Kenan Karaman hat in seiner Karriere schon einiges mitgemacht, doch in diesem Interview stieß er an seine Grenzen. Er rang um Fassung, Tränen waren zu sehen, als er da am Samstag um 22.30 Uhr auf dem Rasen stand und um ihn herum emotional alle Dämme brachen. „Ich glaube, solche Geschichten schreibt nur der Fußball. Das passt zu meiner Geschichte mit diesem Verein“, sagte der Kapitän des FC Schalke 04.

Dann sprach er über das Spiel gegen Fortuna Düsseldorf, das die Schalker dank seines Tores mit 1:0 (1:0) gewonnen hatten. Die Königsblauen haben es tatsächlich geschafft: Nach drei Jahren ist der Traditionsverein aus dem Ruhrgebiet in die Bundesliga zurückgekehrt – und das bereits drei Spieltage vor Saisonende.

„Dass ich dann auch noch das Siegtor zum Aufstieg mache, macht mich mega stolz“, sagte Karaman. Er könne seine Gefühle „gar nicht in Worten fassen“. Dann gelang es ihm doch und er gewährte tiefe Einblicke. Schalke sei nun endlich wieder da, „wo es hingehöre“. Dies sei gelungen, weil seine Kollegen und er in dieser Saison „wirklich alles gegeben“ haben. Und das, „obwohl die letzten Jahre nicht einfach waren.“

Was Karaman auf Schalke erlebt hat, sprengt jeglichen Rahmen

Karaman hat Höhen und Tiefen erlebt. Er ist mit Hannover 96 aus der Bundesliga ab- und wieder aufgestiegen und mit Fortuna Düsseldorf abgestiegen. Er hat für Besiktas Istanbul vor den wohl fanatischsten Fans gespielt, die es im europäischen Fußballkosmos gibt. Doch was er auf Schalke erlebt hat, sprengt jeglichen Rahmen.

2022 war Karaman nach Gelsenkirchen gekommen. Mit einer wild zusammengewürfelten Mannschaft, die aus einer Vielzahl von Leihspielern bestand, da der Verein kein Geld hatte, stieg er ein Jahr darauf in die 2. Liga ab. Anschließend wurden seine Kollegen und er von den eigenen Ultras um die Arena gehetzt und bedroht.

Dann erlebte Karaman zwei Jahre, in denen Schalke zwischenzeitlich sogar in die 3. Liga abzurutschen drohte. Am Ende der vergangenen Saison, die statistisch wie atmosphärisch die schlechteste in der Vereinsgeschichte war, wurden die Spieler mit Hohn und Spott verabschiedet: „Schöne Sommerpause, ihr Versager“, stand auf einem Transparent vor der Nordkurve. Es gab damals Profis, die hatten Angst, noch einmal für Schalke auflaufen zu müssen.

Man muss schon ein ganzer Kerl sein, um so etwas durchzustehen – und die Verpflichtung zu empfinden, für diesen Klub nach wie vor alles zu geben. Karaman, mittlerweile 32, ist so jemand. Er steht sinnbildlich für die Wiederauferstehung der Knappen.

„Kenan hat eine gigantische Bedeutung für uns. Die letzten Jahre haben bei allen Spuren hinterlassen – aber besonders bei Kenan“, sagte Miron Muslic. Als der Trainer im vergangenen Juli nach Schalke gekommen war, suchte er direkt das Gespräch mit Karaman. „Er wollte den Verein auf seinen Schultern tragen, weil er eine Führungspersönlichkeit ist“, so Muslic. Karaman habe eine Bringschuld gespürt, all das, was vorher schiefgelaufen ist, zu reparieren.

Muslic wusste: Wenn er mit Schalke den Turnaround schaffen wollte, dann benötigte er speziell diesen Spieler. Doch damit Karaman die Mannschaft führen kann, musste der Trainer die Verantwortung auf mehrere Schultern verteilen. Einer allein würde darunter zusammenbrechen. Also ging Muslic, tatkräftig unterstützt von dem ebenfalls neuen Sportvorstand Frank Baumann, daran, das Team umzubauen.

Die neue Mannschaft kämpfte, als ob es um ihr Leben ginge

Die Geschichte des Schalker Aufstiegs ist die einer Reihe von klugen, vor allem auch mutigen Entscheidungen. 25 Spieler gingen, 25 Spieler kamen. Es wurde ein neues Fundament gegossen. Erfahrene Profis wie Nikola Katic, Hasan Kurucay, Timo Becker stabilisierten die Defensive. Es waren Low-Budget-Verpflichtungen. Mit Soufiane El-Faouzi schaffte ein Talent aus der 3. Liga den Sprung. Die Neuen waren unvorbelastet von all dem, was auf Schalke vorher schiefgelaufen war. Das war wichtig.

Die neue Mannschaft kämpfte, als ob es um ihr Leben ginge. Der Ansatz von Muslic: „Das Wichtigste war, dass wir das Band zwischen uns und den Fans, das angerissen war, wieder in Ordnung bringen.“ Es gelang: Die Mannschaft schaffte es, die Zuschauer wieder auf ihre Seite zu ziehen. Die Stimmung drehte sich.

Als sich Schalke wieder stabilisiert hatte, wurde die zweite Stufe gezündet. Im Januar wurde die fußballerische Basis verbreitert: Mit Edin Dzeko, Dejan Ljubicic, Moussa Ndiaye und Adil Aouchiche kamen spielerische Elemente hinzu, die für eine Mischung sorgten, gegen die die Konkurrenz keinerlei Mittel mehr fand. „Vieles ist aufgegangen, aber unser Weg war vollgepackt mit Hürden und Widrigkeiten“, erklärte Muslic.

Die Mannschaft habe „Charakterstärke“ gezeigt. „Diese Jungs gehen für Schalke durch die Wand.“ Er sei unfassbar stolz, so der Coach, dessen ursprünglich bis 2027 laufender Vertrag sich durch den Aufstieg bis 2028 verlängert hat. Ein Signal für die Zukunft.

Der Rest ging an diesem Samstag in einer Welle von Freude und Erleichterung unter. Die Spieler feierten, nachdem sie Muslic bei seiner obligatorischen Pressekonferenz mit Bier übergossen hatten, bis in die frühen Morgenstunden. Die Fans, die das gesamte Spiel die Arena bereits in ein Tollhaus verwandelt hatten, indem sie einen ohrenbetäubenden Lärm gemacht hatten, harrten ebenfalls lange auf dem Berger Feld, dem Vereinsgelände, aus. Damit es zu keinem Stimmungsabfall kommen konnte, hatte der Verein Laster mit Gerstensaft geordert, damit das Bier nicht ausgeht. Auch dies war eine kluge Entscheidung.

Gelsenkirchen erlebte eine einzige, fette Party. Schon am Samstagnachmittag hatte Ausnahmezustand geherrscht. 20.000 Fans waren vom Marktplatz in Buer zur Arena gelaufen – es war eine gigantische Karawane. Später wurde in den Kneipen die Nacht zum Tage gemacht. Der Straßenbahnverkehr musste eingestellt werden: Zu viele Menschen waren auf den Gleisen. Es gibt nicht viele Vereine, die es schaffen, solche Emotionen auszulösen. Der befürchtete Platzsturm, der erhebliche Sicherheitsprobleme zur Folge gehabt hätte, blieb aus. Auch dies war bemerkenswert.

„Der Aufstieg bedeutet mir unfassbar viel. Wir haben lange auf diesen Moment gewartet, als Verein, als Stadt, die ganzen Menschen drumherum“, sagte Karaman. Er freue sich, mit Schalke in der Bundesliga zu spielen – wohl wissend, dass dies herausfordernd wird. Die finanzielle Lage ist nach wie vor schwierig. Der Klub muss sogar einen Transferüberschuss erwirtschaften, um sein negatives Eigenkapital zu reduzieren. Die Herausforderungen reißen nicht ab. Und die Euphorie wird irgendwann auch wieder verfliegen.

Doch das ist eine andere Geschichte. „Wir lassen es auf jeden Fall krachen. Jetzt ist Partystimmung angesagt“, erklärte Kenan Karaman. Die Schalker und vor allem ihr Kapitän haben es sich verdient.

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