Einen schöneren Zeitpunkt für seine Rückkehr nach München hätte sich Michael Wiesinger kaum ausmalen können. Als der FC Bayern beim 4:2 gegen den VfB Stuttgart vor eineinhalb Wochen die 35. Meisterschaft der Vereinsgeschichte klarmachte, war der ehemalige Profi des deutschen Fußball-Rekordmeisters im Münchner Stadion unter den Zuschauern.
Lediglich zwei Tage später stellten die Bayern den 53-jährigen Wiesinger als neuen Campus-Sportchef vor. Der gebürtige Burghausener kommt vom 1. FC Nürnberg und beerbt Markus Weinzierl, der künftig wieder als Trainer arbeiten möchte.
Die Veränderung an der Campus-Spitze ist nicht die einzige zur neuen Spielzeit. Holger Seitz wird sein Amt als Trainer der U23 niederlegen, den Münchnern aber erhalten bleiben und in eine andere Position innerhalb des Vereins wechseln. Auch sein Nachfolger ist ein alter Bekannter: Dante gewann mit dem FC Bayern 2013 das erste Triple der Klubgeschichte.
Das steckt hinter Bayerns Verpflichtung von Dante
Beim französischen Erstligaklub OGC Nizza beendet der Innenverteidiger nach Ablauf dieser Saison seine aktive Karriere. Seinen Trainerschein und die Pro-Lizenz des europäischen Verbandes Uefa hat Dante nebenbei längst erworben. Jetzt kehrt der 42-Jährige als Cheftrainer der U23 zum FC Bayern zurück.
Dahinter steckt mehr als nur die Rückholaktion eines Triple-Helden. Intern sehen die Bayern Dantes Verpflichtung als Startschuss für eine neue Marschroute. Das über mehrere Monate hinweg ausgetüftelte Zukunftsmodell sieht vor, dass künftig vor allem junge Übungsleiter die U23 des Deutschen Meisters übernehmen sollen. Trainer, die noch am Anfang ihrer Karriere stehen und früher bestenfalls selbst beim FC Bayern gespielt haben.
Die Idee dahinter: Die ehemaligen Profis sollen Erfahrung im Trainergeschäft sammeln und bei Bayern die Chance bekommen, sich zu entwickeln – um danach den nächsten Schritt zu gehen.
Die Münchner wollen keine Konstanz auf dem U23-Trainerposten, sondern ehemalige Spieler zu Übungsleitern ausbilden, von denen sie auch nach deren Abgängen noch profitieren können. Zum Beispiel durch deren Netzwerk oder Identifikation mit dem FC Bayern.
Mitentscheidend für diese Weichenstellung soll nach Informationen dieser Redaktion Bayerns Sportdirektor Christoph Freund gewesen sein. Das Vorbild für die neue Marschrichtung: RB Salzburg, wo Freund vor seinem Wechsel nach München im Jahr 2023 acht Jahre lang als Sportdirektor gearbeitet hat.
Auch Jochen Sauer, Bayerns Chefs des Nachwuchsleistungszentrums (NLZ), trägt das Modell mit. Ohnehin arbeitet Sauer mit Freund vertraut und eng zusammen. Die beiden kennen sich aus der gemeinsamen Zeit bei RB, dort war Sauer zwischen 2012 und 2017 Geschäftsführer.
Hintergrund des neuen U23-Modells: In Salzburg standen in den vergangenen Jahren immer wieder Trainer an der Seitenlinie, die zuvor schon beim Partnerverein FC Liefering (2. österreichische Liga) tätig gewesen waren. Die prominentesten Beispiele sind Matthias Jaissle, Thomas Letsch, Gerhard Struber und Peter Zeidler. Auch Oliver Glasner und Bo Svensson arbeiteten schon für Liefering, Marco Rose und Adi Hütter starteten ihre Trainerlaufbahn im Salzburger RB-Kosmos.
Künftig wollen auch die Bayern Profit aus einem breit gefächerten Trainer-Netzwerk ziehen. Mit Triple-Sieger Dante fällt im Sommer der Startschuss für das neue Zukunftsmodell.
Der Text wurde für das Sport-Kompetenzcenter (WELT, „Bild“, „Sport Bild“) erstellt und zuerst in der „Sport Bild“ veröffentlicht.
Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke