Die letzte Hürde auf dem Weg von Jürgen Klopp zum Bundestrainer war am Freitagvormittag genommen worden. Aufsichtsrat und Gesellschafterversammlung der DFB GmbH und Co. KG stimmten bei ihrer heutigen digitalen Schalte wie erwartet einstimmig für das Engagement des 59-Jährigen als Chef der Nationalmannschaft. Kurz darauf bewilligten die Funktionäre auch die Ernennung von Per Mertesacker zum DFB-Geschäftsführer als Nachfolger von Andreas Rettig, der zum Jahresende ausscheidet.
Wesentliche Personalentscheidungen können nur mit der Einwilligung der Funktionäre erfolgen. Klopp wurde dann um 11 Uhr bei einer Pressekonferenz als 13. Chefcoach der DFB-Elf vorgestellt. „Er war von Anfang an unsere Wunschlösung“, sagte DFB-Präsident Bernd Neuendorf bei der Präsentation. Für Klopp zahlt der DFB eine Spende über eine Million Euro an die Stiftung „Wings for Life“, die Klopps bisherigem Arbeitgeber Red Bull nahesteht. Außerdem werden bis 2030 drei Länderspiele im Stadion von RB Leipzig absolviert.
Auch seine langjährigen Assistenten Peter Krawietz und Pepijn Lijnders sowie sein Dortmunder Ex-Spieler Sven Bender wurden vom DFB-Gremium als künftige Co-Trainer genehmigt. Klopp folgt auf Julian Nagelsmann, der mit der Nationalmannschaft bei der WM in Amerika bereits in der Zwischenrunde gescheitert war und kurz darauf sein Amt aufgab. Mit Klopp soll nun alles besser werden. WELT hat die wichtigsten Aussagen des neuen Hoffnungsträgers zusammengestellt. Klopp über ...
… die Chance, den Posten als Bundestrainer erhalten zu haben: „Es ist eine große Ehre, das Amt zu übernehmen. Die Nationalmannschaft kann uns Deutsche verbinden wie kaum etwas anderes. Genau das macht diese Aufgabe für mich so besonders. Ich hatte schon eine Ahnung, wie groß das Amt des Bundestrainers ist, aber wenn man direkt damit in Verbindung gebracht wird, dann fühlt man die Größe und die Verantwortung noch mehr. Seit ein paar Jahren konnte ich davon ausgehen, dass irgendwann mal die Anfrage vielleicht noch mal kommt. Sie war ja schon mal da, da hat es nicht funktioniert. Und trotzdem ist es ein sehr, sehr besonderer Tag für mich.“
… seine Erwartung an das Land, die Fans und die Medien: „Ich bin froh, dass wir uns jetzt wirklich um die Dinge kümmern, die wichtig sind. Auf diesem Weg, den wir im Idealfall alle gemeinsam einschlagen, werden wir euch auch brauchen. Deshalb sind wir heute hier und haben so die Gelegenheit, uns ein bisschen auf einen gemeinsamen Weg einzuschwören. Wem es egal ist, wie es mit uns weitergeht, wie es mit dem DFB weitergeht, wie es mit dem deutschen Fußball weitergeht, dem kann ich dann natürlich nicht helfen. Aber wem es nicht egal ist, der muss ein bisschen Auftrag erfüllen.“
… was er unter „Auftrag erfüllen“ versteht: „Ich mache das nicht für mich. Ich bin 59, bin kein unbeschriebenes Blatt. (...) Es geht natürlich darum, dass wir besser Fußball spielen mit den Jungs, die wir da haben. Aber noch mal: Ich mache das nicht gegen euch, sondern für euch. Und ihr müsst mir dafür nicht dankbar sein. Ich habe es gesagt, es ist eine Riesen-Ehre. Ich werde dafür sehr gut bezahlt. Aber an dem Tag, an dem ihr das nicht mehr wollt, sagt ihr es und ich bin weg. Ohne Abfindung. Wenn ihr morgen sagt, der ist scheiße, bin ich weg. Wenn der DFB sagt, so machen wir nicht weiter, bin ich weg. Wenn ihr euch danebenbenehmt und meine Familie nicht in Ruhe lasst, bin ich weg. Um es klarzumachen: Ich mache den Job, obwohl ich mitbekommen habe, wie mit Julian Nagelsmann umgegangen wurde. Ich mache ihn, obwohl ich mitbekommen habe, wie England mit Tuchel umgegangen ist – in einer Situation, wo nur der sportliche Erfolg da ist. Und es gibt andere Länder, wo es vielleicht sogar noch schlimmer ist. Das Einzige, was ich verlange, ist: Kritisiert mich dafür, wenn etwas nicht funktioniert. Ihr müsst mich nicht so sehr loben, wenn es funktioniert. Das sollte das Verständnis sein.“
… seine Zukunft: „Jürgen Klopp hat keine Karriere nach der Karriere in der Nationalmannschaft. Das ist idealerweise der Höhepunkt meiner Karriere, meines Lebens, meines beruflichen Lebens. Ich werde alles da reinlegen, was mir zur Verfügung steht.“
… die Einbindung seines Beraters Marc Kosicke, der beim DFB einen neu geschaffenen Posten bekommt: „Ich nenne es jetzt einfach mal so, damit es alle verstehen. Marc ist mein Co-Trainer für Strategie, Entwicklung und Innovation. Viele haben gesagt, es darf sich nicht nur der Cheftrainer ändern, das hilft nicht, das reicht nicht. Und es stimmt. Denn das ist auch meine Meinung. Besser Fußball spielen sollten wir. Hundertprozentig. Aber wir müssen auch ganz viele andere Dinge ändern. Und da muss man Leute haben, die sich auch darum kümmern. Mit mir gemeinsam. Wir wollen tatsächlich jeden Stein umdrehen. Und wenn unter dem Stein was ist, was gut ist, dann legen wir den Stein wieder drauf und machen es wie vorher. Und wenn unter dem Stein etwas ist, was angepasst werden muss, dann machen wir das.“
Klopps langjähriger Karrierebegleiter Marc Kosicke bei der Pressekonferenz des DFB am Freitag in Frankfurt/Main… seine Vision: „Meine Hauptaufgabe ist es, der Nationalmannschaft zu helfen. Aber darüber hinaus muss dieser Verband mit uns gemeinsam auch in die Zukunft geführt werden. Im Moment gibt es das Gefühl, wir sollten in einem Bereich so malen wie die Franzosen, im anderen so machen wie die Spanier, im dritten Bereich so machen wie die Engländer. Jetzt können wir doch mal versuchen, dass in vier, fünf, sechs Jahren die Leute sagen: Wir sollten so machen, wie die es beim DFB gemacht haben. Die haben damals die richtigen Schlüsse aus der Situation gezogen. Und genau dafür ist die Situation jetzt da. Es gibt nicht viel Gutes über die Situation zu sagen, wenn man so früh bei einer WM ausscheidet. Aber es ist der Moment, wo man ganz genau hingucken muss. Und dann ohne Aktionismus Dinge verändert, anpasst, intensiviert. Und dann besser Fußball spielt. Veränderung hat meistens, Verbesserung hat meistens mit mehr zu tun. Mehr zu investieren hilft auch. Aber vor allem den Blick auch auf das zu richten, was nicht direkt im Moment den Fußball beeinflusst, aber in der Zukunft.“
… seine Taktik: „Gegenpressing wird ein wichtiges Thema sein, eine stabile Formation, eine klare Fußballidee. Mit allen Unwägbarkeiten. Die Mannschaften, die das Turnier gewinnen konnten, haben hinten mit vier Mann gespielt. Das werden wir auch tun. Wir werden auch mit Flügeln spielen. Die Spielmacher der heutigen Generation sind auf dem Flügel. Ich hätte echt gerne, dass wir alle wieder alle Länderspiele gucken. Wir sind uns alle einig, dass erfolgreicher Fußball ein Land verändern kann.“
… seine Idealvorstellung: „Es ist eine Weile her, dass ich Länderspiele geguckt habe, links und rechts von großen Turnieren. Ich möchte schaffen, dass die Leute nach dem Spiel nach Hause gehen und sagen: ,Wow, das war wirklich cool.’ Ich habe dreimal erlebt, wie erfolgreicher Fußball eine Stadt verändern kann (bei Mainz 05, dem BVB und beim FC Liverpool, die Redaktion), wenn man erfolgreich gearbeitet hat. Ich glaube, dass Fußball auch ein Land verändern kann. Stellen wir uns mal vor, es wäre so, dass wir Weltmeister werden: Am nächsten Tag wäre der Nachbar nicht mehr so ein Arsch, wie wir im Moment vielleicht denken, dass er es ist. Oder das Wetter wäre nicht so schlecht oder Friedrich Merz würde nicht alles falsch machen, obwohl er versucht, alles richtig zu machen, und so weiter. Das ist das, was Fußball verändern kann. Und das zu wissen, bedeutet: Ab heute müssen wir alles dafür tun – nicht, dass wir Weltmeister werden, dass wir so spielen, dass wir es können.“
Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke