So viele Doppelpässe hat er nicht mehr gespielt, seit er 2009 seine aktive Karriere beendet hat. Im Fußball-Podcast „Phrasenmäher“ versenkt Niko Kovac eine Vorlage nach der anderen und spricht über seine Ziele mit dem BVB, Trainer, die ihn geprägt haben, und welchen Gegenspieler er nie vergisst.
Kovac verrät...
… ob er den Schalke-Aufstieg gefeiert hat
Schalke-Trainer Miron Muslic fragt Kovac im Podcast: „Wie sehr freust du dich aufs Derby nächste Saison?“
Kovac: „Erst mal freue ich mich über den Aufstieg, denn Schalke gehört in die Bundesliga. Das, was Miron mit dieser Mannschaft erreicht hat – damit hat keiner gerechnet und daher ist es einzigartig. Das Derby habe ich bisher nur im Fernsehen verfolgt. Es jetzt hautnah zu erleben, wird ein großes Highlight.“
… was der größte Hexenkessel war, in dem er je gespielt hat
Kovac: „Der 3:2-Sieg mit Kroatien in Wembley gegen England 2007. Die Atmosphäre war Wahnsinn und obwohl wir schon für die EM 2008 qualifiziert waren, haben wir alles rausgehauen und mit dem Sieg am Ende dafür gesorgt, dass England gar nicht dabei war.“
Jubel in Wembley: Nico Kovac hat nach dem Sieg über England Bruder Robert im Arm… was sein lautester Moment im Stadion als Profi war
Kovac: „Das war bei meinem Tor zum 4:3 gegen Juventus Turin in der Champions League mit dem HSV (Endstand 4:4, d. Red.). Danach flogen erst mal hunderte Sitzkissen auf den Platz und es herrschte Ekstase pur. Das vergesse ich nie.“
… wer sein härtester Gegenspieler war
Kovac: „Khalid Boulahrouz vom HSV, bei dem habe ich wirklich gezuckt. Das war eine Kante, skrupellos in jedem Duell. Da hat sich ein Zweikampf angefühlt, als wenn ich voll gegen die Wand gelaufen bin. Aber ich habe es gemocht, weil er gewinnen wollte.“
Harter Gegenspieler: Kovac (l.) trifft im Jahr 2006 mit Hertha auf HSV-Spieler Khalid Boulahrouz… welche Trainer ihn besonders geprägt haben
Kovac über Christoph Daum: „Er war für mich Avantgarde. Einer, der um die Ecke gedacht und viele Elemente in seine Arbeit aufgenommen hat, die kein anderer genutzt hat. Als ich Trainer in Frankfurt wurde und wir in der Relegation gegen Nürnberg gespielt haben, habe ich ihn auch um Rat gefragt und wollte seine Meinung hören. Leider ist er viel zu früh verstorben.“
Kovac über Frank Pagelsdorf: „Er hat beim HSV einen fantastischen Job gemacht, war taktisch sehr, sehr weit. Wir waren damals die erste Mannschaft, die mit Dreierkette gespielt hat, so wie es heute wieder viele Klubs machen. Hoogma, Hertzsch, Panadic, auf den Außen Hollerbach und Groth. Cardoso und ich im Mittelfeld. Mahdavikia, Präger, Yeboah vorn. Butt im Tor. Wir sind in meinem ersten Jahr sofort Dritter geworden, das war sensationell mit den Jungs.“
Kovac über Giovanni Trapattoni: „Ein Grandseigneur mit einer Riesenerfahrung. Er hat mir mal den Tipp gegeben: ‚Niko, du musst nicht alles wissen. Du musst nur wissen, wer es weiß und dann mit den besten Leuten zusammenarbeiten, denen du voll vertrauen und an die du dann delegieren kannst.“
Kovac über Ottmar Hitzfeld: „Ein toller Mensch und Fachmann. Derjenige, der mir in München die Tür geöffnet hat und mir bis heute zur Verfügung steht, wenn ich einen Rat brauche. Was mir bei ihm unabhängig von Titeln gefällt, ist, dass er ein normaler Mensch geblieben ist. Er hat mir immer die Meinung offen ins Gesicht gesagt. Nahbar, authentisch, ehrlich, mit großer Empathie und einer großen Aura. Das People-Management, zu wissen, wann man mal wegsieht und wann man die Zügel anzieht, konnte er wie kein Zweiter.“
… welchen Traum er sich als Trainer noch erfüllen möchte
Kovac: „Der BVB ist ein großer Klub und als großer Klub und ambitionierter Trainer willst du natürlich Titel gewinnen und dieses Stadion, diese Region in Ekstase bringen. Das, was Ottmar hier geschafft hat, ist schon ein Anreiz für mich, es zu wiederholen.“
… warum er die BVB-Profis Zettel mit ihren Wunschpositionen ausfüllen ließ
Kovac: „Als ich zum BVB kam, hatten wir bis zum ersten Spiel nicht viel Zeit und das ist ein probates Mittel, um zu sehen, wie sich die Spieler selbst einschätzen, um dann richtige Entscheidungen zu treffen.“
… was er von Kennet Eichhorn (16) hält, den der BVB holen will
Kovac: „Ich rede nicht gern über Spieler anderer Klubs, aber wir haben eine Gemeinsamkeit: Er ist Herthaner, ich war Herthaner. Ein toller Spieler, der Riesen-Potenzial hat und wie einige andere die Zukunft des deutschen Fußballs ist.“
… wie er die Entwicklung seines Landsmanns Luka Vuskovic (19) vom HSV sieht
Kovac: „Dass er in seinem Alter schon so ausgebufft und abgezockt ist, zeugt von viel Qualität und viel Selbstvertrauen. Da, wo er herkommt, aus Dalmatien, gibt es einen tollen Schlag von Menschen, die wissen, was sie wollen – und was sie dafür leisten müssen. Er wird eine große Karriere machen. Er ist ein Arbeiter, der anpackt und alles, was ich höre, ist positiv.“
… welchen ehemaligen Mitspieler er heute gern beim BVB auf dem Platz hätte
Kovac: „Luka Modrić. Ich war damals Kapitän, als er in die Nationalelf kam, und man konnte sofort sehen, was für ein außergewöhnlicher Fußballer er ist.“
Modrić ist nach seiner Zeit beim AC Milan gerade ablösefrei – und leicht zu haben. Kovac lacht: „War klar, dass die Nachfrage kommt. Aber zum einen ist Luka 40 Jahre alt und zum anderen ja gerade verletzt. Ich wünsche ihm, dass er schnell wieder gesund wird.“
… was er von den Pfiffen gegen Schlotterbeck hält
Der Abwehrchef verlängerte mit der Option, im Sommer direkt gehen zu können, wurde dafür von einem Teil der BVB-Fans ausgepfiffen. Kovac: „Natürlich habe ich mit Schlotti darüber gesprochen. Ich schütze meine Spieler und stütze sie. Bei den letzten Spielen war die Unterstützung für ihn wieder ganz normal und das hat er auch verdient. Schlotti ist einer, der immer vorangeht und sich voll mit dem BVB identifiziert. Solange er hier spielt, wird er auch alles geben. Das hat er am Freitag beim Sieg gegen Frankfurt wieder einmal gezeigt, nicht nur wegen seines Treffers.“
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… ob Brandt doch kein Wirtz oder Musiala ist, wie Kovac vor der Saison sagte
Der Mittelfeldspieler geht ablösefrei – und blieb den Beweis schuldig, permanent Topleistungen zu bringen. Kovac: „Viele haben mich ja für den Vergleich ein bisschen ausgelacht, aber ich kenne Jule schon sehr lange und weiß, welche Fähigkeiten er gerade mit dem Ball hat. Und wenn man sich seine Quoten anschaut, wären wir ohne ihn mit Sicherheit nicht dort gelandet, wo wir gerade stehen. Er ist ein großartiger Fußballer und Mensch. Beide Seiten haben sich jetzt aber entschieden, etwas anderes machen zu wollen, was auch okay ist, und daher gehen wir und er neue Wege – und im allerbesten auseinander.“
… wie er das Karriereende von Niklas Süle sieht
Kovac: „Niki ist ein toller Mensch – nahbar und sympathisch – und ein toller Fußballer, der eine sehr erfolgreiche Karriere hingelegt hat. Ich wünsche ihm für seine Zukunft nach der Saison alles Gute. Er wird sicherlich viel golfen und die Welt bereisen.“
Der ehemalige Nationalspieler Niklas Süle hat das Ende seiner aktiven Laufbahn angekündigt. "Ich möchte bekanntgeben, dass ich meine Karriere im Sommer beenden werde", sagte der 30 Jahre alte Innenverteidiger von Borussia Dortmund im Podcast "Spielmacher".… wie brutal die Hitze bei der WM wird
Kovac hat die Wärme bei der Klub-WM im Vorjahr live erlebt – und lacht: „Wärme ist gut. Das ist völlig untertrieben. Es ist so heiß, dass wir unsere Spieler in klimatisierte Räume während des Spiels geschickt haben, weil man es auf der Ersatzbank kaum aushält. Da sind auf dem Platz auch mal Temperaturen von 40 bis 45 Grad. Es wird den Spielern sehr viel Kraft abverlangen, den Trainern natürlich auch ein feines Gespür, wen sie wie lange einsetzen, wann sie rotieren und wie sie das Training dosieren, damit die Jungs fit bleiben. Das wird ein ganz entscheidender Punkt, wenn man erfolgreich sein will.“
Am Ende des „Phrasenmähers“ beantwortet Kovac noch einen Fragenhagel mit kurzen Antworten – und verrät...
… wer sein erster Fußballheld war: „Karl-Heinz Rummenigge.“
… wem er den Ballon d'Or verleihen würde nach dieser Saison: „Michael Olise.“
… wer sein verrücktester Mitspieler war: „Ernst Ogris bei Hertha BSC. Ein Österreicher, der einen Schmäh hatte und Sachen gemacht hat, die nicht normal sind – der war sensationell.“
… was der beste Kabinenstreich war, den er von Mitspielern erlebt hat: „Der Klassiker: Finalgon (Wärmesalbe zur Förderung der Durchblutung, d. Red.) in die Unterhose eines Mitspielers zu schmieren, als der noch duschen war. Wem das passierte, der hatte keinen Spaß mehr.“
Ist ihm das mal passiert? Kovac lacht: „Nein, das hätte sich keiner getraut.“
… für welchen Sportler er Eintritt zahlen würde, um ihn live zu sehen: „Das war immer Michael Jordan, aber da bin ich leider zu spät.“
… wenn er gern mal auf einen Kaffee treffen würde: „Ich würde gern mal Papst Leo treffen, bin selbst praktizierender Christ. Als Papst Franziskus noch lebte, hätte es fast mal die Möglichkeit einer Audienz gegeben, aber leider hat es nicht geklappt.“
… welchem TV-Experten er stundenlang zuhören kann: „Lothar Matthäus.“
… und bei wem er sofort ausschaltet: Kovac lacht: „Danke für das Gespräch!“
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