Er gewann viermal die Tour de France. Beliebt war Chris Froome dabei aber wenig. Auf den Straßen Frankreichs wurde er beschimpft, bedroht, bespuckt, mit Urin übergossen. Nach einem Crash 2016 am Mont Ventoux, bei dem sein Rad kaputtging, lief er einen Teil der Strecke zu Fuß hoch – aus Angst, Fans könnten ihn angreifen. Nun hat Froome nach einem verheerenden Sturz im August 2025 seine Karriere beendet. Anders als geplant nicht mit einem Abschiedsrennen, sondern heimlich, still und leise kurz vor Beginn der Tour de France.
In „L‘Equipe“ hat der 41-Jährige jetzt über sein dramatisches letztes Jahr gesprochen. Bei einem schweren Trainingsunfall in Südfrankreich krachte er mit über 45 km/h ungebremst gegen ein Verkehrsschild. Er musste per Hubschrauber in eine Klinik nach Toulon geflogen und dort notoperiert werden.
Die Diagnosen: Herzbeutelriss, Lendenwirbelbruch, kollabierter Lungenflügel. „Ich habe Glück, dass ich noch lebe. Das hätte wirklich anders ausgehen können. Ich lag am Boden und dachte, dass ich wohl nie wieder würde laufen können. Das ist ein demütiger Moment, der mir die Augen geöffnet hat. Was in der Radsportwelt geschah, war plötzlich egal. Es war ein riesiger Schock für meine Familie, eine schwere Zeit“, sagte Froome.
Der Brite präzisierte die bekannten Verletzungen. „Alle meine Rippen auf der rechten Rückenseite waren gebrochen, dazu Wirbel. Mein Brustkorb ist beim Aufprall zusammengekracht. Meine rechte Lunge war schwer verletzt. Eine meiner Rippen hatte den Herzbeutel durchstoßen, sodass mein Herz quasi offen und ungeschützt war. Mein Brustkorb füllte sich mit Blut, ich bekam keine Luft. Die Sanitäter waren binnen sieben, acht Minuten da. Ich hatte großes Glück, dass der Chirurg den Herzbeutel wiederherstellen, vernähen und in meinem Brustkorb verschließen konnte.“
„Ich saß auf dem Sofa und meine Lunge kollabierte erneut“
Die Genesung gestaltete sich schwieriger als gedacht. Denn nach Froomes Entlassung aus dem Krankenhaus folgte der nächste Schock. „Kaum 24 Stunden zu Hause, saß ich auf dem Sofa und meine Lunge kollabierte erneut. Ich bekam keine Luft und meine Frau musste mich wieder in die Klinik fahren. Noch eine Operation, wieder Schläuche in meinem Brustkorb. Eine schreckliche Erfahrung; nicht nur der Sturz an sich, sondern die Folgen. In diesem Moment schwebte ich in Lebensgefahr“, sagte er.
Die Erfahrungen haben den einstigen Kapitän des Team Sky umdenken lassen. Froome habe seine Prioritäten verschoben: „Ich fühle mich, als hätte ich eine zweite Chance im Leben bekommen. Das ist ein Zeichen, es ruhiger angehen zu lassen und das Leben zu genießen. Die letzten zwei Jahrzehnte habe ich Opfer gebracht und gelitten. Das war mein Traum, aber nun bin ich an einem Punkt in meinem Leben, an dem ich leben und Zeit mit meiner Familie verbringen will. Ich kann mit meinen Kindern wandern oder zelten gehen. Meine Priorität ist es jetzt, als Ehemann und Vater präsenter zu sein.“
Nun kommt Froome nicht mehr als Fahrer, sondern als Fan zur Tour de France. Ist Tadej Pogačar, der wie er die Rundfahrt bereits viermal gewann, ebenso dominant? „Da ist ein himmelweiter Unterschied. Er macht sie alle fertig. Ich habe früher auch sehr zeitig sehr hart gearbeitet. Aber Tadej treibt es auf die Spitze. Schon auf der 6. Etappe machte er den anderen klar, dass sie nur noch um Platz 2 fahren. Ich weiß, wie demoralisierend das für die Kontrahenten sein kann. Ich bin froh, dass er nicht dabei war, als ich in Bestform war“, sagte er.
Pogacar thront nach elf Etappen an der Spitze des Klassements. Sein dänischer Rivale Jonas Vingegaard hat bereits einen Rückstand von 3:36 Minuten. Remco Evenepoel, Teamkollege des Sechsten Florian Lipowitz, hat als Dritter knapp vier Minuten Rückstand auf Pogacar.
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