar nicht kenne. Ich bin froh, dass das erste Spiel noch nicht morgen ist. Da wäre ich überfordert“, sagte Klopp am Freitag bei seiner ersten Pressekonferenz als DFB-Trainer.
Erster Einsatz gegen die Niederlande
Offiziell übernimmt Klopp den Posten am 15. August als Nachfolger von Julian Nagelsmann. Das erste Pflichtspiel seiner Amtszeit steht am 24. September in der Nations League gegen die Niederlande an. Vor der Partie in Amsterdam wird Klopp die Nationalmannschaft in Herzogenaurach versammeln. Danach geht es für das DFB-Team gegen Griechenland (27.9.) und Serbien (1.10.).
Für die nächsten Begegnungen habe er bereits „ein paar Dinge im Kopf“, erklärte Klopp, die allerdings „noch nicht druckreif“ seien. Sicher sei nur, dass man „nicht elf Mann durchpeitschen“ werde, die alle vier Spiele absolvieren.
Neben den sportlichen Aufgaben wartet auf Klopp ein umfassender Neuanfang beim DFB. Er hatte bei seiner Vorstellung angekündigt, „ohne Aktionismus Dinge anpassen und verändern“ zu wollen. Dabei gehe es nicht nur um den Fußball auf dem Platz, sondern auch um Bereiche, „die nicht direkt den Fußball beeinflussen“.
Neuaufbau auch abseits des Platzes
Für diesen Prozess hat Klopp seinen langjährigen Berater Marc Kosicke als externen Mitarbeiter für Strategie, Entwicklung und Innovation eingebunden. Ab Januar soll zudem Per Mertesacker als Geschäftsführer Sport und Nachfolger von Andreas Rettig zum Verband stoßen. Auch zu Verbandsdirektor Hannes Wolf, der für Nachwuchs, Training und Entwicklung zuständig ist, pflegt Klopp seit Jahren einen engen Draht.
Die Aufgabenliste ist entsprechend lang. Nach mehreren sportlichen Rückschlägen und dem dritten WM-Debakel in Folge soll Klopp nicht nur die Nationalmannschaft wieder konkurrenzfähig machen, sondern auch Strukturen im Verband modernisieren. Sein langfristiges Ziel formulierte er bereits deutlich: In einigen Jahren sollen andere Verbände sagen, „sie wollen es so machen, wie sie es beim DFB gemacht haben“.
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