Als Anton Segner am Samstag in Auckland gemeinsam mit seinen Teamkollegen den Haka aufführte, schloss sich für ihn ein Kreis. Als Kind in Frankfurt trug er das Trikot der All Blacks. Nun stand der 24-Jährige selbst in der berühmten schwarzen Spielkleidung auf dem Rasen – als Nationalspieler Nummer 1237 in der Geschichte des dreimaligen Rugby-Weltmeisters.
Mit dem 40:21 gegen Irland absolvierte Segner bereits seinen zweiten Einsatz für Neuseeland. Eine Woche zuvor hatte der Stürmer beim 47:17 gegen Italien zur Halbzeit sein Debüt gefeiert und gehörte anschließend zu den Antreibern der deutlichen Leistungssteigerung nach der Pause.
„Unwirklich!“, sagte Segner nach seinem ersten Länderspiel der Deutschen Presse-Agentur. „Als Kind in Deutschland war das vielleicht ein sehr weit entfernter Traum – wenn überhaupt.“
Vom Austauschschüler zum All Black
Dabei begann seine Geschichte alles andere als in einer Rugby-Hochburg. Aufgewachsen in Frankfurt am Main, machte Segner seine ersten Schritte beim SC Frankfurt 1880. Mit 15 Jahren zog er als Austauschschüler nach Neuseeland – eine Entscheidung, die sein Leben verändern sollte.
Dort entwickelte sich der Hesse Schritt für Schritt zu einem der größten Talente des Landes. Für die Auckland Blues arbeitete er sich in der vergangenen Super-Rugby-Saison bis zum Ersatzkapitän hoch. Weil er inzwischen seit mehr als 60 Monaten in Neuseeland lebt, erfüllte er die Voraussetzungen für einen Einsatz im Nationalteam.
Anton Segner vor seinem Debüt gegen ItalienDass aus dem einstigen Austauschschüler tatsächlich ein All Black werden würde, hatte selbst Segner lange kaum für möglich gehalten. „Es passiert alles wahnsinnig schnell“, sagte er nach seinem Debüt. „Das wird erst später so richtig sacken, wenn ich mit meiner Familie zusammen bin.“
Seine Eltern hatten die weite Reise aus Deutschland kurzfristig auf sich genommen, als sich abzeichnete, dass Segner erstmals für die All Blacks nominiert werden würde. Inzwischen verbringen sie gemeinsam einige Tage in Neuseeland. In der kommenden Woche feiert Segner dort auch seinen 25. Geburtstag.
Der Traum wird Wirklichkeit
„Ich habe unendliche Unterstützung von zu Hause bekommen“, sagte der Frankfurter. „Und dafür bin ich unendlich dankbar.“ Auch sportlich wächst seine Rolle im Nationalteam weiter.
Vor dem zweiten Einsatz gegen Irland führte Segner gemeinsam mit seinen Teamkollegen den Haka auf. Die traditionsreiche Zeremonie der Maori gehört für die All Blacks seit Jahrzehnten zum festen Bestandteil jedes Länderspiels. Für den Deutschen war sie Teil eines weiteren besonderen Moments seiner noch jungen Nationalmannschaftskarriere.
„Langsam wird mir erst richtig bewusst, was passiert ist. Ich genieße jeden einzelnen Schritt auf diesem Weg“, sagte Segner. „Das ist etwas ganz Besonderes. Ich versuche einfach, wie ein Schwamm zu sein und so viel Wissen wie möglich von diesen Jungs aufzusaugen.“
In Neuseeland sorgt der Deutsche seit seinem Debüt für große Aufmerksamkeit. Auch in seiner alten Heimat verfolgt die Rugby-Szene seinen Aufstieg mit großem Interesse.
Anton Segner (r.) im vollen Körpereinsatz für Neuseeland gegen Irland„Ich bekomme unglaublich viele Nachrichten und Glückwünsche. Die Menschen schreiben mir, wie stolz sie auf mich sind und wie stolz ganz Rugby-Deutschland auf mich ist. Das zu erleben, ist etwas sehr Besonderes.“
Für Segner ist sein Weg deshalb längst mehr als eine persönliche Erfolgsgeschichte „Ich glaube, es zeigt, dass die All Blacks weit mehr sind als nur die Rugby-Nationalmannschaft Neuseelands. Sie haben weltweit eine enorme Ausstrahlung und genießen überall großen Respekt – sogar in Ländern ohne große Rugby-Tradition wie Deutschland.“
Vorbild für den Rugby-Nachwuchs
Sein Blick richtet sich bereits auf die Weltmeisterschaft im kommenden Jahr in Australien. Dort könnte Segner der erste in Deutschland geborene Rugby-Weltmeister werden.
„Es in den Kader zu schaffen, ist eine Sache. Aber da drinzubleiben, ist eine andere“, sagte er. „Der härteste Job an der ganzen Sache ist, sich den Platz im Kader jede Woche und jedes Spiel zu verdienen.“
Sicher ist bereits jetzt, dass Segners Aufstieg dem Rugby-Nachwuchs in Deutschland und Europa neue Perspektiven eröffnet hat. An junge Spieler richtet er deshalb eine klare Botschaft: „Wenn ihr Bock drauf habt, und wenn ihr es wirklich wollt, dann ist alles möglich.“
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