Wir müssen uns wieder Sorgen machen, das gehört vor einer Fußball-WM selbstverständlich dazu wie das Waidmannsheil vor einer Jagd. Am 11. Juni startet das Turnier, das Eröffnungsspiel wird in Mexiko-City im Aztekenstadion ausgetragen – und da beginnen offenbar die Probleme. Zu sehen waren in dieser Woche Zuschauer bei einem Spiel, die mehr als faustgroße Betonbrocken in ihren Händen hielten. Sie sollen von Decken und Wänden gebröckelt sein. Das Stadion wurde frisch renoviert.
Aus deutscher Sicht kann einem also angst und bange werden, denn das weckt natürlich Erinnerungen an die eigene WM 2006. Die Bundesligastadien waren damals für insgesamt 1,5 Milliarden Euro aus- und umgebaut oder gar neu errichtet worden. Kurz vor Turnierbeginn dann aber der Schock: Die „Stiftung Warentest“ meldete „Viermal die Rote Karte“.
Wegen „gravierender Baumängel“ drohten beim Stadionbesuch in Berlin, Gelsenkirchen, Kaiserslautern und Leipzig „verheerende Folgen“. Ein Magazin titelte „Todesfalle Stadion“, und der DFB fiel erst aus allen Wolken und war dann stinksauer.
Beckenbauers Wut: „Gesichtscreme, Olivenöl“
Oder um es mit den unnachahmlichen Worten des damaligen WM-Cheforganisators Franz Beckenbauer zu sagen: „Mir reicht's jetzt mit diesem Heer der Besserwisser und Wichtigtuer, die sich über die WM profilieren wollen. Die Stiftung Warentest kennt sich vielleicht mit Gesichtscreme, Olivenöl und Staubsaugern aus. Dabei sollten sie bleiben.“
Wie auch immer, die Fifa war zwar auch baff, reiste aber vorsichtshalber zu abermaligen Inspektionen an, und der Sportausschuss des Bundestages tagte selbstredend deswegen auch außerplanmäßig. Irgendwann stellte sich die Frage, ob dem „Sommermärchen“ da nicht eine Testmär hinzugefügt wurde. Der DFB befand jedenfalls, er sei „sehr für Panikforschung, aber nicht für Panikmache“. Am Ende überlebte jeder der 3,36 Millionen Zuschauer den Stadionbesuch. Und sogar die Sonne schien durchweg.
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