Schluss mit dem LIV-Spuk. Es ist an der Zeit, sich um das zu kümmern, was diese Woche wirklich zählt: diese Bunkernester, die den Weg zum Ziel versperren; diese subtilen, unangenehmen Modellierungen auf den Grüns. Auf dem Platz von Aronimink, wo die weltbesten Golfer ab diesem Donnerstag den Titel des PGA Champions ausspielen, ist kein Raum für Entertainment oder den Quick-Tipp auf Social Media. Stattdessen dreht sich auf diesem Platz, den der Schotte Donald Ross 1928 auf Ackerland baute, alles um Golf in seiner reinsten Form.

Nachdem in den vergangenen zwei Wochen der Ausstieg des saudi-arabischen Private Investment Funds PIF aus der LIV Golf Tour die Schlagzeilen des Golfsports prägten, gibt die PGA Championship in Pennsylvania der Szene die Chance, sich auf das Wesentliche zu besinnen. Die 108. PGA Championship ist das zweite der vier Major-Turniere in diesem Jahr. Ja, der Sieger wird mehr als drei Millionen Dollar an Preisgeld verdienen, doch am Ende spielt Geld hier nur eine untergeordnete Rolle.

Es geht um einen 72 Löcher anhaltenden Kampf gegen einen extrem schwierigen Platz; es geht um den Frust, wenn Bälle beim Putten auf dem Grün an den Lochkanten auslaufen; es geht um Nervosität und verzogene Drives, wenn der Leistungsdruck zum Turnierende steigt. Dann erhascht der Zuschauer einen tieferen Blick in das Nervenkostüm von Superstars, die auf dem Weg zum vielleicht größten Erfolg ihrer Karriere ganz menschliche Züge tragen.

Ein Blick auf die Meldeliste der PGA Championship zeigt, dass immerhin 29 der 154 Teilnehmer Major-Sieger sind. Nur drei von ihnen haben die PGA Championship aber schon mehrmals gewonnen: Brooks Koepka, dreimal, Justin Thomas und Rory McIlroy jeweils zweimal. Mit Blick auf solche Siege und den Hype um die LIV-Stars Jon Rahm, Bryson DeChambeau oder Dustin Johnson stellt sich die Frage nach der wirklichen Größe der Spieler neu.

Rory McIlroy, der größte Gewinner der vergangenen Wochen

Der 2,69 Millionen Abonnenten schwere YouTube-Kanal des Bryson DeChambeau, dessen kommerzieller Wert seit Wochen medial diskutiert wird, ist bei der PGA Championship bedeutungslos und sein Inhaber mit seinen zwei Major-Siegen rein sportlich betrachtet keine Riesennummer. Auch die Frage, wie der Spanier Jon Rahm es in den vergangenen Tagen geschafft hat, trotz seines LIV-Vertrages ein Übereinkommen mit der DP World zu finden, sodass er beim Ryder Cup 2027 für Europa zur Verfügung steht, wird in Aronimink zur Fußnote. Die Frage ist vielmehr, ob der dreimalige Major-Sieger an seine Erfolge aus dem Jahr 2023 anknüpfen kann.

Das Maß aller Dinge, an dem er sich messen muss, ist Rory McIlroy. Der Nordire ist in vielerlei Hinsicht der größte Gewinner der vergangenen Wochen. Er gab sich am Mittwoch bei der Pressekonferenz der Truist Championship gelassen und gut gelaunt. Vier Wochen nach seiner Titelverteidigung beim legendären Masters im Augusta National Golf Club kann sich der Weltranglistenzweite zurücklehnen und den abrupten Zerfall der LIV-Tour mit stiller Genugtuung betrachten.

Gewinner – nicht nur sportlich: Rory McIlroy

Er widerstand als einer von sehr wenigen den außergewöhnlich hohen Antrittsprämien, die den Profis gezahlt wurden, als Saudi-Arabien von 2019 an mit dem Turnier Saudi International ins Profigolf einstieg. McIlroy leistete sich den verbalen Verweis auf die Sportswashing-Absichten des PIF, war von Beginn an ein hartnäckiger Gegner der LIV Tour und blieb stattdessen dem Kern des Profigolfs treu: der Jagd nach den Major-Titeln. Schließlich bleibt das bis heute die einzige Möglichkeit, sich unter die wirklich großen Namen im Geschäft einzureihen.

Da wäre Tiger Woods, viermaliger Sieger der PGA Championship und 15-maliger Major-Gewinner. In Aronimink ist er nicht, weil er nach seinem jüngsten Autounfall und dem Aufenthalt in einer Schweizer Entzugsklinik weiterhin an der Demontage seiner eigenen Legende bastelt.

Vor allem aber ist da Jack Nicklaus, inzwischen 86 Jahre alt und schwerkrank. Der fünfmalige PGA-Championship-Sieger und 18-malige Major-Champion ist die Größe schlechthin im Golfsport. Als er im Vorfeld dieses Turniers in einem TV-Interview über seinen ersten Sieg im Jahr 1963 sprach, kramte er einen Geldclip aus der Hosentasche hervor, den er damals erhalten hatte und immer noch als Ballmarker auf den Grüns benutzt. „Ich bin sehr stolz auf diesen Sieg“, sagte er. Letztendlich sei es ihm bei jedem Turnierstart immer um eines gegangen: „Ich wollte nur spielen und gewinnen.“

Ein Ratschlag von Jack Nicklaus, der McIlroy prägt

Rory McIlroy und Jack Nicklaus verbindet der Hunger auf Wettkampf und Sieg. „Ich habe noch einen großen Teil meiner Karriere vor mir. Ich will weiterspielen, und ich will mich weiter vergleichen“, erklärte McIlroy jüngst seine Motivation, nachdem er die vergangenen drei Wochen mit Ehefrau Erica und Tochter Poppy vorwiegend in seinem Haus in Jupiter Island in Florida verbracht hatte. Ein Ausflug zum Dinner im White House mit König Charles und Camilla gehörte allerdings auch zur Vorbereitung auf das nächste Major-Turnier: „Ich habe mir gute zehn Tage gegeben, um mich zu entspannen. Dann habe ich gedacht, ich muss zurück auf die Driving Range, um mit dem Training anzufangen und mich auf die nächsten Wochen vorzubereiten.“

Golfstars unter sich: Rory McIlroy, Tiger Woods, Lee Trevino und Jack Nicklaus 2022 während der „R&A Celebration of Champions“

Seine Erfolge haben viel mit einem Ratschlag zu tun, den er 2009 von Jack Nicklaus bekam, als er diesen zufällig auf einem Parkplatz eines Einkaufszentrums in Palm Beach Gardens traf. Nicklaus lud ihn zum Mittagessen ein und diskutierte McIlroys Problem, Turniersiege häufig auf den letzten Löchern aus der Hand zu geben. „Er hat sehr viel über Geduld gesprochen“, erinnerte sich McIlroy. „Darum, dass man die anderen Jungs die Fehler machen lassen muss, um daraus Kapital zu schlagen.“

Von Donnerstag an wird er in Aronimink genau das wieder versuchen. Nach seinem Erfolg in Augusta ist er der Topfavorit. Aber Vorjahressieger Scottie Scheffler steht genauso im Fokus wie Brooks Koepka, der als Einziger im Feld schon dreimal eine PGA Championship gewann und zuletzt beim Masters mit einem geteilten zwölften Platz bewies, dass er seinem LIV-Ausflug zum Trotz weiterhin vorn mitspielen kann.

Nach der LIV Tour: Kaymers neue Realität

Wie Martin Kaymer diese PGA Championship wohl angehen wird? Man darf gemischte Gefühle am ersten Tee vermuten. Schließlich war die PGA Championship 2010 der Start in seine beste Phase als Golfer. Fast aus dem Nichts kam der Sieg des Deutschen damals auf dem Platz von Whistling Straits, ein Jahr danach wurde er Weltranglistenerster, 2014 gewann er die US Open. Inzwischen spielt auch Kaymer für LIV. 

Noch im Januar hatte er in einem „FAZ“-Interview sein LIV-Dasein als aufregendes Konglomerat aus Start-up-Feeling, Teamverbundenheit und neuer sportlicher Motivation verkauft. „Ich will noch mal dieses ultimative Gefühl von Zufriedenheit spüren, wenn man seine Ziele erreicht hat.“ Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird Kaymer, der die LIV-Tour als potenzielle „Champions League“ des Profigolfs sah, sich schon diese Woche fragen, wo er eine neue Plattform für seine sportlichen Ziele finden kann.

Seine jüngeren Kollegen Stephan Jäger und Matthias Schmid haben zwar finanziell nicht vom Goldgräberrausch der LIV-Zeiten profitiert wie Kaymer, dafür aber auf klassische Weise ihr Golfspiel nach vorn gebracht: Montags-Qualifikationen, der Start auf Zweitliga-Touren, das Zittern um den Erhalt der Tourkarte in den USA prägte die vergangenen Jahre. Das ganze Programm wurde abgemischt durch den einen oder anderen Erfolg, der als Motivationsschub zwischendrin so wichtig ist.

Jäger spielt diese Woche seine vierte PGA Championship, über Rang 50 ist der 36-Jährige bis dato nicht hinausgekommen, aber in dieser Saison hält er sich mit zwei Top-Ten-Platzierungen gut im Mittelfeld der PGA Tour.

Der 28-jährige Schmid ist ein Neuling bei der PGA Championship. Überhaupt sind seine Major-Erfahrungen mit nur einem Start bei The Open in Großbritannien 2025 klein. „Habe mir den letzten Startplatz für The Open erkämpft“, postete er voriges Jahr auf seinem Instagram-Kanal: „Jeder Rückschlag, jeder lange Tag, jeder frühe Morgen – das war es alles wert.“ Die Qualifikation für die PGA Championship in dieser Woche ist problemloser verlaufen. Für ihn ist es der nächste Schritt auf einem langsamen Karriereweg, den all jene gehen, die nicht wie die Ausnahmetalente Rory McIlroy oder Jack Nicklaus im Schnelldurchgang in die Weltspitze vordringen.

Michael Block – als normaler Golflehrer zur Kultfigur

Bei der PGA Championship finden sie sich alle wieder in einem einzigen Starterfeld: Die Superstars, die Männer im Mittelfeld und dazu jene Golflehrer, die sich in einem zermürbenden Ausleseprozess mit mehr als 3500 Konkurrenten einen von 20 Startplätzen gesichert haben. Sie sind ganz normale Golflehrer, betreiben Golfshops oder Driving Ranges. Manchmal rückt einer von ihnen ganz unerwartet ins Scheinwerferlicht. So wie Michael Block aus Kalifornien, der 2023 die Schlussrunde mit Rory McIlroy absolvierte, ein Hole-in-One spielte und auf Rang 15 landete.

Block hat sich in diesem Jahr erneut qualifiziert, bereits zum fünften Mal. So wird man auch als normaler Golflehrer für die Golffans zur Kultfigur und für die Golfprofis im Feld zum respektablen Konkurrenten. Die PGA Championship eint und erdet eben, weil nur drei Dinge zählen: die Leistung, das Ergebnis, der Sieg.

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