Amtliche Arzt-Posse im Senegal. Nach dem WM-Aus des Teams (2:3 gegen Belgien im Sechzehntelfinale) musste bereits Nationaltrainer Pape Thiaw seinen Platz räumen. Aber damit nicht genug: Verbandspräsident Abdoulaye Fall hat einen weiteren Schuldigen für das enttäuschende Abschneiden bei dem Turnier in Mexiko, Kanada und den USA ausgemacht: Mannschaftsarzt Dr. Abderahmane Fédiore.

Bei einer Pressekonferenz der Fédération sénégalaise de football (FSF) sagte Fall: „Ich habe vor Kurzem herausgefunden, dass Dr. Fédiore von Beruf eigentlich Gynäkologe und Geburtshelfer ist. Unser leitender Arzt hatte also gar nicht die entsprechenden Qualifikationen, um unsere Spieler zu betreuen.“

Nach dem Spiel zwischen Belgien und Senegal analysiert Jürgen Klopp die Partie. „Das Spiel ist ein Lehrstück gewesen zum Thema Momentum“, sagt Klopp.

Dass ein Frauenarzt zehn Jahre lang als Team-Doktor seiner Männer-Nationalmannschaft fungiert hat, will Fall erst nach strengen internen Prüfungen infolge des WM-Ausscheidens herausgefunden haben.

Der Funktionär weiter: „Nach den Rückmeldungen, die ich erhalten habe, hatten die Spieler kein volles Vertrauen in ihn. Sie wollten sich nicht medizinisch von ihm betreuen lassen. Deshalb haben wir uns nach einem Experten umgesehen, der ihnen Sicherheit gibt, denn die Gesundheit steht über allem.“

Senegals Sportärzte-Vereinigung kontert Vorwürfe

Senegalesische und spanische Medien hatten berichtet, dass Fall kurzfristig einen Landsmann, der als Arzt in Frankreich arbeitet, hinzugezogen habe, um die Spieler zu beruhigen.

Mittlerweile gibt es allerdings Zweifel an der Darstellung des Verbandschefs. Die senegalesische Sportärzte‑Vereinigung ASMS (Association Sénégalaise de Médecine du Sport) hat Fédiore in einer Erklärung öffentlich verteidigt. Darin werden Falls’ Aussagen als unbegründet und diffamierend zurückgewiesen und eine Entschuldigung verlangt. Fédiore, so heißt es dort, habe ein Zusatzstudium in Sportmedizin.

Fédiore selbst hatte schon 2018 in einem Interview gesagt: „Meine ursprüngliche Spezialisierung war Gynäkologie. Aber die Welt des Sports fasziniert mich schon immer. Im vierten Studienjahr wählte ich Sportmedizin als Wahlfach. Diesen Weg verfolge ich weiter, meinen ersten Verein betreute ich 1986. Später kam auch die Nationalmannschaft dazu.“

Viele Journalisten im Senegal glauben, dass der Präsident des Verbandes nur einen weiteren Sündenbock für das WM-Aus gesucht hat. Um sich selbst besser dastehen zu lassen.

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