Als Florian Lipowitz nach dem Kletter-Spektakel in den Vogesen die Skistation in Le Markstein erreichte, war der Jubel unter den deutschen Radsport-Fans und Promi-Zaungast Jan Ullrich groß. Der deutsche Hoffnungsträger hat bei seinem Heimspiel nahe der Grenze mit dem siebten Platz eine starke Leistung bei der Tour de France abgeliefert – auch wenn es nach ganz vorn nicht reichte. Der schier übermächtige Titelverteidiger Tadej Pogačar fuhr auf der 14. Etappe – mal wieder – in einer eigenen Liga.

Pogačar holte sich nach 155,3 Kilometern und 3.800 Höhenmetern im Alleingang seinen vierten Etappensieg bei der Tour 2026 und festigte damit sein Gelbes Trikot. Dem slowenischen Weltmeister, der im Ziel 38 Sekunden Vorsprung auf seinen zweitplatzierten Teamkollegen Isaac del Toro und dem französischen Jungstar Paul Seixas hatte, ist der fünfte Gesamtsieg kaum mehr zu nehmen.

Tadej Pogačar dominiert die Tour nach Belieben

Lipowitz erreichte 50 Sekunden hinter Pogačar das Ziel in 1.192 Metern Höhe. Damit verbesserte sich der Vorjahresdritte auf den sechsten Platz der Gesamtwertung. Hinter Pogačar folgt Jonas Vingegaard 4:30 Minuten zurück auf Platz zwei, Dritter ist Lipowitz' Teamkollege Remco Evenepoel mit einem Rückstand von 5:04 Minuten.

„Am Ende haben die Beine nicht ganz gereicht“, sagt Lipowitz

„Es war einfach eine superharte Etappe von Anfang an. Am Ende haben die Beine nicht ganz gereicht. Wir können trotzdem happy sein“, sagte Lipowitz in der ARD und blickte bereits auf die nächsten schweren Bergprüfungen: „Wir müssen von Tag zu Tag schauen, wie es geht. Ich hoffe, ich kann mich schnell wieder erholen. Dann heißt es, wieder angreifen.“

Doch diese 14. Etappe hatte es in sich. Zigtausende Fans hatten an den steilen Rampen des Col du Haag - ein zum Radweg ausgebauter Waldpfad – quasi für einen Hexenkessel gesorgt. Und die Zuschauer bekamen großen Sport geboten.

11,5 Kilometer vor dem Ziel war es Lipowitz, der in der Favoritengruppe eine Attacke zusammen mit Seixas startete. Pogačar ließ sich davon aber kaum aus der Ruhe bringen. Kurz darauf - 7,5 Kilometer vor dem Ziel – ging schließlich der Weltmeister selbst in die Offensive. Und dieses Mal konnte bis zum Ziel keiner mehr folgen.

Somit holte Pogačar den 25. Etappensieg seiner Karriere. Damit zog er in der Rekordliste mit dem viertplatzierten André Leducq (Frankreich/25) gleich. Die meisten Tour-Etappen hat Ex-Weltmeister Mark Cavendish (Großbritannien/35) gewonnen.

Evenepoel hatte zwischenzeitlich wieder Probleme, den Rivalen zu folgen. Der Doppel-Olympiasieger kämpfte sich aber wieder zurück, was auch Lipowitz zugutekam. So verloren beide kaum Zeit auf die Rivalen hinter Pogačar.

Für Lipowitz war es ein kleines Heimspiel. Zahlreiche deutsche Fans hatten sich auf den Weg nach Frankreich direkt hinter der Grenze gemacht. Schon am Freitag waren auf der Etappe nach Belfort viele deutsche Fahnen zu sehen. „Ich muss ein Riesen-Dankeschön an die ganzen Fans sagen. Es war unglaublich. Ich habe so oft meinen Namen gehört“, sagte der 25-Jährige.

Ullrich nach 20 Jahren wieder bei der Tour

Und ein prominenter Fan stand auch am Streckenrand im Zielbereich. 20 Jahre nach dem Tour-Ausschluss wegen der Verbindungen zu Dopingarzt Eufemiano Fuentes war der frühere deutsche Radstar Ullrich als Zaungast zur Frankreich-Rundfahrt zurückgekehrt. „Ich freue mich wirklich extrem. Also, es ist wirklich mein erster Besuch überhaupt als Gast, als Fan sozusagen bei der Tour de France. Und dann natürlich so eine epische Etappe wie heute in den Vogesen“, sagte Ullrich in der ARD.

Lipowitz, der wohl größte deutschen Hoffnung seit zwei Jahrzehnten, traut Ullrich „auf alle Fälle das Podium zu“. Bereits im Vorjahr hatte Lipowitz als erster Deutscher seit 2006 das Podium in Paris erreicht. „Und mal gucken, wie weit es noch geht. Der Kampf ist, glaube ich, noch offen und spannend“, so Ullrich.

Am Sonntag folgt die nächste Kletterpartie, wenn die Tour auf der 15. Etappe das Plateau de Solaisan ansteuert. Vor allem der Schlussanstieg über 11,3 Kilometer mit durchschnittlich 9 Prozent Steigung hat es in sich.

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