Bei WELTMeister sind sie jede Woche zu Gast: die Besten der Besten. Die, die in einer Disziplin besser waren als alle anderen. Im gleichnamigen WELT-Podcast erzählen sie ihre Geschichte, nachdem Zuhörer und Gastgeber zu Beginn der Folge geraten haben, um wen es sich bei dem jeweiligen Gast überhaupt handelt.

Mal sind es prominente Sportler wie Fußballer Sami Khedira oder Bob-Olympiasiegerin Laura Nolte, mal eher unbekannte Athletinnen wie Tischfußball-Weltmeisterin Viviane Widjaja oder Karateka Sophie Wachter. Und dann gibt es die, bei denen schon die Disziplinen Fragen aufwerfen.

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Thorsten Brandenburg, Grillen

Der Frühling ist da, der Sommer steht in den Startlöchern: Es sind die perfekten Jahreszeiten für all jene, die es mit dem Grillen im Garten halten oder sich wie Thorsten Brandenburg sogar Grill-Weltmeister nennen dürfen. Der 46-Jährige ist ein Mann vom Fach, er kennt den Unterschied zwischen Holzkohle und Pellets sowie die Vorzüge eines Dutch Ovens. 

„Ich arbeite gern mit unterschiedlichen Hitzezonen, gerade auch bei einem Kugelgrill. Wenn ich mir die Kohle nur auf eine Seite packe, habe ich auf der anderen Seite dann eine Fläche, wo halt keine Hitze drunter ist. Dann arbeite ich bei geschlossenem Deckel mit indirekter Hitze“, beantwortet er die Frage nach Tipps für Anfänger und Hobbygriller: „Die Bratwurst vielleicht erst mal hinlegen und die indirekte Hitze wirken lassen. Oder zuerst über die Glut, bis sie schön braun ist, und dann noch mal indirekt ein bisschen gar ziehen. Auch bei Steaks mit zwei Hitzezonen zu arbeiten, ist immer ganz praktisch.“

Weltmeisterliche Tipps beim Grillen: Besser mit unterschiedlichen Hitzezonen arbeiten

2017 holte Brandenburg mit seiner Mannschaft, den BBQ Wieseln, den Weltmeisterschaftstitel, 2018 feierten sie in der Barbecue-Kategorie der World Food Championships in den USA. „Beim Grillen ist es ein bisschen wie beim Boxen, da gibt es unterschiedliche Verbände, und wir wurden in zwei verschiedenen Weltmeister“, erzählt er.

Bei den Titelkämpfen 2017 setzten sich Brandenburgs Wiesel gegen 99 andere Teams aus insgesamt 20 Nationen durch. Die größten Konkurrenten der Deutschen kommen traditionell aus den Niederlanden, Österreich und der Schweiz. Der Sieg führt stets über eine fachkundige Jury, welche die Speisen in drei Bewertungskriterien begutachtet und entsprechend Punkte vergibt: Es geht den Juroren um Optik, Geschmack und Zartheit.

Brandenburg ist Autor mehrerer Bücher und veröffentlicht auf seinem Internetauftritt regelmäßig Rezepte. Nicht nur zum Grillen, auch Salate und andere vegetarische Gerichte. 15 Millionen Hungrige besuchen laut eigener Aussage seine Website pro Jahr. Eine der am häufigsten gestellten Fragen: Wie gelingt die perfekte Bratwurst?

„Die meisten machen den Grill einfach viel zu heiß“, weiß er. „In der Regel wird der Grill voll Holzkohle gepackt, angezündet und erst mal knalle heiß. Dann wird das Grillgut aufgelegt, und so wird die Wurst viel zu schnell dunkel, bevor sie gar ist. Die Leute sind am Grill oft zu ungeduldig. Es muss immer schnell gehen.“ Er empfiehlt daher, sich Zeit zu nehmen, sich langsam heranzutasten. „Dann kann man sich da so ein bisschen reinfuchsen, und wenn man Spaß dran hat, bleibt man auch dabei.“

Barbara Klaus, Pflügen

Wenn Sie in diesen Wochen einen Traktor über das Feld tuckern sehen, muss das nicht mit jahreszeitlichen Notwendigkeiten zusammenhängen. Womöglich werden Sie Augenzeuge einer Trainingseinheit, und ein Landwirt bereitet sich gerade auf einen Wettkampf im Pflügen vor. Seit 1953 finden Weltmeisterschaften statt. Es gibt zwei Disziplinen: Beetpflug und Wendepflug. Bewertet wird in zehn Kategorien. Es geht um Präzision und Gleichmäßigkeit, Zentimeter können über den Sieg entscheiden. Drei Stunden haben die Teilnehmer, um das Feld zu öffnen und Furchen zu ziehen. Auf dem 200-qm-Rechteck blüht der Perfektionismus. 

Barbara Klaus gewann den Titel 2013 in Kanada – als einzige Frau unter 32 Teilnehmern. „Die haben gesagt, dass die Österreicher ja wohl spinnen. Jetzt kommen sie schon mit Frauen“, erinnert sie sich und lacht. Die Landwirtin hatte sich monatelang auf den Wettbewerb vorbereitet und war drei Wochen vor den Titelkämpfen angereist, um sich mit den Gegebenheiten vertraut zu machen.  Mit dabei hatte sie in Übersee auch ihr Arbeitsgerät. Sie zerlegte ihren Trecker, verschiffte ihn per Container und baute ihn auf der anderen Seite des Atlantiks in zweitägiger Arbeit wieder zusammen. Akribie, die auch beim Pflügen selbst notwendig ist. „Wenn man nur noch 3,60 Meter zum Pflügen hat, da fängt die Weltmeisterschaft erst so richtig an“, sagt Klaus: „Diese 3,60 Meter sind die Vorbereitung für die Schlussfurche.“

Marc Weide, Zaubern

Im Stadttheater von Idar-Oberstein wird er am 9. Mai noch einmal auftreten, ehe er mit seiner Tour pausiert – und ab September dann weitere 36 Events folgen. Marc Weide ist einer der bekanntesten Zauberkünstler Deutschlands – und darf sich seit 2018 Weltmeister nennen.

Der Weg bis zum großen Titel war nicht einfach. Weide las Bücher über das Zaubern, fing mit Kartentricks an, ehe er mit Seilen, Bällen und vielen anderen Utensilien übte. 2001, da war er zehn Jahre alt, fuhr Weide mit seiner Mutter zu einer Show von US-Zauberer David Copperfield nach Oberhausen. Ein unvergesslicher Auftritt, „denn David Copperfield hat mich während der Show auf die Bühne geholt und ist dann vor meinen Augen verschwunden. Ich war komplett überflutet und völlig fertig mit der Welt“, erzählt Weide.

Copperfield habe ihn damals so fasziniert, „dass ich auf der Rückfahrt zu meiner Mama gesagt habe: ‚Mama, das mache ich auch, wenn ich groß bin.‘“ Seine Mutter war auch diejenige, der er jeden Trick präsentierte, jeden Fortschritt. „Sie musste sehr oft herhalten. Ich glaube, keine Frau hat in ihrem Leben so oft den Satz gehört: ‚Kann ich dir mal einen Kartentrick zeigen?‘ Auf jeder Familienfeier habe ich zwei Kisten zusammengeschoben, mich draufgestellt und Tricks vorgeführt.“

„Vor mir ist jemand aufgetreten, der hat einfach zwei lebendige Schafe erscheinen lassen“: Zauberweltmeister Marc Weide

Im Juli 2018 triumphierte er dann bei der WM in Südkorea. Zehn Minuten hatte er Zeit auf der Bühne. Zehn Minuten, in denen er es schaffen musste, acht Jurymitglieder zu überzeugen. Mit seinen Tricks, mit seiner Bühnenpräsenz, mit seiner Show.

Per Los wurde über die Start-Reihenfolge der 20 Finalisten entschieden, Weide war als Viertletzter dran. Obwohl er den Tipp erhielt, sich die Konkurrenz nicht anzuschauen, „um dich nicht noch verrückter zu machen“, schaute er dann doch dem einen oder anderen Zauberer zu: „Es macht etwas mit dir. Da waren Leute, die haben richtig große Dinge gemacht. Vor mir ist jemand aufgetreten, der hat einfach zum Ende zwei lebendige Schafe erscheinen lassen.“ Reichte nicht. Marc Weide sicherte sich den Titel.

Tom Sietas, Apnoetauchen

Es ist ein Ritual. Wenn Harry Kane, der englische Stürmerstar des FC Bayern, zu einem Elfmeter antritt, hält er kurz inne und atmet ganz tief durch, ehe er anläuft – und dann fast immer verwandelt. Für Tom Sietas ist Kane ein hervorragendes Beispiel, wie man durch eine bestimmte Atemtechnik mit einer Drucksituation umgehen kann. 

Der 49-Jährige ist Apnoetaucher. Er hat mehrere Weltrekorde aufgestellt, 2008 etwa über 213 Meter – und ist mehrmaliger Weltmeister. Beim Apnoetauchen oder Freitauchen atmet der Taucher vor dem Abtauchen ein und nutzt im Gegensatz zum Gerätetauchen für den Tauchgang nur diesen einen Atemzug. Den Zeitraum des Luftanhaltens bezeichnet man als Apnoe, das aus dem Griechischen kommt und „ohne Atem“ bedeutet.

Abtauchen in eine andere Welt – und das so lange oder tief wie möglich

Sietas taucht nach wie vor gern, hält aber mittlerweile auch Vorträge über Resilienz, mentale Gesundheit und Spitzenleistung unter Druck. Im Oktober 2025 ist sein Buch „Deine Atmung ändert alles!“ erschienen, ein Bestseller. Sietas erzählt darin, wie Stress mit gezielten Atemtechniken reguliert und die Leistungsfähigkeit gesteigert werden kann. Beim Tauchen würde es immer auch um „mentale Kontrolle“ gehen. Dies sei ein unheimlich hohes Gut, „weil man dadurch in schwierigen Situationen lernt, auch gelassen zu bleiben“.

Wie es begann? Nach einer schönen Erfahrung mit einem Rochen unter Wasser „bin ich in den Pool gestiegen und habe mir gesagt, dass ich die Zeit unter Wasser ausbauen muss. Und dann kam irgendwann diese mentale Komponente dazu. Denn ich finde, „dass es schon sehr viel mit Selbstbeherrschung zu tun hat, wenn man trotz des Urinstinkts entspannt bleiben und Sauerstoff sparen muss.“

Was das Atmen betrifft, erzählt Sietas, sei es wichtig, dies einmal bewusst gleichmäßig und langsam zu tun. „Über diese Atmung kommt man dann in so einen ausgeglichenen Zustand, in dem auch Geist und Körper gut miteinander kommunizieren. Das heißt, das ganze Nervensystem ist dann flexibler und da wirst du unheimlich kreativ. Das kann ich nur jedem empfehlen, der mal wieder so ein bisschen geistig zur Ruhe kommen möchte und auf andere Gedanken“, erzählt Sietas mit Blick auf das bewusste Atmen – und auf den Umgang mit Drucksituationen: „Das ist ja was, was jeder heutzutage echt gut gebrauchen kann. Also jeder, der Leistung bringen will, der ist ja viel unter Dampf, und das führt häufig dazu, dass unser Nervensystem im dauerhaften Erregungszustand ist, wir also chronisch gestresst sind.“ 

Leon Cornale, Geoguessr

Schon als Junge blätterte Leon Cornale am liebsten im Atlas, erzählt er. Länder, ihre Gebirge und Gewässer, ihre Grenzen und Städte – all das interessierte ihn mehr als jede noch so spannende Geschichte, die andere Kinder vielleicht lesen oder vorgelesen bekommen. Schon vor der Einschulung war klar, dass Geografie seine große Leidenschaft sein würde.

Nun, im Alter von 25 Jahren, hat Cornale begonnen, auch seinen Lebensunterhalt damit zu bestreiten. Allerdings nicht im klassischen Sinn als Stadtplaner, Kartograf oder in der Tourismusbranche. Cornale sitzt bis zu 14 Stunden in seinem Zimmer vor dem Computer und filmt sich beim Spielen von GeoGuessr, einem beliebten Browsergame, das er besser beherrscht als die meisten anderen auf diesem Planeten. 2022 wurde der Deutsche gemeinsam mit einem Schweden und einem Franzosen Weltmeister im Teamwettbewerb.

Bei dem Onlinespiel geht es darum, anhand von Google-Street-View-Bildern zu erraten, wo man sich gerade befindet. Und eben das schafft Cornale verblüffend präzise. Bis auf 200 Meter genau erkennt er den Standort. Das Land identifiziert er meist nach wenigen Sekunden, die exakte Position lokalisiert er dann über verschiedene Aspekte, die ihm die Bilder bieten.

Woran erkenne ich, dass ich mich hier in Neuseeland befinde?

„Es gibt überall auf der Welt verschiedene Vegetationen, Bergformen, Straßenbeläge, Straßenlinien, Strommasten, Telefonmasten. Architektur, Zäune, Telefonvorwahlen und Sprachen. Es gibt so viele Sachen, die man da lernen kann“, zählt er auf. Es sei wie ein großes Memory-Spiel, das es auswendig zu lernen gelte. Wenn er nicht vor dem Bildschirm durch die Welt reist, geht er zum Ausgleich ins Fitnessstudio oder wandern, am liebsten im Himalaja oder in Ecuador. Die Welt entdecken, ob digital oder analog – Cornales Lebensaufgabe.

Guenter Mokulys, Freestyleskateboarding

Skateboarding assoziieren viele mit Sprüngen auf und aus Rampen, mit meterhohen Airs in der Halfpipe oder dem Rutschen über Treppengeländer und Bordsteine. Freestyle ist die wohl unbekannteste Disziplin und folgt eher einem künstlerischen Schwerpunkt statt dem sportlichen „Höher, schneller, weiter“. Auf ebener Fläche wird eine auf Musik abgestimmte Choreografie vorgetragen. Die Fahrer zeigen technische Virtuosität, drehen Pirouetten, vollführen Balanceakte und scheinen mit dem Board unter ihren Füßen zu tanzen. „Ich vergleiche es mit Eiskunstlaufen“, sagt Guenter Mokulys. Der Westfale hat den Sport geprägt und weiterentwickelt, elf Skateboard-Bücher veröffentlicht und an mehr als 150 Wettbewerben teilgenommen, von denen er rund die Hälfte gewann. 

Zum Niederknien: Skateboard-Legende Guenter Mokulys

Wie groß seine Leidenschaft von Beginn an war, verdeutlicht ein Umzug. Um im deutschen Mekka des Skateboardings leben und trainieren zu können, verlegte Mokulys in jungen Jahren seinen Hausstand von Dortmund ins 70 Kilometer entfernte Münster – und zwar mit dem Fahrrad. Er kündigte seinen Job und widmete sich ganz dem Freestyleskateboarding. Ein Lebenskünstler, der in der Folge zur Ikone seines Sports wurde. Elf Weltmeistertitel gewann er seit 1986. Vergangenes Jahr war der mittlerweile 62-Jährige immer noch Fünfter der Profi-Jahreswertung.

Seine Radikalität, den Mut und die Entschlossenheit, hat sich Mokulys bis heute bewahrt. Vor einigen Wochen wagte er den Schritt und eröffnete im westfälischen Marl seinen eigenen Skate-Shop. Die Liebe zu seinem Sport will und wird er nicht verlieren. Skate or die – den alten Szene-Slogan nimmt er wörtlich. Mokulys sagt: „So lange ich kann, werde ich auf dem Skateboard stehen.“

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