Auf dieses Finale hätten sie bei Arminia Bielefeld gerne verzichtet – denn es fühlt sich so ganz anders an als jenes, das die Ostwestfalen am Ende der vergangenen Saison bestreiten durften. Am 24. Mai 2025 standen die Bielefelder im Endspiel um den DFB-Pokal – sie hatten sich als Drittligist bis nach Berlin durchgekämpft.
Dort gab es trotz einer achtbaren Leistung zwar eine 2:4-Niederlage gegen den VfB Stuttgart. Doch die Euphorie war riesig, zumal erst zwei Wochen zuvor die Rückkehr in die zweite Bundesliga geschafft worden war. Der vergangene Sommer – für die Ostwestfalen war es ein einziger schwarz-weiß-blauer Traum. Sogar das Hermannsdenkmal mit Teutoburger Wald trug ein Arminia-Trikot.
Ein Jahr darauf steht für die alte Dame, die ihren Fans schon so viele Dramen beschert hat, wieder ein fesselndes Saisonfinish an. Nur diesmal wird es eines, dem die Anhänger mit bangen Gefühlen entgegenfiebern.
Die Bielefelder stehen mit 36 Punkten auf dem 16. Tabellenplatz. Sie müssen, wenn sie die Relegation vermeiden wollen, am Sonntag gegen Hertha BSC gewinnen (15.30 Uhr/live Sky); und selbst dann müssen sie noch bangen, dass es drei Mannschaften, die vor ihnen in der Tabelle stehen – Düsseldorf (15./37 Punkte), Braunschweig (14./37) und Dresden (13./38) – nicht tun. Oder dass Magdeburg (12./39) verliert. Es wird extrem eng.
In Fürth könnte es zum Showdown kommen
Es könnte auf die Tordifferenz ankommen. Sollten die Arminen Unentschieden spielen, wäre ihnen dank ihres im Vergleich zur Konkurrenz relativ guten Torverhältnisses die Relegation sicher. Sollten sie aber verlieren und die SpVgg Greuther Fürth, derzeit mit zwei Punkten weniger auf 17, gewinnt – dann wurde das den direkten Abstieg bedeuten. Mehr Spannung geht kaum.
Es wird auf die Nerven ankommen. Abgesehen von Preußen Münster, das als Absteiger bereits feststeht, sind sechs Mannschaften involviert. In Fürth könnte es sogar zu einem echten Showdown kommen: Der Tabellenvorletzte empfängt Fortuna Düsseldorf. Die Franken müssen gewinnen und auf eine Niederlage der Bielefelder hoffen, um sich noch die Relegation zu retten. Oder aber: Sie müssten die Düsseldorfer mit drei Toren Unterschied schlagen, um sie noch einzuholen. Dann wäre für sie, sollte Bielefeld ebenfalls verlieren, sogar noch die direkte Rettung möglich.
In jedem Fall hat die Spielvereinigung die Partie zum „wichtigsten Spiel der letzten Jahrzehnte“ erklärt. In einem flammenden Appell wurden die Fans eingeschworen. „Lasst uns diese 90 Minuten und mehr alle zusammenstehen – egal, was vorher war, was danach passieren wird.“
Vier Trainerwechsel mit positiver Wirkung
Dies ist eine beliebte Methode, um zu erreichen, dass am Ende einer enttäuschenden Saison noch einmal die Reihen geschlossen werden – statt sich mit Ursachen dafür zu beschäftigen. Klar ist dagegen: Egal, ob noch ein Wunder passieren wird oder nicht – ein „Weiter so“ wird es nach der schlechtesten Spielzeit in der Geschichte der Kleeblätter nicht geben. Alles kommt auf den Prüfstand – der Trainer aber eher nicht. Denn den hatten die Fürther bereits im Dezember gewechselt. Und Heiko Vogel hat maßgeblichen Anteil daran, dass der Gang in die 3. Liga nicht längst schon vollzogen werden musste.
Vier der sechs Teams, die noch ums Überleben kämpfen, haben während der Saison den Übungsleiter gewechselt – was tatsächlich positive Effekte zur Folge hatte. Die Magdeburger haben sich unter Petrick Sander nachhaltig stabilisiert. Ihnen reicht im Heimspiel gegen Kaiserslautern ein Punkt, um ganz sicher zu sein.
Ähnlich verhält es sich für die Dresdener, die an Aufstiegstrainer Thomas Stamm festgehalten haben, und Kiel empfangen. Eintracht Braunschweig hat, seit Lars Kornetka übernommen hat, sieben Punkte aus fünf Spielen geholt und hofft nun, dass Auswärtsgegner Schalke nach den Feierlichkeiten nach der Rückkehr in die 1. Liga nicht mehr ganz so bei der Sache ist.
Fortunas Sportchef Sven Mislintat bewies ebenfalls ein glückliches Händchen: Seit Alexander Ende von Marcus Anfang übernommen hat, hat die Mannschaft wieder Selbstvertrauen – und hievte sich am vergangenen Sonntag dank eines 3:1-Sieges über Elversberg über den Strich. Der Glaube lebt wieder.
Wer in den vergangenen Wochen derartige Erfolgserlebnisse aber nicht verzeichnen konnte, geht mit einem Rucksack in diesen schicksalhaften letzten Spieltag. Die Bielefelder, die an vergangenen beiden Wochenenden von Platz 13 auf 16 gepurzelt sind, schwanken zwischen Hoffnung und lähmender Angst. „Das war zu wenig“, sagte Kapitän Mael Corboz nach der 0:2-Niederlage in Kaiserslautern vom vergangenen Freitag kleinlaut. Dann beschwor auch er den Zusammenhalt. „Wir müssen noch einmal alles reinwerfen, zuhause mit unseren Fans zusammen!“
Die lassen sich nicht lange bitten. „Egal, was nötig ist: alles auf Sieg!“, lautet das Motto, unter dem sich die Anhänger am Sonntag um 12 Uhr in der Altstadt versammeln wollen, um dann gemeinsam zur „Alm“ zu pilgern. Die Karawane erinnert an die Fanaufmärsche aus der vergangenen Saison nach den glorreichen Pokalspielen oder vor dem letzten Heimspiel, als die Arminia bereits als Aufsteiger feststand. Diesmal allerdings läuft die Angst mit.
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